CL-Final-Four

RSV-Team zeigt Charakter

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Das Team des RSV Lahn-Dill hat im Spiel um Bronze zwar Charakter bewiesen. Dennoch müssen die Rollis aus Mittelhessen mit dem vierten Platz beim Final Four in der Champions League vorlieb nehmen.

Ein Blick in die Gesichter der Michael Paye, Thomas Böhme, Brian Bell, Hiroaki Kozai, Annabel Breuer und Co. verriet alles – sie waren körperlich und mental am Ende. Sie hatten im letzten Pflichtspiel der strapaziösen Rollstuhlbasketball-Saison (37 Partien insgesamt) alles rausgehauen, was noch ging. Es war aber letztlich am frühen Samstagabend zu wenig für einen Sieg gegen Unipol Briantea 84 Cantu. Die stark aufspielende und aus bedrängten Lagen hochprozentig treffende Mannschaft aus Italien sicherte sich mit dem 72:64 (37:36) Bronze bei der Champions-League-Endrunde in der Hamburger Edel-Optic-Arena am Inselpark.

"Wir haben Charakter gezeigt – und gut gespielt", analysierte RSV-Cheftrainer Ralf Neumann und hatte dabei natürlich noch die deutliche 47:85-Niederlage im Halbfinale gegen den späteren neuen Titelträger und deutschen Rivalen Thuringia Bulls vom Vortag im Kopf. Natürlich sprach er auch aktuell die vielen freien Dinger gegen die Startruppe aus Italien an, die aber nicht das Ziel fanden. "Wenn du die auf diesem Niveau nicht reinmachst, kannst du nicht gewinnen."

War die Enttäuschung am Freitag nach der Pleite gegen die Bulls Neumann deutlich anzusehen, strahlten seine Augen am Samstag schon wieder – trotz der Niederlage. Er erlebte mit, wie sich sein Team gegen groß aufspielende Italiener selbst aus dem Sumpf zog. Die Körpersprache war eine ganz andere als gegen Thüringen – und das Vertrauen in die eigene Leistung um ein Mehrfaches erhöht.

Das beste Beispiel dafür war Thomas Böhme. Der Shooter der Mittelhessen hatte mit seinen Würfen viel Pech gegen die Bullen, was ihn zum Grübeln brachte. Gegen Cantu dagegen holte er sein Team mit Körben aus ärgster Bedrängnis nach Rückstand immer wieder ran. Von der Freiwurflinie präsentierte sich der bekennende 1.-FC-Nürnberg-Fan nervenstark: Von acht Möglichkeiten versenkte er sieben. Zum 36:37-Halbzeitstand trug er 13 Punkte seiner insgesamt 24 bei, mit denen er zum Topscorer der Partie avancierte.

"Es war ein versöhnlicher Abschluss. Wir haben bis zum Ende gefightet. Vorne sind wieder ein paar Würfe nicht reingefallen. Aber wir sind auch irgendwie mental leer", erklärte Böhme, der am Sonntag den Aufstieg der "Clubberer" in die Fußball-Bundesliga feierte, ehe für den "Gunner" am Wochenende im schweizerischen Nottwill schon wieder ein Lehrgang der Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in Hamburg ansteht.

Eine überzeugende Leistung bot zudem Brian Bell. Er wollte es gegen sein ehemaliges Team unbedingt wissen – und auch seinen verhaltenen Auftritt gegen Thüringen vergessen machen. Mit 20 Punkten und neun Rebounds schrammte der Amerikaner haarscharf an einem Double-Double vorbei. Sein Effektivitätswert von 24 zeigte seine Variabilität.

Natürlich war auch auf Kapitän Michael Paye Verlass. Der Spielmacher trieb sein Team immer wieder nach vorne. War überall zu finden, lenkte verbal und emotional. Und Jan Haller gab in seinem letzten Spiel für den RSV noch einmal alles – wie gewohnt.

Dennoch reichte es nicht. Die Rollis von Lahn und Dill kamen nach einem Korb von Haller nach tollem Zuspiel von Paye auf 42:45 heran. Danach hatte vor allem Giulio Maria Papi seinen Tag des Herren. Der dribbel-, rebound- und wurfstarke italienische Center traf aus allen Lagen für Unipol Briantea. Die Niederlage des RSV Lahn-Dill nahm ihren Lauf.

RSV Lahn-Dill: Böhme (24/1), Bell (20), Haller (8), Paye (7), Häfeli (3), Dreimüller (2), Breuer, Kozai, Huber (n.e.), Kind (n.e.), Köhler (n.e.), Schell (n.e.).

Unipol Briantea 84 Cantu: Berdun (22), Sagar (14), Esteche (10), Papi (10), Carossino (6), Roourahi (6), Santorelli (2), Geninazzi (2), ), Morata (n.e.), Schiera (n.e.).

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