Emotionaler Kracher im Halbfinale

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Mal in 16 Jahren unter den vier besten Teams Europas. Erstmals fällt dabei die Entscheidung in der europäischen Königsklasse in Polen, wo am Freitag und Samstag in Walbrzych zwei spanische und zwei deutsche Teams um den höchsten Titel des Kontinents auf Vereinsebene kämpfen.

Mal in 16 Jahren unter den vier besten Teams Europas. Erstmals fällt dabei die Entscheidung in der europäischen Königsklasse in Polen, wo am Freitag und Samstag in Walbrzych zwei spanische und zwei deutsche Teams um den höchsten Titel des Kontinents auf Vereinsebene kämpfen.

Für die rund 115 000 Einwohner zählende Stadt in Niederschlesien ist das Final Four in der Champions League der Auftakt zu einem Sommer, der ganz im Zeichen der Sportart Rollstuhlbasketball steht. Vom 29. August bis 8. September finden ebenfalls in der 3000 Zuschauer fassenden neuen Zdrój Arena von Walbrzych die Europameisterschaften der Herren statt.

Der Champions-League-Modus sorgt dabei am Freitag für ein rein spanisches und ein rein deutsches Halbfinale. Um 15 Uhr stehen sich der spanische Rekordmeister CD Ilunion Madrid und Liga-Konkurrent BSR Amiab Albacete gegenüber, ehe es um 17.30 Uhr zum Duell zwischen Titelverteidiger Thuringia Bulls und Rekord-Champion RSV Lahn-Dill kommt. Einen Tag später wartet dann um 15 Uhr das Spiel um Platz drei und um 17.30 Uhr das Endspiel der Königsklasse auf die Teams wie Besucher.

Konkurrenten

Alle drei Mitkonkurrenten um den Titel sind für die Mittelhessen keine Unbekannten. Die Madrilenen, die sich auf internationalem Parkett schon neunmal mit den Wetzlarern duelliert haben, dürften als leichter Favorit in die Partie gegen Albacete gehen, auch wenn sie erst vor Ostern mit 80:85 gegen das Team aus La Mancha den Kürzeren zogen. Mit den Zwillingsbrüdern Pablo und Alejandro Zarzuela, dem Briten Terry Bywater, dem Kolumbianer Rodney Hawkins oder dem Australier Bill Latham, besitzt CD Ilunion internationale Klasse und Routine.

Albacete wirft mit dem aus der RBBL bekannten Ghazian Choudhry sowie Dan Highcock, Kyle Marsh und Center-Hünen Lee Manning gleich ein ganzes Quartett aus dem Land des aktuellen Weltmeisters in die Waagschale. Komplettiert wird der exzellente Kader mit Spielern aus Argentinien, Kolumbien, Mexiko, den Niederlanden und natürlich aus der spanischen Heimat. Trainer Jose Carlos Artacho und sein Team gastierten bereits im Februar in der Gruppenphase der Königsklasse in Wetzlar und qualifizierten sich dort auf Rang zwei hinter dem RSV Lahn-Dill für das Viertelfinale. In diesem buchten die Spanier hinter Besikatas Istanbul und Briantea Cantu aus Italien letztendlich das Ticket nach Walbrzych.

Im rein deutschen Duell zwischen den Teams aus Thüringen und Hessen wird ebenfalls ein emotionsgeladener Kracher erwartet. Zahlreiche Endspiele beider Konkurrenten endeten in der Vergangenheit bereits hoch dramatisch, so auch zuletzt im DRS-Pokal von München. Ende März lag der RSV dabei bereits sechs Minuten vor dem Ende mit neun Zählern in Front, ehe acht Sekunden vor der Schlusssirene der Iraner Vahid Gholomazad den Siegtreffer für seine Farben erzielen konnte.

Sein Center-Kollege Aliaksandr Halouski, US-Weltmeister Jake Williams, die deutschen Nationalspieler Jens-Eike Albrecht und André Bienek oder die Niederländerin Jitske Visser sind die Schlüsselfaktoren aufseiten der Ostdeutschen.

Die Mannschaft von Cheftrainerin Janet McLachlan will an das Spiel von München anknüpfen, wohlwissend, dass die Thüringer als Titelverteidiger sicher als Favorit in dieses Duell gehen. Doch in München haben Kapitän Michael Paye und Co. bewiesen, dass sie den Schlüssel zum Erfolg gegen die Bulls kennen. Stimmt die Tagesform und geht die taktische Marschroute auf, dann haben die Mittelhessen durchaus die Chance, zum elften Mal in der Vereinsgeschichte in ein Champions-League-Finale einzuziehen.

Ziele

Mit dem erneuten Erreichen des Final Four in der Königsklasse hat der RSV Lahn-Dill in dieser Saison seine Pflicht bereits erfüllt, doch nun gilt es, in der Kür diesem Erfolg noch das i-Tüpfelchen aufzusetzen. Niemand verlangt dabei von den Mittelhessen den Gewinn des siebten Champions-League-Titels, doch für einen Verein mit einer solch erfolgreichen Geschichte in der europäischen Königsklasse, ist nur dabei zu sein nicht das Maß aller sportlichen Dinge. In den vergangenen 16 Jahren stand der RSV Lahn-Dill stets unter den letzten acht Teams, schaffte 15-mal den Sprung unter die Top vier, stand zehnmal im Endspiel und krönte sich sechsmal zum Champions-League-Sieger. Eine Rekordbilanz, die kein anderes Team in diesem seit 1976 ausgetragenen Wettbewerb vorweisen kann. Und dennoch wäre in diesem Teilnehmerfeld auch Platz vier kein Beinbruch, befindet sich das Team doch weiterhin in einem Prozess des Umbaus und absolut im Soll der eigenen Ziele auf internationaler Bühne.

"Es ist großartig, dass wir schon wieder zu den vier besten Teams in Europa gehören. Dass darunter zwei deutsche Vertreter stehen, zeigt die Stärke der Bundesliga. Im Halbfinale gegen den aktuellen Champions League Sieger antreten zu müssen, ist sicherlich schwer, aber über eine stabile Defensive werden wir versuchen, das Spiel lange offen zu gestalten und wollen dann auf unsere langjährige Erfahrung bauen. Alles andere bedenken wir, wenn es soweit ist", so RSV-Cheftrainerin Janet McLachlan.

Historie

Die europäische Königsklasse, gestartet 1976 als West European Cup, geht in diesem Jahr in ihre 44. Spielzeit. Bisher konnten sich 17 verschiedene Teams in die Siegerlisten eintragen, angefangen vom Premieren-Champion ISA Amsterdam bis zum aktuellen Titelträger aus Thüringen. Je fünfmal triumphierten der BC Verkerk Zwijendrecht und Galatasaray Istanbul, der Rekordsieger ist mit sechs Titeln seit dem Jahr 2015 aber der RSV Lahn-Dill. Erstmals bestiegen die Wetzlarer Rollis 2004 als erstes deutsches Team den Thron. Insgesamt bestritt der RSV Lahn-Dill dabei bis heute 131 internationale Pflichtspiele gegen Teams aus 18 Nationen. Stolze 99 dieser Partien beendete der RSV als Sieger, nur 32 gingen verloren, darunter jedoch auch vier Champions-League-Endspiele.

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