Beim RSV Lahn-Dill fließen Tränen

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Nach der Schlusssirene des 35. Endspiels um den deutschen Pokal flossen beim RSV Lahn-Dill Tränen. Keine der Freude, sondern der bitteren Enttäuschung. Zuvor hatten die Wetzlarer eine großartige Vorstellung geboten, sich in ein Finale zurückgekämpft, dass sie schon fast wie den Sieger aussehen ließ, um wenige Sekunden vor dem Ende den Knockout zum 71:72 (16:22/30:42/55:56) gegen die Thuringia Bulls (95:60 im Halbfinale gegen Gastgeber RBB München) einstecken zu müssen.

Nach der Schlusssirene des 35. Endspiels um den deutschen Pokal flossen beim RSV Lahn-Dill Tränen. Keine der Freude, sondern der bitteren Enttäuschung. Zuvor hatten die Wetzlarer eine großartige Vorstellung geboten, sich in ein Finale zurückgekämpft, dass sie schon fast wie den Sieger aussehen ließ, um wenige Sekunden vor dem Ende den Knockout zum 71:72 (16:22/30:42/55:56) gegen die Thuringia Bulls (95:60 im Halbfinale gegen Gastgeber RBB München) einstecken zu müssen.

"Dieses Endspiel hatte keinen Verlierer verdient", bekannte der anwesende IWBF- Europe-Präsident Walter Pfaller aus Österreich kurz vor der Siegerehrung per Mikrofon in der Sporthalle der Säbener Straße in München und erhielt dafür Beifall von beiden Fanlagern und allen neutralen Besuchern eines denkwürdigen Endspiels. Das hat einmal mehr gezeigt, über welche zwei absolute internationale Spitzenteams sich die deutsche Rollstuhlbasketball-Bundesliga freuen darf.

Nach einer guten ersten Halbzeit, in der der amtierende Champions-League-Sieger jeden Fehler des RSV Lahn-Dill mit seiner Klasse eiskalt bestrafte, kam es zu einem zweiten Durchgang, der für viele Schlagzeilen gut gewesen wäre. Mit der Hypothek eines 30:42-Rückstand kamen die Mittelhessen aus der Kabine und legten los wie die Feuerwehr. Ein Dreier von Thomas Böhme zum 33:44 (21.) leitete danach eine Phase ein, auf die der Gegner aus Thüringen zunächst keine Antwort fand. Mit einem 14:2-Lauf, bei dem vor allem Nationalspieler Böhme heiß zu laufen schien, verkürzte der RSV noch im dritten Viertel auf 47:49 (28.), ehe US-Boy Jake Williams ebenfalls mit einem Dreier eine hauchdünne Führung des bisher in dieser Spielzeit ungeschlagenen Favoriten in das letzte Viertel rettete.

Doch der RSV ließ nicht locker, zeigte von außen Treffersicherheit und unter dem Bulls-Brett ein enorm physisches Spiel. Der Schlüsselfaktor war aber in dieser Phase eine Defensivleistung, die taktische Disziplin und Leidenschaft perfekt vereinte. Philipp Häfeli sorgte mit dem 57:56 (31.) sogleich für die erste Führung seit den Anfangsminuten, die Bell und Böhme bis auf 67:59 (34.) ausbauten.

Bis zum 71:66 (38.) sah der RSV wie der mögliche 35. deutsche Pokalsieger aus. Doch während die Bulls in der Offensive nun geschickt den Iraner Vahid Gholomazad in Szene brachten, klebte dem RSV im eigenen Angriff das Pech an den Fingern, als sich zwei weitere Versuche zum Entsetzen von Fans und Mannschaft noch aus dem Korb drehten. So jubelte Thüringen nicht nur acht Sekunden vor der Schlusssirene über Gholomazads 72:71, sondern nach dem bitteren Ende für den RSV auch über den zweiten Pokalsieg in der Vereinsgeschichte nach 2016.

Thüringen: Halouski (25), Williams (15/3 Dreier), Gholomazad (14), Bienek (12), Albrecht (6), Podnieks, Visser, Partanen (n.e.).

Lahn-Dill: Böhme (34/3), Paye (16/2), Bell (15), Häfeli (6), Kozai, Breuer, Dreimüller, Huber, Gans (n.e.), Möller (n.e.).

Halbfinale, RSV Lahn-Dill - Trier Dolphins 79:74 (19:14/27:31/46:50): "Wir haben nicht gut gespielt, aber uns über den Kampf das Finale am Ende verdient", so eine sichtlich gezeichnete, aber glückliche Cheftrainerin Janet McLachlan Minuten direkt nach der Schlusssirene. Nach einem ausgeglichenen Beginn war es zunächst der Rekordpokalsieger, der besser ins Spiel fand und sich Ende des ersten Viertels etwas absetzen konnte.

Dem 17:10 (9.) folgte zwar noch das 23:14 (11.) durch Brian Bell, doch danach war es zunächst mit der Herrlichkeit im RSV-Spiel vorbei, und die Dolphins übernahmen das Kommando auf dem Parkett. Ein 13:2-Lauf sorgte so schon drei Minuten nach der scheinbar komfortablen Führung für einen 25:27-Rückstand, an dem US-Boy Ryan Wright seinen maßgeblichen Anteil hatte.

Der RSV kam zwar mit großem Willen aus der Kabine zurück, doch Trier spielte clever und jederzeit erfolgreich. Zwischenzeitlich lief der RSV einem 32:40-Rückstand hinterher, der auch Ende des dritten Viertels beim 46:50 noch Bestand hatte. Brian Bell spielte nun auf. So ging der RSV mit dem Vorteil einer Führung in die entscheidende Schlussphase. Trier brachte nun die Wetzlarer immer wieder an die Freiwurflinie, um selbst schnell wieder in Ballbesitzt zu kommen. Starke 13 von 16 Versuchen verwandelte eine nervenstarker RSV nun, doch Trier kam stets zurück und lag 30 Sekunden vor dem Ende nur mit 74:76 zurück. Am Ende jubelte aber der RSV.

Trier: Passiwan (16/2), Dadzite (23/1 Dreier), Wright (17/1), Beijer (12), Davey (n.e.), Rossi (6), Doesgen (n.e.), Peters (n.e.).

Lahn-Dill: Bell (27), Paye (22), Häfeli (12), Böhme (9), Kozai (7), Breuer (2), Dreimüller, Huber, Gans (n.e.), Möller (n.e.).

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