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Für Mecier Grouls und die SG Kinzenbach ist die Vorrunde zufriedenstellend verlaufen.

Zwischen Hoffen und Bangen

  • VonPeter Froese
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In die Winterpause haben sich auch die Vertreter der Fußball-Verbandsliga Mitte verabschiedet. Fest steht auch zum jetzigen Zeitpunkt, dass, sollte auch die Saison abgebrochen werden müssen, eine Wertungsgrundlage vorhanden ist. Aus Sicht der heimischen Klubs kann man bislang durchaus zufrieden sein. Zurücklehnen darf man sich aber nicht.

In einem straff gestrickten Spielplan haben die Vereine der Fußball-Verbandsliga Mitte die Vorrunde der Saison 2021/22 absolviert und dürfen nun in die Winterpause gehen. Vier der fünf heimischen Teams haben dabei das Minimalziel, zum Jahreswechsel auf einem Nicht-Abstiegsplatz zu stehen, erreicht. Damit ist für diese Vereine ein »Abstieg am grünen Tisch«, sofern die Saison zum dritten Male wegen der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochen werden müsste, kein Thema. Lediglich der FC Gießen II, der auf dem letzten Tabellenplatz überwintert, wäre bei einem vorzeitigen Ende der Saison nicht vom Gang in die Gruppenliga verschont.

Turabdin/Babylon: Starke Bilanz nach schwachem Start

Seine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte hatte sich Volker Münn sicher anders vorgestellt. Nach der 1:3-Heimniederlage gegen den SV Niedernhausen war die zweite Amtszeit des Ex-Profis in Pohlheim bereits zu Ende, bevor sie richtig begonnen hatte. Gino Parson und Pierre Chabou übernahmen zunächst interimsmäßig, ehe Sherwin Rahmani, der seinen Posten als FC-Trainer zum Ende der Vorsaison aus beruflichen Gründen zur Verfügung gestellt hatte, wieder in Amt und Würden kam. Zu diesem Zeitpunkt lag der FC mit vier Punkten auf dem zwölften Tabellenplatz und musste als einer der Titelanwärter zunächst den Blick auf den »Tabellenkeller« richten. »Wir haben dann in 13 Spielen 30 Zähler geholt und unseren Punkteschnitt auf 2,0 verbessert. Dies ist eine Bilanz, in der du in jeder anderen Saison vorne bei der Musik dabei bist«, stellt Rahmani fest. Aktuell sind Ahmet Marankoz und Co. allerdings neun Punkte hinter dem noch ungeschlagenen Spitzenreiter TSV Steinbach II, der in dieser Saison den einzigen Aufstiegsplatz innehat, zurück. »Der TSV spielt eine überragende Runde und hat mit 43 Punkten den Grundstein dafür gelegt, sehr lange um die Meisterschaft mitspielen zu können. Ich kann die Entscheidung, nach dem Lockdown auf Relegationsspiele zu verzichten, verstehen. Für den sportlichen Ablauf ist dies aber eine Katastrophe, da es für die Mannschaften in einem breitgefächerten Mittelfeld um nichts mehr geht«, stellt Rahmani klar, dass der Kampf um einen möglichen Relegationsplatz mit dem FC Ederbergland und dem SV Niedernhausen, die beide vier Zähler mehr als der FC besitzen, noch nicht entschieden wäre. »Die Saison ist noch lang, da kann immer noch was gehen. Wir tun gut daran, von Spiel zu Spiel zu schauen und unsere Punkte zu holen. Wenn uns jemand noch etwas offeriert, dann wollen wir da sein und zugreifen«, hat Rahmani die Flinte um den Kampf um den Hessenliga-Aufstieg wohlwissend, dass den seine Elf nicht mehr in der eigenen Hand hat, noch nicht ins Korn geworfen.

SG Kinzenbach: Höhen und Tiefen säumen den Weg

Durch den 4:2-Derbysieg gegen den FC Gießen II kletterte die Elf von SG-Trainer Oliver Dönges am letzten Spieltag der Hinrunde noch auf einen einstelligen Tabellenplatz. Bei fünf Punkten Rückstand auf Tabellenplatz fünf, aber nur vier Zähler Vorsprung auf den ersten möglichen Abstiegsrang 14 ist für Tommy Ried und Co. nach der Winterpause der Weg in beide Richtungen möglich. Ähnlich wechselhaft gestaltete sich der bisherige Saisonverlauf der Rot-Weißen. Ein Highlight war dabei sicher der 5:1-Heimerfolg über den derzeitigen Tabellenzweiten FC Ederbergland, während die Dönges-Elf nach einem 1:4-Rückstand gegen den FV Breidenbach ihre Comeback-Qualitäten zeigte und noch ein 4:4 einfahren konnte. »Beim 3:3 gegen Germania Schwanheim haben wir eine 3:1-Führung aus der Hand gegeben und das Last-Minute-Remis in Weyer, bei dem wir zuvor reihenweise gute Chancen auf das zweite Tor hatten, waren die ärgerlichsten Ergebnisse der Hinserie«, stellt Dönges fest. Der SG-Trainer musste in seiner bislang fünften Amtszeit mit zahlreichen Ausfällen kämpfen. Leistungsträger wie Timo Schmidt, Yannik Mohr und Spielführer Nicolas Anker waren nur schwer zu ersetzen. Besonders schwer wog allerdings der Ausfall von Henrik Keller, der mit elf Treffern die interne Torschützenliste anführt. Zwei dieser Treffer erzielte der SG-Torjäger nach sechswöchiger Verletzungspause während eines halbstündigen Kurzeinsatzes im Derby gegen den FC Gießen II und entschied damit diese Partie quasi im Alleingang. »Dieser Sieg war für uns in dieser engen Liga Gold wert«, stellt Dönges, der die SG im Sommer 2022 verlassen muss, klar. Bis dahin möchte er die SG einmal mehr auf einen Tabellenplatz im ruhigen Mittelfeldfahrwasser führen. »Der Wille und die Laufbereitschaft meiner Elf ist in jedem Spiel zu spüren. Wir haben die Qualität, uns auch in dieser Spielzeit auf einem einstelligen Tabellenplatz zu positionieren«, gibt Dönges als Ziel für die Restsaison aus.

FC Cleeberg: Lange Durststrecke nach Top-Start

Die Elf von FC-Trainer Daniel Schäfer startete mit vier Siegen und zwei Unentschieden furios in die neue Runde. Vor dem Spitzenspiel gegen den TSV Steinbach II am siebten Spieltag lagen Dominik Huisgen und Co. auf dem zweiten Tabellenplatz. Trotz einer Klasseleistung mussten die »Raubritter« gegen den Ligaprimus eine 0:3-Niederlage quittieren. Dies war der Auftakt einer Serie von zehn Spielen ohne Sieg. Lediglich zwei weitere Punkte konnten in dieser Zeit verbucht werden, sodass sich der FC am vorletzten Spieltag vor der Winterpause auf einem Abstiegsplatz wiederfand. Mit einem 3:1-Erfolg beim VfB Marburg gelang aber doch noch der Sprung über den Strich, sodass man nun erst einmal entspannt den weiteren Entwicklungen in der Frage der Fortführung der Saison harren kann. »Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen, dass wir wieder ein Spiel gewonnen haben. Dieser Trend hat sich bereits beim 2:3 gegen den SV Niedernhausen abgezeichnet, weil nun wieder mehr Personal zur Verfügung steht«, bringt Schäfer das Problem auf den Punkt. Torjäger Sebastian Greb, der mit elf Treffern die interne Torschützenliste anführt, fehlte aufgrund eines Außenbandrisses fünf Spiele. Für Marvin Gath war die Vorrunde nach dem 3:3 gegen den FV Breidenbach aufgrund eines Meniskusrisses vorzeitig beendet. »Da mit Dominik Trivilino, Kilian Mandler und Simon Kranz weitere Offensivkräfte fehlten, hat uns das Tempo für unser Umschaltspiel gefehlt«, erläutert Schäfer. Auch in der Defensive blieb die Elf des FC-Trainers von Ausfällen nicht verschont. So fehlten mit Vincent Berledt und Moritz Riedel die beiden etatmäßigen Innenverteidiger wochenlang wegen Krankheit. »Unser Kader ist zwar quantitativ breit, aber qualitativ bin ich auf den einen oder anderen Spieler angewiesen, wenn wir erfolgreich sein wollen«, führt Schäfer aus. Für den Pädagogen wird es bis zum letzten Spieltag ein enger Kampf um den Klassenerhalt. »In einer engen Liga kämpfen mindestens zehn Teams um den Verbleib in der Verbandsliga. Wenn wir unser Personal zur Verfügung haben und die Spieler ihr Potenzial abrufen, dann sind wir in der Lage, am Ende auch über dem Strich zu stehen. Ich hoffe auf alle Fälle, dass wir die Runde wie geplant zu Ende spielen können«, möchte Schäfer die Entscheidung nicht der Corona-Lage und einer Entscheidung am »grünen Tisch« überlassen.

SC Waldgirmes II: Starke Heimbilanz

Die Elf von SC-Trainer Thorsten Schäfer hat 16 der 20 Punkte auf heimischem Gelände eingefahren. »Wir haben trotz der 5:6-Niederlage gegen den FC Turabdin/Babylon eine tolle Heimbilanz, während wir auswärts zu viele Punkte liegengelassen haben. Meine Jungs sind vorne oftmals nicht kaltschnäuzig genug und präsentieren sich in der Abwehr noch etwas grün hinter den Ohren«, stellt Schäfer fest. Vor allem in Bauerbach (3:5), in Walluf (3:4), in Niedernhausen (0:5), in Eltville (1:5) und in Biebrich (0:4) präsentierten sich die Lahnauer in der Defensive nicht sattelfest. Die Derbybilanz ist mit Siegen gegen den FC Gießen II (5:2), in Kinzenbach (4:1) und gegen den FC Cleeberg (3:1) positiv. »Nach dem Sprung von der Jugend zu den Aktiven gibt es immer mal Schwankungen in der Formkurve. Dies gehört zum Entwicklungsprozess dazu. Einigen Spielern aus unserem Kader traue ich eine tolle Laufbahn zu und hoffe, dass sie sich nach der Winterpause in Richtung unseres Hessenligateams weiterentwickeln werden«, sagt Schäfer. Der Klassenerhalt hat in den Augen des Trainers oberste Priorität. »Der Erfolg der ersten Mannschaft gibt dem Verein Planungssicherheit und hat auch für uns einen positiven Effekt. Der U23-Kader hat grundsätzlich aber auch ohne Abstellungen von oben genügend Qualität, um am Ende genügend Vereine hinter uns zu lassen. Die Jungs sollen sich in Ruhe entwickeln - da gehören auch mal Niederlagen dazu«, stellt Schäfer klar.

FC Gießen II: Mit roter Laterne ins neue Jahr

Wie bereits in der abgebrochenen Vorsaison belegt der FC Gießen II in der Winterpause den letzten Tabellenplatz. Die Bilanz der Elf von Trainer Thomas Turgut spricht dabei eine deutliche Sprache. Nach drei Siegen, einem Remis und 13 Niederlagen weist der FC lediglich zehn Punkte auf und hat bereits jetzt einen Rückstand von neun Zählern auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Ständig wechselnde Aufstellungen, bei denen es punktuelle Abstellungen aus dem Regionalliga-Kader gibt, aber man auch oftmals auf die A-Junioren zurückgreifen muss, machen die Aufgabe für Thomas Turgut nicht einfacher. »Die Jungs geben alles und werden sich auch in der Rückrunde weiterhin voll reinhängen. Die bisherigen Einsätze haben gezeigt, dass meine Jungs im Herrenfußball angekommen sind und sich dort weiterentwickeln werden«, zollt Turgut vor allem seinen A-Junioren Lob. Dennoch wäre alles andere als der Abstieg in die Gruppenliga nach derzeitigem Stand eine große Überraschung.

Nach schwachem Start haben sich Ahmet Marankoz (l.) und Gino Parson mit ihrem FC Turabdin/Babylon mehr als nur stabilisiert.

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