Ende der Laufbahn: Philipp Müller ist in Leipzig als Sportkoordinator tätig. ARCHIVFOTO: DPA
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Ende der Laufbahn: Philipp Müller ist in Leipzig als Sportkoordinator tätig. ARCHIVFOTO: DPA

Die zweite Karriere des "Zerstörers"

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(dpa). Auf der Platte hatte sich Philipp Müller den durchaus verehrend gemeinten Beinamen "Zerstörer" erarbeitet. Mit seinen auf 196 Zentimeter Körpergröße verteilten 105 Kilogramm war er bekannt dafür, in der Deckung alles andere als zimperlich zu sein. In seiner zweiten Karriere ist der einstige Rückraum-Hüne des SC DHfK Leipzig und der HSG Wetzlar nun als Aufbauhelfer gefragt. Müller soll als Sportkoordinator mithelfen, den Handball-Bundesligisten Leipzig mittelfristig in den Europapokal zu führen.

"Ich bin nun aus der Jogginghose raus und lerne Stück für Stück, was alles dahinter steckt, damit so ein Handball-Verein in der Bundesliga spielen kann", sagt Müller. Vieles sei "learning by doing", aber das sei für den 35-Jährigen kein Problem: "Im Gegenteil. Ich finde es gut, wenn man ins kalte Wasser geworfen wird. Da lernt man mehr und schneller."

Dabei hatte er den Sprung in das unbekannte Nass überhaupt nicht geplant. Im Sommer 2019 war Müller nach sechs Jahren von der MT Melsungen nach Leipzig gewechselt. Der Ex-Nationalspieler wusste, was ihn erwartet. Seine Frau Katja hatte lange beim HC Leipzig gespielt, man kannte die Stadt. Und der Routinier soll den SC DHfK mit seiner Erfahrung nach vorn bringen.

Zwei Jahre wollte Müller noch spielen, dann sollte Schluss sein. Doch die Einsatzzeiten waren nicht so, wie es sich Spieler und Klub gewünscht hatten. Und über den Jahreswechsel kam es zum Gespräch mit Geschäftsführer Karsten Günther - und Müller musste schlucken. "Der Verein wollte nicht verlängern", berichtet er. "Aber dann haben sie mir gleich gesagt, sie wollen mich auf jeden Fall in anderer Funktion behalten. Das hat mir dann ein gutes Gefühl gegeben."

Müllers Posten des Sportkoordinators wurde in Leipzig neu geschaffen. Er soll Bindeglied zwischen Mannschaft und Geschäftsstelle sein und dem umtriebigen Manager Günther den Rücken freihalten. "Dieser Posten wird uns helfen, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich weiterzuwachsen, um das Ziel Europa in Angriff zu nehmen. Ich bin überzeugt, dass Philipp dafür genau der Richtige ist und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit", sagt Günther.

Kurz hat Müller noch zittern müssen, als die Coronavirus-Pandemie seine Karriere prompt beendete und im Verein jeder Cent hinterfragt wurde. Doch sein Job stand im Prinzip nie zur Debatte. Bis 2023 steht der Zwilling des ehemaligen Füchse-Profis Michael Müller nun beim SC DHfK unter Vertrag, soll in der größten Not sogar noch einmal als Stand-by-Profi ran.

Müller stand 14 Jahre als Spieler auf dem Feld. Dass er demnächst in der Vorbereitung in ein Trainingslager fahren wird, was er selbst mitorganisiert hat, ist eine neue Situation. "Aber ich bin schon etwas froh, dass ich nicht mehr laufen gehen muss", sagt Müller und grinst. Bei seiner Statur nur allzu verständlich. Ganz ohne Bewegung geht es aber dann doch nicht: "Ich hatte ja auch drei Monate frei. Irgendwann hast du aber keine Lust mehr, auf der Couch zu sitzen. Ich bin aufs Rad gestiegen, war schwimmen oder beim Krafttraining."

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