Es wird wieder Wettkampftennis gespielt, egal ob in Linden, Lollar oder Laubach. Friedrich Lenz plädiert dafür, auf den weitläufigen Tennisanlagen im Gießener Kreis Regelungen für den Besuch von Zuschauern zu finden. FOTOS: FRIEDRICH/SCHEPP
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Es wird wieder Wettkampftennis gespielt, egal ob in Linden, Lollar oder Laubach. Friedrich Lenz plädiert dafür, auf den weitläufigen Tennisanlagen im Gießener Kreis Regelungen für den Besuch von Zuschauern zu finden. FOTOS: FRIEDRICH/SCHEPP

Tennis

"Zuschauer sollten erlaubt sein"

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Lange mussten die Tenniscracks zittern. Jetzt geht’s los mit der Freiluftsaison. Vor dem Start haben wir mit Friedrich Lenz (Grünberg) gesprochen, dem Präsident des Tennisbezirks Mittelhessen.

Ohne Zuschauer, dafür mit Corona-Beauftragtem, Bewirtung und klaren Hygieneregeln startet das heimische Tennis, ob in Linden, Lollar oder Laubach, an diesem Wochenende in die Medenrunde. Neben dem Profifußball und dem Golf ist das Tennis damit der einzige medial beachtete Sport, der im Juni 2020 in Deutschland wettkampfmäßig durchgeführt wird.

"Ich war die ganze Zeit ein Befürworter der Durchführung und bin froh, dass es jetzt losgeht", sagt der Grünberger Präsident des Tennisbezirk Mittelhessen, Friedrich Lenz. "Ein großes Problem ist aber, dass keine Zuschauer erlaubt sind. Diese konservative Einstellung ist bei den Möglichkeiten des Tennissports im Freien nicht mehr zeitgemäß", meint der 69-Jährige.

Wie ist die Rückzugsquote von rund 35 Prozent im Tennisbezirk Mittelhessen zu werten? Welche Bewirtung ist nach dem Wettkampf erlaubt? Und warum ist die Ausführung der Medenrunde so wichtig für den Sport? Darüber sprechen wir mit Friedrich Lenz.

Herr Lenz, warum ist es richtig, die Tennis-Medenrunde durchzuführen?

Weil das Tennis so keinen Schaden nimmt und wir den Sport nicht in einem Jahr aus dem Dornröschenschlaf wecken müssen. Ein Jahr ohne Wettkampf hätte viele Nachteile mit sich gebracht: Abmeldungen von Mitgliedern, weniger Trainerstunden, keine öffentliche Beachtung. Zudem ist die Zahl der Neuinfektionen seit Wochen gering, in der gesamten Bevölkerung wächst das Vertrauen in Hygienekonzepte. Die können im Tennis gut umgesetzt werden.

Die Bestimmungen sehen unter anderem vor, dass Umkleiden von einer Person pro fünf Quadratmetern genutzt werden dürfen, Abstände stets eingehalten und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden.

Ich sehe bei der Umsetzung keine Probleme. Auch beim Doppel bekommt man das hin: Bei den Absprachen vor jedem Aufschlag muss man eben auf Distanz bleiben und sich nicht die Hand vor den Mund halten. Ansonsten gibt es wenig Berührungspunkte.

Öffentliche Club-Gastronomien dürfen öffnen, eine Eigenbewirtung durch Clubmitglieder ist verboten. Glauben Sie, dass sich die Tennisspieler daran halten werden?

Man muss sich überlegen, ob man es riskieren möchte, Ärger mit dem zuständigen Ordnungsamt zu bekommen. Ein Caterer mit professioneller Bedienung kann im Freien in Anspruch genommen werden - ich denke, darauf können sich viele Vereine einigen.

Aus der Corona-Verordnung des Landes Hessen geht hervor, dass Zuschauer nicht gestattet sind.

Das tut weh und ich hoffe, dass man sich auf Verbandsebene dafür einsetzt, dass ein Kompromiss gefunden wird. Genauso wie bei den Umkleiden könnte man sagen: Pro fünf Quadratmeter Anlagenfläche ist ein Zuschauer erlaubt. Aus meiner Sicht war es vorauseilender Gehorsam des Verbandes, das vor etlichen Wochen hinzunehmen, weil man damals froh war, überhaupt spielen zu dürfen. Zuschauer sollten erlaubt sein. Wenn man sieht, welche Entscheidungen zuletzt in Thüringen oder Brandenburg getroffen wurden, dann ist ein Verbot von Zuschauern im Freien nicht mehr zeitgemäß. So dürfen ja nur die Spieler und der Coronabeauftragte auf die Anlage. Normalerweise wird das Team von anderen Vereinsmitgliedern, dem Vorstand, begleitet und unterstützt. In Grünberg beispielsweise könnten unsere Mitglieder angrenzende Waldwege zum Zuschauen nutzen.

In Hessen haben 27 Prozent der Mannschaften zurückgezogen, im Tennisbezirk Mittelhessen sind es 35 Prozent. Das heißt, dass 73 bzw. 65 Prozent an der Medenrunde teilnehmen. Ein guter Wert?

Ich denke, das kann man als sehr zufriedenstellend einstufen. Viele haben von der Option Gebrauch gemacht, dass der Meldeschluss bis Ende Mai verlängert wurde. Zurückgezogen haben vor allem viele Teams aus den Altersklassen - es ist gut und verständlich, dass sie vorsichtig sind.

Durch die vielen Rückzüge und die lange Ungewissheit war die Vorbereitung und Organisation der Wettkampfsaison eine große Herausforderung.

Unsere Bezirkssportwartin Ute Heupel hat drei Tage nonstop und ohne viel Schlaf durchgearbeitet und viele Veränderungen am Spielplan vorgenommen. Mit vielen Vereinen, die plötzlich nur noch zu zweit in einer Gruppe dastanden, musste Rücksprache gehalten werden. Am Ende gab es trotz der oft notwendigen Gruppenwechsel kaum Vereine, die sich beschwert haben.

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