Zeit- und Bergfahrer in ihrem Element

(die) Der Radcup Mittelhessen kommt: "Drei Rennen - zwei Tage - ein Sieger", so lautet am Samstag und Sonntag das Motto für diese sportliche Großveranstaltung. Man wolle durch den Radcup Mittelhessen auch für die Region werben, in der er stattfindet, sagen die Organisatoren. Ein flüchtiger Blick auf die Höhenprofile der drei Einzeletappen zeigt, dass dieses Ziel ohne Zweifel zu erreichen ist. Dieses anspruchsvolle Rad-Wochenende dürfte noch einige Tage in den Beinen der Teilnehmer für "Nachwehen" sorgen und Mittelhessen so schnell nicht vergessen lassen.

Um einen Eindruck zu erhalten, welche sportlichen Besonderheiten locken, haben zwei heimische Radsportler die drei Etappen unter die Räder genommen und einem Streckentest unterzogen. Moritz Schütz, seines Zeichens amtierender Hessenmeister im Einzelzeitfahren und in der höchsten deutschen Amateurliga unterwegs, und sein Teamkollege Jan-Niklas Droste (beide RV Gießen-Kleinlinden), gerade abgelöster Zeitfahr-Vizemeister aus Niedersachsen mit Bundesligaerfahrung und mit mehreren Landestiteln auf dem Mountainbike gekrönt, spekulieren vor allem auf des Einzelzeitfahren zum Auftakt des Radcups. Bereits am Samstag um 9 Uhr verlässt der erste Fahrer die Startrampe am Ortsausgang von Salzböden und nimmt das 11,5 Kilometer lange Einzelzeitfahren über die Schmelzmühle in Richtung Krofdorf-Gleiberg in Angriff. Dort kommen die Zeitfahrspezialisten mit hohem Tempo aus dem Waldstück und schießen kurz hinter dem Ortseingang durchs Ziel. Transpondertechnologie sorgt für eine exakte Zeitmessung, die den Zuschauern auf einer großen Tafel im Ziel angezeigt wird. "Zwei Wochen vor der Deutschen Meisterschaft im Zeitfahren dient diese erste Etappe als hervorragende Standortbestimmung, auch wenn die Strecke anspruchsvoller als bei der DM ist", sind sich Schütz und Droste einig.

Mit Blick auf die Radcup-Gesamtwertung sei das Zeitfahren richtungsweisend. "Wenn es schlecht läuft, fahre ich nur noch auf gute Einzelergebnisse", sagt Schütz, der wie sein Teamkollege nach auskuriertem Magen-Darm-Infekt mit einer gewissen Unsicherheit ins Rennen geht.

Auch die richtige Materialwahl stellt die beiden Zeitfahrexperten angesichts des sehr schlechten Straßenbelags und der Steigungen im Krofdorfer Forst vor eine schwierige Entscheidung. Während der eine auf das normale Straßenrad setzt, hat sich der andere bereits für ein spezielles Zeitfahrrad entschieden. Kurz nach 12 Uhr erreicht der letzte Fahrer das Ziel auf der Hauptstraße in Krofdorf-Gleiberg.

Während die Fahrer eine kurze Verschnaufpause haben, zieht der Radcup-Tross nach Lollar um. Dort geht es ab 16 Uhr mit Start und Ziel vor dem Rathaus um den "Engel&Jung-Cup". Den 2,5 km langen Rundkurs vom Holzmühler Weg, in den Lärchenweg, Tannenweg, in die Waldstraße, Heinrich-Schmidt-Straße, den Alten-Busecker-Weg, die Richard-Wagner-Straße und wieder in den Holzmühler Weg fasst Streckentester Jan-Niklas Droste mit den Worten "steil, hart und lang" zusammen. "Die Etappe in Lollar ist schon ein hartes Ding.

Die Strecke hat viele Richtungswechsel, ist unrhythmisch und erfordert volle Konzentration", so Droste. "Einige Teams kommen mit Fahrern, denen Strecken wie der Lollarer Rundkurs besonders gut liegen. Die fahren dann auf Einzelsieg statt auf Gesamtwertung", weiß Moritz Schütz. Der Spagat zwischen vollem Einsatz und Zurückhaltung mit Blick auf die Gesamtwertung ist für Schütz eine große Herausforderung.

Ähnlich dürfte es auch den weiteren heimischen Startern ergehen, die zum Beispiel aus den Reihen der RSG Gießen und Wieseck kommen und sich im bundesweit besetzten Starterfeld vor eigenem Publikum in Szene setzen möchten. Gegen 21 Uhr dürfte das Lollarer Publikum dann den Tagessieger des Elite-Rennens kennen und die Überreichung des Gelben Trikots für die Tagesgesamtwertung vor dem Rathaus verfolgen. Nach dem Rennen in Lollar steht am Sonntag die Schlussetappe des Radcups im Lumdatal an.

In seinen drei Jahren hat sich das Rennen "Rund im Lumdatal" bereits einen guten Namen gemacht. So werden hier vor allem Bergfahrer das Starterfeld ausmachen, die mit dem langgezogenen und steilen Climbacher Berg nach dem Start in Allendorf/Lumda in ihrem Element sind. Von Climbach führt der 8,5 km lange Rundkurs über das Beuerner Kreuz nach Allertshausen und von dort in schneller Fahrt hinab nach Allendorf/Lumda. Im Programm (Start ab 9 Uhr) sind auch Rennen für Nachwuchsfahrer enthalten. Gegen 16 Uhr wollen die Veranstaltergemeinschaft der Radsportvereine RSG Gießen und Wieseck, RV Germania Lollar, RV Gießen-Kleinlinden und die Bürgermeister der beteiligten Kommunen die Gesamtsiegerehrung am Ziel in der Bahnhofstraße in Allendorf/Lumda vornehmen.

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