Khaibar Amani
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Khaibar Amani

Zeilsheims Nationalspieler

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(fnp). An den Tag, als er sein Heimatland verließ und in ein neues Leben aufbrach, kann er sich nicht mehr erinnern. Wie auch? Khaibar Amani war zwei Jahre alt, als seine sechsköpfige Familie aus Afghanistan flüchtete und die Reise ins ferne Frankfurt antrat. Gut drei Jahrezehnte später lebt Amani immer noch im Rhein-Main-Gebiet, er ist Familienvater und gehört seit fünf Jahren dem Kader der afghanischen Fußball-Nationalmannschaft an. An diesem Mittwoch empfängt er mit seinem neuen Verein SV Zeilsheim in der Hessenliga den Tabellenzweiten Hessen Dreieich (20 Uhr). Eine besondere Partie für den 33 Jahre alten Stürmer. Er selbst spielte drei Jahre lang für Dreieich und kommt immer besser in Fahrt: Am vergangenen Freitag erzielte Amani den Siegtreffer für Zeilsheim in Bad Vilbel (1:0), als er in der Nachspielzeit einen Eckball per Kopf entscheidend verlängerte. "Ich muss ehrlich sagen, ich habe den Ball nur geschliffen, vielleicht war es auch ein Eigentor", sagt Amani in seiner bescheidenen Art.

Im Sommer 2015 war es, als Amani einen Anruf vom damaligen afghanischen Nationaltrainer Slaven Skeledzic erhielt. Skeledzic, einst Jugendtrainer bei Eintracht Frankfurt, kannte Amani gut. "Er suchte einen Stürmer und lud mich zu einem Testspiel im September 2015 gegen Thailand ein - und da war ich ziemlich erfolgreich", erinnert sich Amani.

Noch heute gehört er dem Kader Afghanistans an, wird bei Länderspielen als Joker eingewechselt. Der aktuelle Nationaltrainer Anoush Dastgier, erst 30 Jahre alt, hat das Team zwar verjüngt, baut aber auf die Erfahrung und Torgefährlichkeit Amanis. Als Amani sein Heimatland 2012 erstmals wieder besuchte, war er tief bewegt. "Wenn man sieht und miterlebt, wie die Menschen dort leben, diese Armut, das war ein richtiger Schock."

Einmal konnte er bisher auch in Afghanistan auflaufen, 2018 bei einem sogenannten Friedensspiel in Kabul gegen Palästina (0:0). "Das war etwas sehr besonderes, ein Hochsicherheitsspiel. Alleine unser Hotel war mit hohen Mauern komplett abgeschottet", erinnert er sich. Umso schöner, dass er hier in Deutschland ohne Terror-Angst leben und Fußball spielen kann. FOTO: IMAGO

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