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Tennis

In zehn Stunden Tennis lernen

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Es muss kein Jahr dauern, bis die ersten ansehnlichen Ballwechsel zustande kommen. Beim Fast-Learning-Kurs werden im Gießener Raum unerfahrene Erwachsene an das Tennis herangeführt.

Für mich", sagt die 27-jährige Gießenerin Hanna Beyer, "war Tennis immer ein elitärer Profisport, für den man fünf Jahre braucht, bis man ihn richtig beherrscht. Insofern baue ich hier gerade Vorurteile ab." Beyer absolviert mit der ebenfalls 27-jährigen Gießenerin Alena Kreutzer aktuell den Fast-Learning-Kurs in Alten-Buseck: Ohne jede Vorerfahrung schnell Tennis spielen lernen.

Schon nach der ersten Doppelstunde standen beide an einem kalten Dienstagnachmittag im Januar auf dem Asphaltplatz am Schwanenteich und probierten sich nach privater Verabredung eigenständig aus. "Es macht voll Spaß, wenn du schnelle Lernerfolge hast", meint Kreutzer. "Man ist halt nicht frustriert." Drei Doppelstunden später, nach acht Stunden Tennis im Leben also, liefern sich beide vergangene Woche in der Halle bereits ansehnliche Ballwechsel.

In fünf Doppelstunden sollen komplette Anfänger an die gelbe Filzkugel herangeführt werden. Das wird nicht nur in Buseck, sondern auch in Wettenberg beim TC, in Watzenborn-Steinberg beim TV oder in Gießen bei RW praktiziert.

"Wenn man an Tennisanfänger denkt, kommen einem immer Kinder in den Sinn. Erwachsene werden häufig vergessen", meint Timo Dittmann, Kursleiter, B-Trainer und JLU-Student. Reduzierung ist das Schlüsselwort beim Fast Learning.

Die Hürden werden abgebaut: Vereinseintritt und Schlägeranschaffung sind nicht nötig.

Die Bedingungen werden vereinfacht: In einem verkleinerten Feld mit druckreduzierten Bällen kommen die Teilnehmer direkt ins Spielen. "Die Bälle sind größer, langsamer und einfacher - sie verzeihen mehr Fehler", erklärt Dittmann.

"Der Kurs ist nicht trainerzentriert, sodass die Teilnehmer andauernd spielen und sich anschließend verabreden können." Reduziert ist auch die Teilnehmerzahl, acht seien ideal, "damit du als Trainer alle Anfänger beobachten und korrigieren kannst", weiß Steven Moneke vom Top-Sport-Park in Buseck. Er sieht, wie Dittmann die Unbeflecktheit der Teilnehmer nutzt und ihnen von Beginn an Metaphern näherbringt: Beim Aufschlag zeigt der Schlägerkopf nach vorne wie eine Taschenlampe, der linke Fuß zum rechten Netzpfosten. Der Schläger wird aus dem Rucksack geholt, ehe ein High five folgt.

Konzept und Vorgaben stammen vom Unternehmen tennis people - "das Skript ist klar vorgegeben", sagt Moneke. "Als Trainer hast du den Anspruch, dass die Teilnehmer nach zehn Stunden mit druckreduzierten Bällen eigenständig spielen können und dem Tennis in der Folge idealerweise verbunden bleiben."

Bei mehreren Vereinen im Landkreis funktioniert das sehr gut: "Die allermeisten Teilnehmer sind uns danach treu geblieben, fast alle sind Feuer und Flamme", sagt Stephan Thylmann vom TC Wettenberg. "Die Leute fremdeln durch die vereinfachten Bedingungen nicht so."

Auch Hanna Beyer und Alena Kreutzer rätselten zunächst: "Wir hatten ehrlich gesagt keine Vorstellung davon, wie man das anstellt, mit Tennis anzufangen: Du kaufst dir einen Schläger und bolzt drauf los?", fragt Alena Kreutzer rhetorisch. "Mit den fünf Stunden war das für uns eine gute Möglichkeit, einzusteigen."

Häufig bleibt die Gruppe danach bestehen, nimmt weiter Training beim entsprechenden Kursleiter. "Wir würden es auf jeden Fall weiterempfehlen", sagt Hanna Beyer. Der Aufbaukurs ist im Visier, der erste Schritt gemacht. Und die nächsten Stunden auf dem Asphaltplatz am Schwanenteich können kommen.

(sno). Der TV Watzenborn-Steinberg war 2018 der erste Tennisverein im Gießener Landkreis, der das Fast-Learning-Konzept anbot - und schnell merkte, dass viel Potenzial hinter der Idee steckt. "Es ist klasse, eine Erfolgsgeschichte", sagt Vereinsvorsitzender Burkhard Rustige.

Herr Rustige, welche Erfahrungen haben Sie mit dem Fast-Learning-Konzept bisher gemacht?

Das ist ein geniales Konzept. Es ermöglicht Erwachsenen, zu einem fairen Preis einen Eindruck zu gewinnen, ob Tennis das richtige Spiel für einen ist.

Bleiben die Kursteilnehmer auch anschließend im Verein?

Wir hatten in den letzten beiden Jahren je über 30 Teilnehmer und rund 50 neue Mitglieder. Diejenigen, die teilgenommen haben und begeistert waren, haben weitere Freunde mitgebracht. Für Vereine, die das richtig angehen, lohnt sich das Konzept. Wir haben aufgrund der hohen Nachfrage fünf Trainer dafür ausgebildet. Diese müssen sich aber auch an die Vorgaben in Sachen Technikschulung halten und nicht ihr eigenes Ding machen.

Welche Rolle spielt es, dass die Gruppen komplett aus Neuanfängern bestehen?

Das ist ein großer Vorteil. Du hast direkt Leute auf deinem Niveau, die Gruppen bleiben auch nach dem Kurs im Training häufig zusammen und können sich verabreden. Am Kurs nehmen rund 70 Prozent Frauen teil, Männer sagen sich häufig: Ich bin doch kein Anfänger. Im Durchschnitt sind die Spieler zwischen 33 und 35 Jahre. Man hat sich beruflich freigeschwommen und entdeckt schließlich etwas Neues für sich.

Ab Anfang Mai bieten unter anderem diese Vereine Fast-Learning-Kurse an:

TC Wettenberg: Stephan Thylmann (0171/2304198), RW Gießen: Michael Carow (0162/8708006), TV Watzenborn-Steinberg: Burkhard Rustige (0174/3085583), Top-Sport-Park Alten-Buseck: Timo Dittmann (0157/82690397). Die Kurspreise beginnen bei 99 Euro.

Trainer, die das Fast-Learning-Konzept verinnerlichen wollen, können sich u.a. bei Michael Carow zum Ausbildungskurs (21. März, 10 Uhr, Tennishalle RW Gießen) anmelden.

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