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Offiziell noch in Melsungen mit Vertrag ausgestattet, aber freigestellt: Der frühere Wetzlarer Coach Michael Roth sucht eine neue Aufgabe. Er weiß aber, dass Sieg oder Niederlage nicht das Wichtigste sind.

Zehn Jahre krebsfrei

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Vor genau zehn Jahren bekam Handball-Coach Michael Roth besonders viel mediale Aufmerksamkeit. Dabei hatte es nichts mit Toren, Training und Triumphen zu tun. Nein, innerhalb kürzester Zeit waren er und sein Zwillingsbruder Uli an Prostatakrebs erkrankt. Sie ließen sich daraufhin operieren - und konnten geheilt werden. Mit ihrer Geschichte gingen die Roth-Brüder an die Öffentlichkeit und engagieren sich seitdem im Kampf gegen den Krebs.

Die beiden früheren Nationalspieler wurden zu Gesichtern einer Kampagne der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Wir haben mit dem ehemaligen Melsunger Trainer Michael Roth über seinen Einsatz für die gute Sache gesprochen - und vor allem darüber, welche Auswirkungen die Krebserkrankung auf seine Arbeit im harten Handball-Geschäft hatte.

Wie hat die Krankheit Ihren Traineralltag verändert?

Michael Roth:Es war eine Zäsur in meinem Leben. Ich habe danach bewusster gelebt. Du legst nicht immer alles auf die Goldwaage. Natürlich hast du weiterhin viel Anspannung und bereitest dich und dein Team auf jedes Spiel umfangreich vor, aber du weißt eben auch: Es ist nicht das Wichtigste, ob der nächste Ball im Tor landet. Ich habe es geschafft, mir eine gewisse Grundgelassenheit anzueignen - durch die Krankheit, durch meine Lebenserfahrung und auch durch die Erfahrung, die ich als Trainer gesammelt habe.

Wie denken Sie über Ihre als Mutmacher?

Roth:Mein Bruder und ich sind mittlerweile in vielen urologischen Praxen auf Fotos an den Wänden zu sehen. In diesem Bereich sind wir jetzt fast noch bekannter als im Handballsport. Und die dazugehörigen Autogrammstunden sind auch besser besucht. Wir unterstützen den Kampf gegen den Prostatekrebs - dies ist zu einer Lebensaufgabe für uns geworden. Wir ermutigen die Männer, zur Vorsorge zu gehen. Wir sind nun sogar in den Patientenbeirat des Krebsforschungszentrums in Heidelberg gewählt worden. Inzwischen haben wir durch den Blog auf unserer eigenen Internetseite und durch Besuche bei Selbsthilfegruppen von vielen Schicksalen erfahren. Auch wenn einige Menschen nicht so viel Glück hatten wie wir, sind sie und ihre Angehörigen uns für unser Engagement sehr dankbar. Das gibt uns ein gutes Gefühl.

Können Sie die Beziehung zu Ihrem Bruder charakterisieren?

Roth:Wir sind eineiige Zwilinge. Unser Werdegang war auch durch den Handball immer schon sehr ähnlich. Wir haben bis heute ein sehr intensives Verhältnis zueinander. Als ich erkrankt war, war ich Single. Somit war mein Bruder Uli für mich der erste Ansprechpartner und eine große Hilfe. Jetzt sind wir mittlerweile zehn Jahre krebsfrei. Eine große Party gab es aber schon nach fünf Jahren, damals war klar, dass wir den Krebs besiegt haben.

Wie sehen die nächsten sportlichen Pläne aus?

Roth:Zurzeit bin ich von der MT Melsungen freigestellt. Mein Ziel ist es, wieder als Trainer zu arbeiten. Ich hatte zwar schon einige Angebote, aber es war noch nichts Passendes dabei. Von Björn Mahr

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