Ralf Landgraf TSV Großen-Linden
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Ralf Landgraf TSV Großen-Linden

Der heimische Sport in Zeiten von Corona

Das Wohl aller steht über allem

  • Michael Schüssler
    vonMichael Schüssler
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Wegen der Coronavirus-Pandemie ist auch der Sportbetrieb weltweit faktisch eingestellt worden. Während die Profi-Ligen auf Zeit setzen, stellt sich die Situation bei den Amateuren anders dar.

Am Donnerstag wurde in Hessen die Saison 2019/2020 für die Handballer und die Basketballer aufgrund des Coronavirus vorzeitig beendet, im Fußball und Tischtennis wurde der Spielbetrieb vorerst ausgesetzt. Bei den Amateurfußballern bis zum 10. April, die Tischtennisspieler pausieren bis einschließlich 17. April. Wir haben mit heimischen Trainern gesprochen, wie sie die Entscheidungen der jeweiligen Verbände beurteilen. Der Tenor ist einhellig: Es ist die richtige Entscheidung!

Ralf Landgraf (Fußball, TSV Großen-Linden): "Ich kann die Entscheidung des Hessischen Fußball-Verbandes nur unterstützen. Wir sind zwar alle Sportler, aber in solch einer Situation müssen andere Dinge Priorität genießen. Wenn jeder seinen Teil beitragen kann, um solche Ketten zu unterbinden, dann muss man das tun, um diese Zeit zu gewinnen. Der Verein hat am Donnerstag sofort entschieden, auch den Trainingsbetrieb für die nächsten Wochen einzustellen. Man muss auch klar sagen: Angesichts einer solchen Krise, spielen da sportliche Aspekte überhaupt eine Rolle? Ich denke nicht, denn es geht um Leben und Existenzen. Aber ich wehre mich dagegen, Angst und Panik zu verbreiten. Wenn jeder versucht, seinen Teil beizutragen, kann man diese Krise meistern. Ob man tatsächlich nach dem 10. April die Saison noch fortsetzen kann, das wird sich zeigen müssen.

Jens Dapper (Handball, HSG Pohlheim): "Aus meiner Sicht ist diese Entscheidung absolut nachvollziehbar. So sehr ich auch den Handball liebe. Und sportlich gesehen ist es auch schade, was die Auf- und Abstiegsfrage angeht. Aber in meiner Funktion als Geschäftsführer der AWO bin ich selbst mit dieser Situation konfrontiert. Diese Entscheidungen, die getroffen wurden, sollen auch helfen, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird."

Jürgen Boldt (Tischtennis, Gießener SV): "Es war schon überraschend, dass der Hessische Tischtennis-Verband als erster Landesverband und noch vor dem DTTB entschieden hat, den Spielbetrieb auszusetzen. Die Entscheidung ist aber richtig. Ich glaube jedoch nicht, dass die Runde zu Ende gespielt wird. Da gibt es Terminnot, auch was Hallenkapazitäten angeht. Es bleibt abzuwarten, ob das machbar wäre. Zudem gibt es nach dem offiziellen Abschluss der Saison noch die jeweiligen Auf- und Abstiegsrunden. Dann stellt sich auch die Frage, was passiert in Sachen Auf- und Abstieg? Mein Vorschlag wäre, dass die beiden Erstplatzierten aufsteigen, es aber keine Absteiger gibt. Dann würde in der neuen Saison in jeder Klasse mit zwei Mannschaften mehr gespielt werden. Ich denke, dass dies eine durchaus praktikable Lösung wäre."

Stefan Eder (Volleyball, USC Gießen): "Sicherungsaspekte und Gesundheit gehen vor. Und wie der Mensch so ist, wird er für diese Krise auch eine Lösung finden. Es ist außerdem absurd, sich dagegenzustellen. Es sind Maßnahmen, die man nachvollziehen kann. Sportlich gesehen kann uns in der Oberliga mit Platz fünf nichts mehr passieren, es wären nur noch zwei Spieltage gewesen. Aber es gibt Mannschaften wie Rüsselsheim, die aufgrund des Endes der Saison eventuell absteigen müssen. Das muss nun der Verband entscheiden. Den Aufwand hätte man sich gespart, wenn man die letzten beiden Spieltage noch ausgetragen hätte. Allerdings muss der Verband natürlich auch das Wohl der Sportler im Auge haben. Wir nehmen das sportlich ohne große Krisenstimmung. Der Trainingsbetrieb geht bei uns auch normal weiter, sofern die Halle aufbleibt."

Kai Steinmüller (Basketball, TSV Lang-Göns): "Ich kann diese Entscheidung nachvollziehen. Der Sport ist in dieser Zeit einfach zweitrangig. Da wir faktisch ohnehin abgestiegen sind, trifft uns das jetzt auch nicht so hart. Und man muss auch sehen, dass das nun einfach höhere Gewalt ist." FOTOS: RAS/2, HF/3

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