"Wir haben Essen zu schlagen"

(jms) Ausgerechnet jetzt muss die HSG Wetzlar gegen TUSEM Essen spielen. Ausgerechnet jetzt? Nach dem Trainerwechsel vor zwei Wochen scheinen die punktlosen Westdeutschen wieder etwas gefährlicher zu sein.

"Christian Prokop ist ein guter Trainer. Er hat ein paar Dinge verändert. Ich kenne die Essener Mannschaft. Drei Spieler haben ja unter mir in Dormagen gespielt", sagt HSG-Trainer Kai Wandschneider respektvoll. Ob Essen auch nach dem 14. Spieltag ohne Zähler bleibt, wird sich am Freitagabend ab 19.45 Uhr zeigen. Dann nämlich ist das Team von der Margarethenhöhe in der Wetzlarer Rittal-Arena zu Gast.

Und die wird gut gefüllt sein. Sagt zumindest HSG-Geschäftsführer Björn Seipp: "Wir merken, dass nach dem Sieg in Berlin das Interesse an der HSG gestiegen ist. Die Sitzplätze sind alle verkauft, es gibt noch rund 500 Stehplatzkarten, sodass wir mit über 4000 Zuschauern rechnen." Eine stolze Zahl gegen einen Gegner, der schon jetzt mit mehr als einem Bein in der zweiten Liga steht. Doch Fluch und Segen liegen oftmals nahe beieinander. Und so weiß Wandschneider – der bei der gestrigen Pressekonferenz wie die Bodenständigkeit in Person wirkte – alle emotionalen Höhenflüge im Umfeld korrekt einzuordnen: "Piano, piano. Wir sind keine Spitzenmannschaft, auch wenn wir auf einem Spitzenplatz stehen. Essen schlägt man auch nicht einfach mal so im Vorbeigehen, auch wenn genau das von den Fans erwartet wird.

Wir brauchen deren Unterstützung und das Verständnis, dass das Spiel eben nicht nach 35 Minuten entschieden sein wird." Nachdem der Ex-Schweriner Prokop (Wandschneider: "Einst ein hoffnungsvoller Spieler, den eine schwere Verletzung aus der Bahn warf") das Zepter in der Ruhrmetropole übernommen hatte, blühten bei der 29:31-Niederlage gegen Melsungen einige Spieler auf. Wandschneider weiß, auf wen zu achten sein wird: "Meine Ex-Spieler Hannes Lindt, David Breuer und Fabian Böhm haben eine gute Qualität. Daher hat es mich schon verwundert, dass das Team bislang keine Punkte geholt hat."

Zuletzt spielte Lindt wieder auf seiner angestammten Position im rechten Rückraum und sorgte gleich für Gefahr. Aber auch wenn der Respekt bei den Wetzlarern groß ist, so will Wandschneider den Gegner auch nicht stärkerreden als er ist: "Nach dem Spiel in Berlin ist die Aufmerksamkeit gewachsen. Man nimmt uns wahr. Unser Selbstbewusstsein ist groß und wir wissen auch: Essen haben wir zu schlagen."

Das Erreichen dieses Ziels soll in erster Linie mit einer durchweg konzentrierten und aufmerksamen Leistung gelingen. Und mit Philipp Müller (wurde genäht) und Tobias Reichmann (Verletzung an der Nase). Die beiden Leistungsträger zogen sich Blessuren im Training zu, stehen aber ebenso zur Verfügung wie der am Fuß gehandikapte Daniel Valo (Seipp: "Er beißt auf die Zähne. So wie er das immer tut"). Mit einem Sieg morgen Abend würden die Wetzlarer ihrem Saisonziel ein gutes Stückchen näher kommen – genauer gesagt zwei Punkte. Seipp: "Wir haben den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben und dabei bleibt es. Sechs Punkte brauchen wir dafür noch. Deswegen gibt es keinen Grund, von etwas anderem zu sprechen oder zu schreiben. Wenn wir die sechs Punkte haben, dann kann sich die Mannschaft zusammensetzen und besprechen, welche neuen Ziele sie erreichen will." Doch eines darf nicht vergessen werden: Essen kommt ausgerechnet jetzt, als schwierig einzuschätzender Gegner.

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