Den Widrigkeiten zum Trotz

Der TV 05/07 Hüttenberg hat sich am Samstagabend beim ThSV Eisenach selbst belohnt und mit 24:20 (11:10) seinen ersten Saisonsieg in der 2. Handball-Bundesliga eingefahren. Allen Widrigkeiten zum Trotz sticht die mannschaftliche Geschlossenheit heraus.

Es war der 11. Dezember 2010, schon da in der Werner-Aßmann-Halle und noch in der zweigleisigen 2. Liga, als der TV Hüttenberg letztmals in Eisenach zwei Punkte holte. Seitdem waren die Auswärtsspiele in Thüringen bei den Mittelhessen gefürchtet. Doch nun die letzte Woche im Oktober 2020. Eine Woche, in der eine schlechte Nachricht auf die nächste folgte: Merlin Fuß und Dieudonne Mubenzem gezeichnet von der englischen Woche, der Beschluss der Bundesregierung, im November keine Zuschauer im Profisport zuzulassen und Trainer Frederick Griesbach und Torhüter Nikolai Weber aus Vorsichtsmaßnahme in Corona-Quarantäne. Mit diesen schlechten Vorzeichen ging es am Samstag für die Mittelhessen nach Eisenach.

Während es für Fuß zu einem Einsatz reichte, musste Mubenzem passen. Somit waren die Gäste stark dezimiert im Rückraum, starteten über Vit Reichl am Kreis dennoch mit dem 1:0 ins Duell. Der vorgenommene Matchplan von Co-Trainer Johannes Wohlrab, der Griesbach vertrat, ging zu Beginn noch nicht auf. "Zu statisch und zu viel Eins-gegen-Eins", umriss Wohlrab die Anfangsminuten seiner Mannschaft. Bis zum 3:2 (11.) durch Johannes Klein lief es noch ausgeglichen, ehe TVH den Zugriff auf die Partie etwas verlor. Willy Weyhrauch führte den ThSV in der 19. Minute zum 7:3, ehe der wichtige Spieler im Eisenacher Innenblock, Andrej Obranovic, sich die Rote Karte nach einem Stoßen in der Luft einhandelte. Doch auch die Überzahl ließ der TVH ungenutzt. Kurz vor dem 8:3 durch Adrian Wöhler nahm Heim-Coach Markus Krauthoff-Murfuni seine Auszeit, weil seine Mannschaft zu diesem Zeitpunkt noch mehr Möglichkeiten liegengelassen hatte, als es das Ergebnis vermuten lässt. Sein Team hielt mit seinen technischen Fehlern und Fehlwürfen den Gegner noch in der Partie.

Plaue mit 14 Paraden

Doch mit seiner Auszeit schien der Coach seiner Truppe keinen Gefallen getan zu haben. Hüttenberg robbte sich daraufhin nach und nach heran. Nach elf Minuten ohne Tor war es Christian Rompf, der das 4:8 herbeiführte. (22.) Über Ian Weber, der unter Zeitspiel sehenswert einen Freiwurf direkt verwandelte, und wiederum Rompf stellte Hüttenberg allmählich den Anschluss wieder her (7:9, 26.) Mit zunehmender Spielzeit fand auch TVH-Schlussmann Dominik Plaue immer besser in die Partie und zeigte bis zum Ende des Abends 14 Paraden. Außerdem auf dem Feld befand sich zu dem Zeitpunkt auch Junioren-Nationalspieler Niklas Theiss, er fügte sich direkt auch mit seinem ersten Treffer ein. Reichl war es, der auf den 10:11-Halbzeitstand verkürzte.

Zum Start des zweiten Durchgangs zeigte die junge Truppe aus Mittelhessen den Gastgebern, dass sie nun endgültig im Spiel angekommen waren. Erneut über den ins kalte Wasser geworfenen Theiss und Reichel gingen die Gäste mit 12:11 in Führung (33.). Wohlrab ließ neben Fuß auch seit Mitte der ersten Hälfte Hendrik Schreiber verschnaufen, der von Ian Weber bestens vertreten wurde. Überlegt steuerte Weber mit seinen Rückraumkollegen das Tempospiel. "Mit Blick auf unseren dünnen Kader und die Kräfte für hinten raus, wollten wir auch keine wilden Aktionen fahren", sagte Wohlrab zum Matchplan. Gleichzeitig gelang es seiner Mannschaft erstaunlich gut, den Eisenachern ihr gefürchtetes Tempospiel nahezu komplett wegzunehen.

Und der Matchplan ging zunehmend besser auf. Bis zur 51. Minute hielt der ThSV durch Ante Tokic beim 17:18 den Anschluss. Über Schreiber, Theiss und den starken Rompf enteilten die Mittelhessen auf 21:17 (54.) und stellten damit die Weichen zum Auswärtserfolg.

Wohlrab lobt Teamleistung

Stolz auf sein Team zeigte sich Wohlrab nach dem ersten Saisonsieg: "Für mich war das eine überragende Mannschaftsleistung. Wir wachsen immer mehr als Mannschaft zusammen, die Ausfälle haben uns auch nochmal bestärkt, enger zusammenzurücken. Der Sieg heute war die logische Folge unserer Arbeit und der Leistungen gegen Gummersbach und Dresden", sagte Wohlrab. Nach der Länderspielpause am Wochenende geht es für die Hüttenberger am 14. November vor leeren Rängen in Wetzlar gegen den TSV Bayer Dormagen um die nächsten Punkte.

Eisenach: Voncina, Eichberger; Kikanovic (1), Wöhler (4/3), Potisk (3), Ulshöfer (1), Tokic (1), Alaj, Mürköster (2), Obranovic (1), Beciri (3), Snajder, Weyhrauch (3), Saul (1).

Hüttenberg: Plaue, Böhne; Fuß, Schwarz, Theiss (5), Fujita, Ian Weber (3), Rompf (6), Reichl (4), Hübscher, Hahn (2/1), Klein (2), Jockel, Schreiber (2).

Im Stenogramm: SR: Jansen/Hellbusch. - Zu.: 650. - Zeitstrafen: 4:8 Min. - Rote Karte: Obranovic (20.). - Siebenmeter: 3/3:0. JONAS SPÄTH

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