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Eingekleidet: Magnus Fredriksen (zweite Reihe, 4. v. r.) mit der norwegischen Olympia-Auswahl der Handballer.

Handball

Wetzlars Spielmacher Fredriksen bei Olympia

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
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Magnus Fredriksen hat sich vor gerade mal acht Jahren für eine Karriere als Profi-Handballer entschieden. Nun nimmt der Norweger an den olympischen Spielen in Tokio teil.

Es hat nicht einmal eine halbe Saison gedauert, da hat sich Magnus Fredriksen in der Spielmacher-Rolle für die HSG Wetzlar unentbehrlich gemacht. Auf einer Position, die bei den Grün-Weißen schon von ebenso namhaften wie erfolgreichen internationalen Topstars wie Markus Baur oder Ivano Balic besetzt wurde, hat sich der 24-jährige Norweger nach seinem Wechsel im vergangenen Corona-Sommer von Elverum Handball nach Mittelhessen in der Bundesliga einen Namen gemacht.

»Uns war schon vor der Verpflichtung von Magnus klar, dass ihm bei uns die Zukunft auf Rückraum Mitte gehören kann«, freute sich Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp bereits im Februar diesen Jahres darüber, dass es dem Klub gelungen war, den ursprünglich bis 30. Juni 2022 laufenden Kontrakt mit dem Norweger vorzeitig nochmals um gleich zwei Jahre bis 30. Juni 2024 zu verlängern. »Magnus ist ein echter Spielmacher mit einem tollen Auge für seine Mitspieler«, hatte die grün-weiße Scouting-Abteilung bereits im Dezember 2019 bei der Bekanntgabe der Neuverpflichtung des gebürtigen Drammeners erkannt.

Dank seiner herausragenden Leistungen auf dem Parkett, auf dem er regelmäßig mit Rückhand- und Bodenpässen sowie No-look-Anspielen seine Mitspieler bedient, ist Magnus Fredriksen nach der Nicht-Berücksichtung bei der WM im Januar diesen Jahres in Ägypten auch wieder in den Fokus von Norwegens Nationaltrainer Christian Berge gerückt und auf den Olympia-Zug aufgesprungen.

»Die Nominierung ist eine Belohnung für meine erste Bundesliga-Saison und ich bin echt stolz. Es ist absolut nicht selbstverständlich, dass ich dabei bin. Ich bin einer von 14 Spielern meines Landes. Unglaublich! Für mich geht ein absoluter Lebenstraum in Erfüllung, es gibt für Sportler nichts Größeres«, sagt Magnus Fredriksen, »als norwegische Mannschaft haben wir natürlich den Anspruch, möglichst weit zu kommen und wünschen uns eine Medaille. Ich hoffe direkt auf einen guten Start gegen Brasilien, dann ist alles möglich.«

Die Frage nach den Olympiafavoriten beantwortet er umgehend: »Ich denke, Spanien und Dänemark sind die aktuell stärksten Teams.« Dass Norwegen nach den Erfolgen der vergangenen Jahre als Mitfavorit gilt, stellt der Mann mit der Rückennummer 10 keinesfalls in Abrede.

»Hinter mir liegt ein aufregendes Jahr, ich bin nach Wetzlar gezogen und war nur sehr wenige Tage in Norwegen. Nach dem Saisonende Ende Juni habe ich einige Tage mit meiner Familie und Freunden verbracht und meine Energiereserven wieder aufgeladen. Nach den Olympischen Spielen geht dann schon bald wieder die neue Saison los. Die Jungs starten ohne mich in die Vorbereitung und ich werde dann dazustoßen. Ich hoffe, aber, noch ein paar Tage Urlaub zu bekommen.«

Seit 9. Juli liegt der Fokus des 24-Jährigen aber voll und ganz auf den Sommerspielen in Tokio. Norwegens Nationaltrainer Christian Berge, früher selbst Profi u. a. bei der SG Flensburg/Handewitt, hat 14 Spieler für die Olympischen Spiele von Tokio ausgewählt. »Das ist das erste Mal, dass auch alle Spieler verfügbar sind«, so Berge vor der erstmaligen Teilnahme seines Landes bei einem olympischen Turnier im Männerhandball seit 1972. In München belegte Norwegen seinerzeit den neunten Platz, seitdem waren die Skandinavier nie mehr qualifiziert. Gleich zwölf Spieler standen letzte Saison in der Handball-Bundesliga unter Vertrag und zählten in allen Teams zu den Leistungsträgern. In der Vorrundengruppe A trifft Norwegen als EM-Dritter auf Frankreich, Deutschland, Brasilien, Spanien, Argentinien.

Nach der Abreise aus Norwegen waren die Norweger noch für einige Tage in Fukuoka im Trainingslager und kamen am Montag im letzten Test gegen Schweden zu einem 26:26-Unentschieden, zu dem Fredriksen einen Treffer beisteuerte. Am Mittwoch ging es dann nach Tokio. »Ich freue mich riesig auf das Auftaktspiel gegen Brasilien«, kann der 24-jährige Mittelmann, der in den kommenden Tagen mit Ausnahmehandballer Sander Sagosen (THW Kiel), dem Ex-Wetzlarer Halbrechten Kent Robin Tönnesen (Pick Szeged/Ungarn) oder dem Magdeburger Christian O’Sullivan der Rolle des Medaillenanwärters gerecht werden möchte, den Beginn des olympischen Turniers in der Nacht zum Samstag (2 Uhr/MESZ) kaum noch erwarten. »Ich hoffe, dass ich auf meine Einsatzzeiten komme, weiß aber um die große Qualität in unserem gesamten Kader.«

Für den gedankenschnellen, technisch versierten Wetzlarer Spielmacher sprechen dürfte, das Nationaltrainer Christian Berge zu seinen Flensburger Hochzeiten ein ähnlich begabter, seine Nebenleute excellent ins Spiel bringender Regisseur war und deswegen dem Spielstil von Fredriksen zugetan sein sollte.

Ob er etwas von der Faszination Olympia mitbekommen wird, bezweifelt Magnus Fredriksen in Anbetracht der 70 Seiten umfassenden Verhaltensauflagen sowie der ständigen GPS-Überwachung aller Sportler. »Wir haben erstens jeden zweiten Tag ein Spiel und wollen weit kommen«, schränkt der 15-fache Nationalspieler ein, der sein Länderspiel-Debüt für Norwegen 2018 gab, bei der WM im Januar diesen Jahres aber nicht im Kader stand, »zudem gibt es strenge Regeln, können und dürfen keine anderen Wettbewerbe vor Ort besucht werden. Wir werden zudem jeden Tag getestet.«

Fredriksen berichtet, stark abgeschottet zu sein, es ist nicht einmal gestattet, die anderen Handball-Partien in der Halle von der Tribüne aus zu verfolgen. Selbst im Falle eines Medaillengewinns muss bei der Siegerehrung auf dem Podest die Maske getragen werden. Touristische Aktivitäten sind ein Tabu.

Der Fokus ist auch von daher auf das sportliche Abschneiden gerichtet. Im norwegischen Kader standen bis Mittwoch ausnahmslos Akteure mit aktuellem und vergangenem Bundesliga-Bezug. Nach dem verletzungsbedingten Aus des Flensburgers Gøran Søgard Johannessen ist aber mit Simen Holand Pettersen ein Rückraumspieler von Elverum Handball nachgerückt, dem diese Station in seiner Karriere noch fehlt.

Beim Blick auf den Kader von Nationaltrainer Christian Berge lässt sich aber durchaus von einer »Goldenen Generation« sprechen, angefangen von Rechtsaußen Kristian Björnsen über Superstar Sander Sagosen bis zu Torhüter Torbjøn Bergerud ist jede Position doppelt erstklassig besetzt.

Die Zeit ist reif für die norwegische Mannschaft, sich international mit einem großen Titel zu schmücken. Die Zeit ist reif für Wetzlars Spielmacher Magnus Fredriksen, auch auf der großen Bühne des Welthandball seine großen gestalterischen Fähigkeiten zu beweisen.

Magnus Fredriksen vom Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar spielt mit Norwegen um eine Olympia-Medaille.

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