Wetzlars Haltungsnote ist gut, aber die Weite stimmt nicht

(mac) Was für ein Auftakt - hätte das sein können. "Wir waren so nah dran an einem Punkt", ärgerte sich Nikolai Weber, der Keeper des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, während sich sein neuer Mitspieler Philipp Müller wenige Meter von ihm entfernt zunächst einmal den Schweiß von der Stirn wischen musste, ehe er etwas sagen konnte.

(mac) Was für ein Auftakt - hätte das sein können. "Wir waren so nah dran an einem Punkt", ärgerte sich Nikolai Weber, der Keeper des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, während sich sein neuer Mitspieler Philipp Müller wenige Meter von ihm entfernt zunächst einmal den Schweiß von der Stirn wischen musste, ehe er etwas sagen konnte. "Die Enttäuschung ist groß. Wir hatten bis zuletzt eine Chance", erklärte der Rückraumspieler, nachdem er tief durchgeatmet hatte. Mit 28:29 (15:15) hatte seine Mannschaft zuvor das erste Saisonspiel gegen die SG Flensburg/Handewitt verloren, die als hoher Favorit nach Wetzlar angereist war, dieser Stellung aber nicht gerecht werden konnte.

Das sah wohl auch Per Carlén so, der Trainer des Vorjahresdritten, der die Bundesliga in dieser Saison in der Champions League vertreten wird. "Wir haben in der nächsten Woche sehr viel Arbeit vor uns. Wir hatten nur sechs oder sieben Paraden von den Torhütern. Das geht natürlich nicht. Mit dem Spiel kann ich nicht zufrieden sein", sagte der frühere schwedische Weltklasse-Kreisläufer und gab damit einen kleinen Einblick in seinen künftigen Trainingsplan, in dem die Abwehr wohl eine große Rolle spielen wird.

Und Michael Roth? Der hätte eigentlich zufrieden sein können. "Wir haben in der Abwehr mit bedingungslosem Einsatz verteidigt, im Angriff haben wir gefällig gespielt, und wir haben bis zum Schluss an unsere Chance geglaubt", sagte der HSG-Coach, der seiner Mannschaft attestierte, genau das gezeigt zu haben, was sie bislang könne. Glückwünsche für die ordentliche Leistung wollte er aber dennoch nicht annehmen. Warum? "Weil die Punkte entscheidend sind. Und die hat nunmal Flensburg", ärgerte sich Roth, wohl wissend, dass man nicht alle Tage die Möglichkeit hat, gegen ein Topteam der Liga Punkte zu holen.

Ein wenig schimpfte Roth bei seiner Analyse auch über die Schiedsrichter, die in der Endphase "zwei, drei für uns spielentscheidende Fehler" gemacht hätten. Sicher, über die Zeitstrafe gegen den bärenstarken Daniel Valo in der 49. Minute beim 23:24 kann man streiten, auch über den ausgebliebenen Siebenmeterpfiff beim Foul am ungaublich kraftvollen Kreisläufer Kari Kristjan Kristjansson (56./25:27), der auf ein eindrucksvolles Debüt zurückblicken darf. Das Kreisbetreten von Patrick Fahlgren (55.

) vor dem Tor zum 27:24 hätten die Schiedsrichter sogar sehen müssen, dennoch ist die Schuld an der knappen Niederlage sicher nicht bei den beiden Magdeburgern zu suchen, denn sie haben die drei Wetzlarer Siebenmeter in der ersten Halbzeit nicht verworfen. Das waren Kevin Schmidt beim 4:5 (9.), Timo Salzer beim 10:8 (20.) und Lars Friedrich beim 11:10 (23.). "Diesen drei verworfenen Siebenmetern sind wir auch hinterhergelaufen. Das waren wichtige Situationen, in denen uns ein Treffer gut getan hätte", sagte dann auch Roth.

Den besseren Start hatte Flensburg. Die Gäste führten nach vier Minuten durch einen Treffer ihres neunfachen Torschützen Oscar Carlén mit 3:0, so dass den Anhängern der HSG schon ein wenig mulmig wurde. Mit ein wenig Glück gelang Rückraumspieler Müller in der zwölften Minute aber bereits wieder der 6:6-Ausgleich für Wetzlar, deren aggressives Abwehrverhalten den Nordlichtern gar nicht schmeckte. In der 18. Minute konnte Linkshänder Valo in seinem bislang besten Spiel im HSG-Trikot sogar zum 10:7 einwerfen. Die 3056 Zuschauer staunten nicht schlecht, dass der Außenseiter derart Paroli bieten konnte. Manche rieben sich auch noch die Augen, als Georgios Chalkidis in der 45. Minute nach dynamischer Drehung zum 22:22 ausglich und seine Mannschaft somit noch immer auf Kurs hielt.

Spätestens nach Carléns 24:23 (49.) für die SG, merkte man den Angriffen der Gastgeber aber zunehmende Ideenlosigkeit an, zumal auch Steffen Fäth aufgrund fehlender Bindung zur Mannschaft, noch kein Faktor war. Dennoch gab Wetzlar nicht auf und blieb dran. 73 Sekunden vor dem Schluss erzielte Kapitän Salzer den 27:28-Anschluss, 27 Sekunden vor dem Abpfiff traf der Schwabe zum 28:29, nachdem erneut Carlén bereits den letzten Treffer für Flensburg erzielt hatte. Ende. Aus. Es war nicht viel, was der HSG zu einem wunderbaren Saisonauftakt gefehlt hatte. Nur Kleinigkeiten. Aber: "Was nutzt eine gute Haltungsnote, wenn die Weite nicht stimmt", sagte Müller und konnte Sekundenbruchteile später wenigstens wieder ein wenig schmunzeln.

HSG Wetzlar: Weber, Hacko; Schmidt (8/6), Salzer (3), Valo (6), Jungwirth (1), Mraz (1), Müller (5), Schneider, Chalkidis (1), Fäth, Friedrich (2), Kristjansson (1).

SG Flensburg/Handewitt: Beutler, Rasmussen; Karlsson (1), Carlén (9), Eggert (n.e.), Fahlgren (5/4), Mogensen (5), Svan Hansen (4), Djordjic (n.e.), Mocsai, Heinl (3), Carstens (n.e.), Szilagyi (2), Boesen.

Im Stenogramm: Schulze/Tönnies (Magdeburg). - Z.: 3056. - Zeitstrafen: 8:14 Min. (Salzer, Valo/2, Mraz - Karlsson/2, Carlén, Mogensen/2, Svan Hansen, Szilagyi). - Siebenmeter: 6/9:4/4.

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