Wetzlarer Triumph

(ra) Zwei Wochen vor dem Bundesliga-Start mit dem lukrativen Heimspiel gegen den HSV Hamburg hat sich die HSG Wetzlar durch die erfolgreiche Titelverteidigung beim 21. Bero-Linden-Cup Selbstvertrauen geholt.

Weniger das Endspiel-31:26 am Samstagabend vor 750 Zuschauern gegen den Erstliga-Kontrahenten SC Magdeburg als vielmehr das im Vergleich zu den Vorjahren dynamischere Auftreten machen Mut und machen Hoffnung auf eine weniger nervenaufreibende Spielzeit 2012/13.

Auch der Turniervierte TV 05/07 Hüttenberg, der dem Erstbundesligisten MT Melsungen beim 29:32 im "kleinen Finale" lange ebenbürtig war, konnte ergebnisunabhängig ein zuversichtliches Fazit ziehen. Aufbauend auf den Basisdaten Beinarbeit und Beweglichkeit aus der 3:2:1-Deckung setzte das Team von Neu-Trainer Heiko Karrer mit einer offensiven 6:0-Formation durchaus Akzente.

Der MSG Linden blieb im Duell der beiden Oberliga-/Landesliga-Wiederaufsteiger nach dem 24:28 gegen die HSG Wettenberg zwar nur Rang sechs, als Gatsgeber verdiente sie sich aber wieder Bestnoten. Ob die Auszeichnungen für den besten Torhüter (Gerrit Eijlers vom SC Magdeburg) oder besten Torschützen (Michael Allendorf von MT Meslungen) oder die abschließende Tombola-Preisvergabe - alles hat seinen besonderen Charme und festen Platz. Auch bei der 22. Auflage im nächsten Jahr.

Finale / HSG Wetzlar - SC Magdeburg 31:26 (15:12): Für Wetzlars Rechtsaußen-Neuzugang Tobias Reichmann kam der Erfolg über den SCM nicht überraschend. "Wir haben uns währen des Turniers von Spiel zu Spiel gesteigert", freute sich der Blondschopf über den gelungenen eigenen Auftritt und den seines neuen Teams, "und heute auch noch unsere Chancen besser verwertet."

Vergleichen konnte der 24-jährige, vom THW Kiel gekommene Flügellitzer noch nicht – zwischen dem HSG-Team der Vorsaison und der aktuellen Truppe der Grün-Weißen. Für den sechsfachen Torschützen, der sich aufgrund seiner spektakulären Sprungstärke problemlos den Beinamen "Air" verdient, waren hohes Grundtempo und hohe -schnelligkeit beim Meister ebenso selbstverständlich gewesen wie Passhärte und -schärfe.

In Wetzlar ist das etwas anders. Dass die Magdeburger nach harten Trainingseinheiten etwas schwerfällig wirkten und zudem ohne ihre Rückraum-Linkshänder Natek und Rojewski auskommen mussten, spielte für den Spielausgang sicher eine Rolle. Doch auch HSG-Trainer Kai Wandschneider konnte mit Philipp Müller (Nasenbeinbruch) und Olympiafahrer Kristjan Kristjansson zwei Stammkräfte nicht aufbieten.

Ausschlaggebend für die erfolgreiche Wetzlarer Titelverteidigung auf dem Lindener Parkett waren eine zupackende Abwehrbeweglichkeit gegen die bekannten Magdeburger Eins-gegen-eins-Angriffsversuche, das dynamische, von Adnan Harmandic oder Fannar Fridgeirsson iniitierte Umschalten von Abwehr auf Angriff sowie das erhöhte Aktionstempo im Positionsangriff mit einer größeren Beweglichkeit der "Halben" (links Alois Mraz, rechts Michael Müller) gegen die 5:1-Abwehr des SCM mit Bennet Wiegert auf der eins.

Dies führte praktisch zu einem Start-Ziel-Sieg der Wandschneider-Schützlinge: Vom 5:3 des neuen Kreisläufers Jens Tiedtke (9.) über das 11:8 (20.) nach einem sehenswerten Müller-Bodenpass zu Kevin Schmidt bis zum Pausen-15:12 (Harmandic/Schmidt-Kempa) – und als Steffen Fäth Sekunden nach seiner ersten Einwechslung zum 20:14 (40.) traf, war die Messe vor 750 Zuschauern schon recht früh gelesen.

Erstens waren die Grün-Weißen trotz höherer Belastung konditionell stark genug, um in der Endphase nicht nachzulassen; zweitens waren sie dadurch in der Lage, "nach vier, fünf Treffern Vorsprung weiter aktiv zu bleiben", wie der Trainer lobend festhielt, "anstatt diesen nur zu verwalten".

Die Freude über den Turniererfolg war das eine an diesem Samstagabend zum Abschluss des 21. Linden-Cups. Die Erkenntnis, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, für die 15. Bundesliga-Saison aber weit bedeutsamer.

Platz 3 / TV Hüttenberg - MT Melsungen 29:32 (16:17): Auch wenn es eine derart ungewöhnlich hohe Gegenstoßquote wohl in keinem der bevorstehenden Erst- und Zweitligaspiele der Saison 2012/13 mehr geben wird, so durfte aus lokaler Sicht vor allem der TV 05/07 Hüttenberg mit dem zufrieden sein, was er gegen die nunmehr wieder klassenhöheren Nordhessen geleistet hatte. "Wir wollten bei Gegentoren und Ballgewinnen sofort wieder Druck erzeugen", beschrieb Neu-Trainer Heiko Karrer die Aufgabenstellung an die eigene offensive, eine intensive Beinarbeit erfordernde 6:0-Deckung, "das ist uns recht gut gelungen."

Dies war einer der Gründe, weshalb die Laudt und Co. über die Zwischenstände von 7:7 (13., Andreas Lex), 14:14 (27., Andreas Lex), 18:18 (37., Faulenbach) und 23:23 (46., Vasilakis) der Manschaft von Trainer Michael Roth mächtig zusetzten, obwohl diese nur noch auf den Serben Nenad Vuckovic verzichten mussten.

Zwar fehlte in der Deckung auf beiden Seiten die letzte Konsequenz, dafür schlugen beide Teams ein hohes Tempo an, welches wiederum dazu führte, das im Positionsangriff hier und da die Geduld fehlte, die Abwehrreihen bis zur sich bietenden Chance zum Laufen und damit in Bewegung zu bringen.

Am Ende waren es Nuancen, die den Ausschlag für MT Melsungen gaben. Einmal drei Hüttenberger Pfostentreffer, die die Fahlgren und Co. auf 29:26 (56.) davonziehen ließen, einmal die elf Treffer des nie unter Kontrolle zu bekommenenden Melsunger Linksaußens Michael Allendorf, der mit 36 Treffern auch Turnier-Torschützenkönig wurde.

Platz 5 / MSG Linden - HSG Wettenberg 24:28 (12:16): Es dauerte gut eine Viertelstunde, ehe Wettenberg Zugang zu dieser Partie fand. Beim 7:6 (17.

) übernahm der Oberligist erstmals die Führung und gab diese bis zum Spielschluss nicht mehr ab, obwohl der defensivstarke Gastgeber bis zum 17:18 (40.) nicht locker und sich nicht abhängen ließ. Zehn Minuten später aber hatten die favorisierten Wettenberg beim 24:18 die Angelegenheit vor gut 500 Zuschauern zu ihren Gunsten geregelt.

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