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Der Dirigent der HSG Wetzlar begibt sich auf Abschiedstour durch die Handball-Bundesliga. Ivano Balic beendet nach der Saison seine Karriere. (Foto: Vogler)

Wetzlarer Balic beendet seine Karriere

Er hat fast alles gewonnen, was es im Handball zu gewinnen gibt: Ivano Balic. Nun hat der kroatische Spielmacher der HSG Wetzlar das Ende seiner glanzvollen Karriere verkündet.

Es ist eine Nachricht, deren Verkündung die HSG Wetzlar gerne noch ein Jahr hinausgezögert hätte. Jetzt aber mussten die Verantwortlichen des Handball-Bundesligisten sie schon in diesem Winter bekanntmachen: Superstar Ivano Balic wird seinen Vertrag bei den Mittelhessen nicht verlängern und beendet zum Saisonende seine Karriere. Damit verliert die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider nicht nur ihren Dreh- und Angelpunkt, ihren unumstrittenen Leader, sondern auch eine große Persönlichkeit außerhalb des Spielfeldes. Ein Verlust ist der Abgang des Kroaten auch für die Zuschauer in der Region, von denen viele nur wegen des zweimaligen Welthandballers in die Rittal-Arena gekommen waren. Sein letztes Spiel für die Grün-Weißen wird der 35-jährige Spielmacher am 5. Juni gegen Frisch Auf Göppingen bestreiten. Bis dahin werden die Besucherzahlen in der Wetzlarer Heimspielstätte mit Sicherheit noch einmal steigen.

"Es war eine schwierige Entscheidung, denn ich fühle mich in Wetzlar unheimlich wohl und habe Spaß daran, ein Teil dieser Mannschaft zu sein. Ich habe wirklich sehr lange überlegt, was ich mache und was das Beste für mich, meine Familie und allen voran meinen Körper ist. Man muss wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, seine Karriere zu beenden. Ich denke, im Sommer ist der passende Moment gekommen", erklärte Balic, der auf der Mittelposition im Rückraum eine große Lücke hinterlassen wird.

"Es ist sehr schade, aber ich habe Verständnis für Ivanos Entscheidung", sagte Trainer Kai Wandschneider im Gespräch mit dieser Zeitung. "Die Knochenmühle Profi-Handball hinterlässt über die Jahre ihre Spuren. Jetzt werden wir die restliche Zeit, die wir gemeinsam haben, genießen." Geschäftsführer Björn Seipp ergänzte: "Ohne Zweifel werden wir einen herausragenden Spieler und Publikumsliebling verlieren."

Was die Zukunft für den in Split geborenen Balic bringen wird, darüber herrscht derzeit Unklarheit. In jüngerer Vergangenheit war spekuliert worden, ob der Familienvater die Position des Sportdirektors beim kroatischen Handball-Verband übernehmen würde. Entsprechende Meldungen kroatischer Medien über eine bereits erzielte Einigung waren von den Wetzlarer Verantwortlichen allerdings dementiert worden. Neu angefacht werden die Spekulationen nun durch die Tatsache, dass Balic bei der derzeit laufenden Weltmeisterschaft in Katar bei der Nationalmannschaft seines Landes weilte. Der Betroffene selbst ließ per Mitteilung verlautbaren: "Was ich ab Sommer mache, das werden wir sehen."

Nach vorne sehen muss auch die HSG Wetzlar. Nach dem Abgang von Kent Robin Tönnesen (Füchse Berlin) und Kapitän Jens Tiedtke (Ziel unbekannt) verlässt mit Balic eine weitere Säule des Teams den Verein. Gerade auch vor dem Hintergrund der unsicheren Zukunft des zweiten Mittelmanns Florian Laudt sind die Verantwortlichen gezwungen, schnell adäquaten Ersatz zu finden. Der Hüttenberger Laudt hat zwar nach Vereinsangaben ein Vertragsangebot vorliegen, sich aber noch nicht entschieden. Ein Zugang aus der Bundesliga gilt derzeit aufgrund vertraglicher und perspektivischer Kriterien als unwahrscheinlich.

"Leider ist es an der Tagesordnung, dass man neue Spieler suchen muss. Wir führen permanent Gespräche", erklärte Coach Wandschneider. Eine Chance könnte sich hingegen für Spielmacher Nummer drei, Adnan Harmandic, bieten. Der Bosnier fand zuletzt nur wenig Berücksichtigung, könnte sich nun aber wieder in den Fokus spielen.

Ivano Balic war im August 2013, begleitet von größtem Medieninteresse, an die Lahn gewechselt, nachdem sein Vertrag beim spanischen Erstligisten Atlético Madrid ausgelaufen war. Zuvor hatte der Weltmeister und Olympiasieger die Trikots von RK Split, RK Metkovic, Portland San Antonio und RK Zagreb getragen. Für die kroatische Nationalmannschaft bestritt der 1,89 Meter große Rechtshänder knapp 200 Länderspiele. Seinen Spitznamen "Mozart des Handballs" erhielt Balic aufgrund seines Genies und seiner spektakulären und schlitzohrigen Spielweise, mit denen er auch die Zuschauer in Wetzlar begeisterte. (fk)

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