Wetzlar wird "mit eigenen Waffen geschlagen"

Das hatte sich die HSG Wetzlar anders vorgestellt! Statt ausgelassenem Siegestaumel gab es am 14. Spieltag der Handball-Bundesliga am Freitagabend nur lange Gesichter bei den Grün-Weißen, die vor 4217 in der gut gefüllten Rittal-Arena gegen das Tabellenschlusslicht Tusem Essen nicht über ein 33:33 (17:13)-Unentschieden hinauskamen.

Während der gesamten 60 Minuten gelang es den Hausherren auf keiner Position, an die Leistungsobergrenze zu stoßen, sodass die Gäste – die unter ihrem neuen Trainer Christian Prokop teilweise attraktiven Tempohandball boten – verdient zum ersten Punktgewinn der Saison kamen.

Schon zu Beginn zeichnete sich ab, woran mangeln sollte: An der Chancenverwertung. Angeführt von Mittelmann Adnan Harmandic überzeugten die Hausherren in der Anfangsphase spielerisch, ließen aber zu viele Gelegenheiten ungenutzt. Ob Jens Tiedtke vom Kreis, Philipp Müller aus dem Rückraum, Tobias Reichmann von Außen oder Kevin Schmidt vom Punkt, bereits nach fünf Minuten standen vier "Fahrkarten" aufseiten der Lahnstädter zu Buche. Dementsprechend kritisch fiel die Analyse von Trainer Kai Wandschneider aus: "Wir haben es vor der Halbzeit versäumt, uns abzusetzen. Leider waren wir dafür im Abschluss zu unkonzentriert.

Hinzu kam nach der Halbzeit, dass wir zu viele Gegentore über die erste und zweite Welle kassiert haben – das, was eigentlich unser Spiel ist", erklärte der Hamburger und fasste zusammen: "Wir wurden mit unseren eigenen Waffen geschlagen."

"Wir waren ein wenig überrascht, wie schnell Essen gespielt hat, was dazu geführt hat, dass wir in der Abwehr nicht an die Leistungen der letzten Partien anknüpfen konnten", gab HSG-Spielführer Michael Müller zu. Kreisläufer Tiedtke ließ dies nicht als Entschuldigung gelten: "Man muss erwarten, dass wir auch Tempospiel verteidigen können", kritisierte der ehemalige Großwallstädter und fügte an: "Jetzt sind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt."

Trotz der vielen Fehlwürfe führten die Hausherren zur Pause mit 17:13, worüber Gäste-Trainer Christian Prokop sehr glücklich war: "Das, was wir uns vorgenommen haben, konnten wir in der ersten Halbzeit nicht auf die Platte bringen. Ich denke, die Jungs hatten ob der beachtlichen Ergebnisse der HSG in den letzten Wochen zu großen Respekt. Besonders in der Abwehr hat uns die Aggressivität gefehlt, sodass wir keinen Zugriff auf die Kreisläufer bekommen haben.

Zur Halbzeit konnten wir froh sein, dass wir nur mit vier Toren hintenlagen", berichtete der Coach, der nach dem Wechsel Zeuge davon wurde, wie seine Mannschaft mit dem gewünschten Tempospiel und einem furiosen 5:1-Lauf in der 37. Minute zum verdienten 18:18-Ausgleich traf.

In der Folge blieb die Partie spannend. Legte Wetzlar vor, brachte sie sich umgehend mit mangelhaftem Rückzugsverhalten um die Früchte. Fannar Fridgeirsson vergab in der 49. Minute vom Kreis und verpasste es, auf 29:26 zu erhöhen. Mit zwei Gegenangriffen glichen die Gäste wieder aus. Und so kam es, wie es kommen musste: Fabian Böhm, den die HSG über 60 Minuten trotz zeitweiliger Manndeckung nicht in den Griff bekam, netzte in der 56. Minute zur ersten Essener Führung ein. Doch die HSG steckte nicht auf und ging über die Achse Michael Tiedtke in der Schlussminute noch mal in Führung.

Im letzten Angriff traf dann Pieczkowski vier Sekunden vor dem Ende zum verdienten Ausgleich für Essen und läutete damit die Feierlichkeiten der Gäste ein, deren Fabian Böhm ankündigte: "Für den einen Punkt laufe ich nackt durch die Halle!" Die enttäuschten Zuschauer blieben davon aber verschont.

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber (42. bis 57.); Schmidt (6/1), P. Müller (6), Fäth (2), Harmandic (3), Fridgeirsson, M. Müller (3), Valo (1), Mraz (1), Reichmann (3), Tiedtke (7), Kristjansson (1).

Tusem Essen: Kulhanek, Vukas (ab 31.); Böhm (9), Kühn, Pieczkowski (7), Breuer (3), Lindt (4), Keller, Seidel (3), Handschke (1), Rahmel (4), Leenders (2), Kropp.

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Schaller/Küsters. – Zuschauer: 4217. – Zeitstrafen: 2:6 Minuten. – Siebenmeter: 4/2:1/0. Fabian Karpstein

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