Magnus Frederiksen (Bild) wächst mithilfe von Filip Mirkulovski immer besser in die Rolle des Spielgestalters bei der HSG Wetzlar hinein. FOTO: VOGLER
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Magnus Frederiksen (Bild) wächst mithilfe von Filip Mirkulovski immer besser in die Rolle des Spielgestalters bei der HSG Wetzlar hinein. FOTO: VOGLER

Handball

HSG Wetzlar will zurück in die Erfolgsspur

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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Nach zwei Niederlagen in Folge will die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga zurück in die Erfolgsspur. Mit dem TVB Stuttgart kommt am Sonntag das Überraschungsteam in die Rittal-Arena.

Die letzten Heimpartien gegen HSC Coburg und Eulen Ludwigshafen hat die HSG Wetzlar gewonnen. Deutlich sogar. Das muss gegen Senkrechtstarter TVB Stuttgart am Sonntag um 16 Uhr in der Rittal-Arena (live auf Sky) nicht sein. Trainer Kai Wandschneider könnte bereits mit einem Sieg mit einem Tor Unterschied super leben.

Wirtschaftliche Vorzeichen:Die beantragte Corona-Hilfe für den Profisport ist auch bei der HSG Wetzlar eingegangen. Die Mittelhessen haben aus dem 200-Millionen-Fond einen unteren sechsstelligen Betrag für entgangene Ticketing-Einnahmen erhalten, der sie zusammen mit einem WI-Darlehen des Landes Hessen aus dem Sommer sowie der Kurzarbeit im Frühjahr aktuell wirtschaftlich über die Runden kommen lässt. Zusammen mit den nunmehr bis Juni 2021 in Aussicht gestellten zusätzlichen Finanzmitteln für andere wirtschaftliche Parameter bietet sich für die HSG-Verantwortlichen die Chance, die Saisonetats 19/20 bzw. 20/21 einigermaßen unter Kontrolle zu halten. Über die Liga gilt es zunächst aber noch einige Rahmenrichtlinien exakter abzustecken, wie HSG-Geschäftsführer Björn Seipp erklärt, deshalb könne man hinsichtlich der finanziellen Kompensation derzeit noch keine soliden Aussagen machen."

Personelle Vorzeichen:Bei der HSG Wetzlar steht hinter dem Einsatz des angeschlagenen Torhüters Till Klimpke ein großes Fragezeichen. Für den Fall der Fälle würde Anadin Suljakovic, der Samstag mit dem EHV Aue ohnehin das Zweitliga-Auswärtsspiel beim TV 05/07 Hüttenberg in der Rittal-Arena bestreitet, nachrücken. Fehlen wird definitiv Linksaußen Maximilian Holst wegen einer nicht-sportlichen Operation, der er sich in dieser Woche unterziehen musste. Da es durch die autonomen U 19- und U 23-Teams der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen keine Aufstockmöglichkeit mehr gibt, werden die Grün-Weißen mit Emil Mellegard als alleinigen Linksaußen in die Partie gehen.

Eine Rückkehr von Nils Torbrügge wird es unterdes nicht geben. Der vor der Saison zum mittlerweile in die Negativ-Schlagzeilen geratenen Zweitligisten Wilhelmshavener HV gewechselte Kreisläufer hat am Mittwoch dieser Woche beim Wetzlarer Ligarivalen HSG Nordhorn-Lingen unterschrieben.

Beim TVB Stuttgart ist Nationaltorhüter Johannes Bitter seit der Nordhorn-Partie aus seiner Corona-Quarantäne zurück, somit kann Jürgen Schweikardt, Trainer und Manger in Personalunion, personell fast aus dem Vollen schöpfen. Zum verletzungsbedingten Fehlen des ungarischen Mittelmannes Rudolf Faluvegi, der zuletzt vor einem Monat beim 25:34 in Erlangen mitwirkte, machte der Club keine Angaben.

Tabellarische Vorzeichen:Nach zuletzt zwei Niederlagen bei FrischAuf Göppingen sowie bei den Rhein Neckar Löwen und nunmehr 10:10 Punkten befinden sich die Wetzlarer laut Trainer Kai Wandschneider "an einer Weggabelung", was den weiteren Saisonverlauf betrifft. Bis auf Schlusslicht HSC Coburg haben mittlerweile bereits alle Erstligisten gepunktet, so dass sich die Grün-Weißen bei einer neuerlichen Niederlage und dann negativem Punktekonto als Rang-12. zunächst einmal nach hinten orientieren müssten. In den noch fünf folgenden Partien bis zum Jahreswechsel wären zwei, drei Siege (z. B. gegen Balingen, in Essen) Pflicht, um beruhigter ins neue Jahr gehen zu können.

Die Schwaben haben mit 13:7 Zählern den besten Saisonstart ihrer Erstliga-Historie hingelegt und könnten sich bis zum Jahresende im oberen Tabellendrittel festsetzen.

Qualitative Vorzeichen:Die HSG Wetzlar tritt einmal mehr als geschlossene Einheit auf, hat nach den jüngsten Niederlagen von Trainer Kai Wandschneider aber eine deutliche Ansage erhalten. "Ich erwarte von jedem Akteur, dass er sich voll reinhängt", war der Coach, der am Sonntag vor seinem 400. Bundesligaspiel als Trainer (siehe Artikel unten auf dieser Seite) steht, mit der Eigenmotivation seiner Akteure nicht zufrieden. Magnus Fredriksen macht als Spielmacher große Fortschritte, Wandschneider sieht ihn als klare Nummer 2 hinter/neben Filip Mirkulovski. Aber die Kritik am Schweizer Lenny Rubin ebbt nicht ab. Der Rückraumspieler schafft es seit Monaten nicht, sein Leistungsvermögen trotz hoher Einsatzzeiten abzurufen. Die Struktur der Mannschaft lasse es aber nicht zu, so der HSG-Trainer, positionell im Angriff noch öfters Optionen zu ziehen, da es dadurch zu mehr als zwei und damit nicht verkraftbare Spezialistenwechseln Abwehr/Angriff käme.

Stuttgart ist unter Trainer-Manager Jürgen Schweikardt ebenfalls dazu übergegangen, das Teamgefüge in den Mittelpunkt zu stellen. Das Torhüter-Duo Prost/Bitter, Nationallinksaußen Zieker, das Kreislauf-Duo Peshevski/Röthlisberger, der Zwei-Meter-Innenblock Weiß/Röthlisberger, der aktuelle Liga-Torschützenkönig Kristjansson, der Isländer Asgeiersson sowie der junge Häfner auf der Mitte und auch der Schwede Lönn auf der Königsposition belegen vor einer konsequenten 6:0-Deckung die leistungsstarke Breite des Kaders.

"Stuttgart hat in den letzten zwei Jahren systematisch eine in sich schlüssige Mannschaft aufgebaut", sagt Kai Wandschneider über den Gast am Sonntag, der bereits in Balingen und in Magdeburg beide Punkte entführen konnte.

Vorhersagen:"Wenn wir am Ende mit einem Tor vorne liegen, werde ich hochzufrieden sein", kündigt Kai Wandschneider einen engen Spielverlauf an, in dem es vor allem auch darum geht, in den Zweikämpfen wieder rechtzeitig Kontakt zu bekommen.

Jürgen Schweikardt wird auf der TVB-Homepage wie folgt zitiert: "Wetzlar ist ein unangenehmer Gegner. Wir werden uns intensiv vorbereiten müssen und sehr gute, konzentrierte Leistungen auf allen Positionen abrufen müssen, um weitere Punkte sammeln zu können."

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