Wetzlar will diesmal den richtigen Biss zeigen

(jms) »Dass meine Spieler meine Aufforderung, mehr Biss zu zeigen, so wörtlich nehmen, hätte ich nicht gedacht«, meinte Michael Roth, Trainer der HSG Wetzlar, nach der Biss-Attacke seines Kreisläufers Georgios Chalkidis bei der unglücklichen Niederlage in Berlin. Der temperamentvolle Grieche wurde von den HBL-Verantwortlichen mit einer empfindlichen Strafe von fünf Spielen belegt und fehlt im Abstiegsknaller der Handball-Bundesliga gegen die HSG Düsseldorf an diesem Samstag (19 Uhr/Rittal-Arena).

»Ich habe mal gesagt, dass viel passieren muss, damit Düsseldorf bei uns favorisiert ist. Es ist viel passiert«, stöhnt Roth.

Wie schon in den letzten Spielen müssen die Wetzlarer vor einer dreiwöchigen Spielpause auf Shooter Valo verzichten, dessen Einblutung in der Oberschenkelmuskulatur nach wie vor nicht behoben ist. »Er ist in Offenbach in der Reha, und eine Ultraschall-Untersuchung hat gezeigt, dass ein Einsatz einfach zu früh kommen würde«, sagt Roth, der somit wieder auf den unerfahrenen Timm Schneider bauen muss. Minimale Hoffnung auf einen Kurzeinsatz besteht bei Mraz, dessen schmerzhafte Bauchmuskelzerrung nur langsam heilt und dem Tschechen auch in dieser Woche kein ambitioniertes Training ermöglichte. »Vielleicht kann er uns in der Abwehr ein bisschen helfen. Doch das ist auch eher unwahrscheinlich«, meint der Trainer. Nach dem Ausfall von Chalkidis sind der HSG die Hände in der Abwehr gebunden. »Wir haben kaum noch Optionen und laufen Gefahr, dass die Stabilität nicht aufrechtgehalten werden kann. Georgios hat zuletzt hervorragend in der Deckung gekämpft, weshalb uns dieser Ausfall sehr zu schaffen macht«, sagt Roth, der am Kreis neben Oldie Gregor Wehrum auf Sebastian Weber setzen wird.

Dennoch wollen die Wetzlarer, die wiederum auf 3000 Fans in der Arena hoffen, gegen den rheinischen Abstiegskandidaten endgültig das Abstiegsgespenst aus Mittelhessen vertreiben. Mit einem Erfolg gegen die im Hinspiel siegreiche Truppe vom ehemaligen Lauterbacher Trainer Goran Suton wäre das Horrorszenario zweite Bundesliga passé. »Dann könnten wir die Saison in Ruhe zu Ende spielen«, sagt Rainer Dotzauer, der Sportliche Leiter der HSG. Die Sehnsucht nach ein bisschen mehr Ruhe und Gelassenheit ist bei den Mittelhessen nach dem turbulenten ersten Drittel des Jahres sehr groß. Auch die anstehende Spielpause kommt Wetzlars Trainer sehr gelegen: »Dann können wir für den Endspurt die Akkus neu aufladen und die verletzten Spieler wieder so hinbiegen, dass sie uns helfen können.«

Doch zunächst steht der Pflichttermin Düsseldorf an. Aufseiten der rheinischen Gäste ist vor allem Shooter Michael Hegemann zu beachten. Der ehemalige Nationalspieler kommt im zentralen Rückraum oder auf der Königsposition zum Einsatz und ist mit bislang 115 erzielten Treffern der beste Torschütze der Düsseldorfer. Auch auf das österreichische Schwergewicht Patrick Fölser am Kreis sollte die Wetzlarer Deckung ein besonderes Augenmerk legen.

Beide Topspieler stehen aber ebenso wie der Rest des Gästeteams gehörig unter Druck, nachdem Manager Frank Flatten damit gedroht hatte, bei Niederlagen in Burgdorf und Wetzlar alle Verträge zu kündigen.

In Hannover gab es bereits eine Niederlage. »Es ist davon auszugehen, dass Düsseldorf mit einer besonderen Portion Motivation zu uns kommt. Denen steht das Wasser bis zum Hals«, sagt Roth, dessen Eindrücke aus den letzten Spielen durchaus positiv waren. Noch immer ärgert den Badener die Niederlage bei den Berliner Füchsen, bei denen die HSG »von den Schiedsrichtern klar benachteiligt wurde«. Neben der Sperre für Chalkidis dürfte die Partie auch für Provokateur Silvio Heinevetter ein Nachspiel haben. Heiner Brand hatte sich telefonisch bei Roth gemeldet, um die Vorkommnisse aufzuarbeiten. »Er muss dringend diszipliniert werden«, fordert Roth, der diesmal seine Spieler dazu anleitet, nicht übermotiviert zu agieren. Denn was zu viel Biss bewirken kann, zeigt letztlich das Beispiel Chalkidis.

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