Wetzlar verliert wieder und legt Protest ein

"Das ist tödlich", schimpfte Michael Roth, der Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, nach der 22:23 (10:13)-Niederlage seiner Mannschaft beim TV Großwallstadt noch im Kabinengang. "Wir sind selber schuld. Wenn man sieben, acht klare Chancen nicht reinmacht, da muss man sich nicht wundern", meckerte der Coach über die katastrophale Chancenverwertung seiner Truppe - gerade von der Rechtsaußenposition.

"Das ist tödlich", schimpfte Michael Roth, der Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, nach der 22:23 (10:13)-Niederlage seiner Mannschaft beim TV Großwallstadt noch im Kabinengang. "Wir sind selber schuld. Wenn man sieben, acht klare Chancen nicht reinmacht, da muss man sich nicht wundern", meckerte der Coach über die katastrophale Chancenverwertung seiner Truppe - gerade von der Rechtsaußenposition. "Im Grunde haben wir nur gegen TVG-Keeper Mattias Andersson verloren", schob Roth hinterher. Bei seinem Ärger über die zweite Ein-Tor-Niederlage im zweiten Spiel vergaß der ehemalige Nationalspieler aber auch die beiden Schiedsrichter nicht, die die Gäste im ersten Durchgang von der Siegerstraße gepfiffen hatten, ehe sie dann später auf beiden Seiten für reichlich Chaos auf dem Spielfeld sorgten. "Die beiden haben uns im ersten Durchgang aus dem Nichts fünf Angriffe abgepfiffen. Damit sind wir nicht zurechtgekommen", schimpfte der Trainer weiter.

Roth hatte zu Beginn der ersten Halbzeit eine ungewöhnliche Aufstellung gewählt und fünf seiner Rückraumspieler auf das Parkett geschickt. Lars Friedrich übernahm dabei die Position des Rechtsaußen, Steffen Fäth spielte auf Links-außen, während Philipp Müller, Timo Salzer und Daniel Valo im Aufbau agierten. Auch mit der Besetzung von Milos Hacko im Tor und Georgios Chalkidis statt des zuletzt überzeugenden Isländers Kristjan Kari Kristjansson am Kreis überraschte der Coach, so dass Michael Biegler, Trainer des TV Großwallstadt, seiner Abwehr neue Anweisungen mit auf den Weg gab, noch bevor der erste Ball gepasst wurde. "Das wird auch in Zukunft eine Variante für uns sein", verteidigte Roth nach dem Schlusspfiff seine Startaufstellung, durch die sich das Spiel sehr häufig im Zentrum konzentrierte, was wiederum aber nicht selten von Erfolg gekrönt war. "Wir waren sehr gut eingestellt", lobte der Trainer zurecht seine Truppe und seine Arbeit.

Dies belegte auch der 9:7-Zwischenstand für die HSG in der 21. Minute. Doch in der Folge bauten die Gäste ab. Nachdem Daniel Valo im erweiterten Gegenstoß die Möglichkeit vergeben hatte, mit dem 10:7 die erste Drei-Tore-Führung der Wetzlarer zu erzielen, riss der Faden. Zwar konnte Kapitän Timo Salzer nach dem 8:9-Anschluss des TVG durch Andreas Kunz (21.) mit einer schönen Einzelleistung noch einmal auf 10:8 erhöhen (24.), doch von den nun folgenden fragwürdigen Entscheidungen der Schiedsrichter (u.a zweimal falsche Sperre gegen Kristjansson) erholten sich die Grün-Weißen zunächst nicht. Nach einem "Dreierpack" von TVG-Rechtsaußen Michael Spatz führten die Hausherren in der 26. Minute mit 11:10. Nach einem Stürmerfoul von Daniel Valo in Überzahl - übrigens nicht der einzige Fehler der HSG in zahlenmäßiger Übermacht - erzielte Oliver Köhrmann beim 5 gegen 6 sogar das 12:10 für den TVG - eines von vier Toren, die Wetzlar in Überzahl hinnehmen musste. Zu allem Überfluß zog Köhrmann gegen den blöde schubsenden Peter Jungwirth auch noch eine Zeitstrafe (29.

), die über den Seitenwechsel hinaus ihre Wirkung nicht verfehlte und schließlich auch dafür sorgte, dass die Mainfranken nach der Pause durch Jens Tiedtke mit 14:10 in Führung gehen konnten (31.), obwohl da eine klare Wetzlarer Führung im Bereich des Möglichen gewesen war.

Der TVG übernahm das Kommando und war immer wieder Nutznießer der insgesamt 16 Paraden von Keeper Andersson, gegen den die Wetzlarer "Buben" immer häufiger Nerven zeigten. Nach einer "Doppelparade" gegen Philipp Müller und den enttäuschenden Jungwirth nutzte Sven Kneer auf der Gegenseite seine Chance zum 21:15 (48.). Als Andersson im darauffolgenden Angriff einen weiteren Wurf von Daniel Valo mit der rechten Hand mühelos von der Linie wischte, durfte man Angst haben um die Gäste, die allerdings trotz vieler Nackenschläge nicht aufsteckten. Linkshänder Valo konnte in den letzten fünf Minuten beim 20:23 sogar wieder auf drei Tore verkürzen. Da die Großwallstädter nun plötzlich den Kopf verloren, bekamen die Gäste Aufwind. "Wir haben die Anweisungen nicht mehr befolgt", schimpfte TVG-Spieler Köhrmann, der ansehen musste, wie die HSG durch Salzer in der 58. Minute zum 21:23 kam. Der Kapitän gab in der zweiten Welle nun Gas und riss seine Kollegen mit.

33 Sekunden vor dem Ende traf der Schwabe dann sogar zum 22:23-Anschluss. Die Hausherren wackelten, erst recht als Andreas Kunz’ Wurf acht Sekunden vor Ultimo über die Latte flog. Was nun folgte, brachte die Verantwortlichen der HSG dazu, nach der Partie Protest gegen die Wertung des Spiels einzulegen. Salzer hatte sich ein Herz genommen und zum finalen Wurf aus etwa zehn Metern Entfernung angesetzt, als er von Steffen Weinhold mit der Faust brutal gestoppt wurde. Die Schiedsrichter zeigten Weinhold die Rote Karte, was nach einer neuen Regel eine längere Sperre und einen Siebenmeter zur Folge gehabt haben müsste, doch die Partie wurde ohne Strafwurf abgepfiffen. "Ein klarer Regelversto?, erklärte Roth und bekräftigte damit den Protest gegen die Wertung der Niederlage, die sich die HSG aufgrund der schlechten Verwertung der sauber herausgespielten Chancen und den vier Gegentreffern in Überzahl aber auch selbst zuzuschreiben hatte.

TV Großwallstadt: Andersson, Rominger (nur bei einem Siebenmeter); Spatz (7/2), Weinhold (2), Kneer (2), Tiedtke (4), Larsson, Jakobsson, Schäpsmeier (4), Kunz (3/1), Köhrmann (1), Szücs, Reuter.

HSG Wetzlar: Hacko (1. - 48.), Weber; Schmidt (2/2), Salzer (6/1), Valo (3), Jungwirth (2), Mraz (1), Müller (4), Schneider (n.e.), Chalkidis (1), Fäth (2), Friedrich (1), Kristjansson.

Im Stenogramm: SR: Hartmann/ Schneider (Magdeburg). - Z.: 3500. - Siebenmeter: 5/3:5/3. - Zeitstrafen: 14:4 Minuten. - Rot: Weinhold (60.).

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