Wetzlar verliert in Melsungen

Michael Roth sprintete gen Kabine, seine Spieler tanzten und sangen und kosteten den süßen Sieg ausgiebig aus, während die Akteure der HSG Wetzlar fassungslos auf dem Spielfeld standen. In einem umkämpften und bis zum Ende packenden Hessenduell in der Handball-Bundesliga hatten die Gastgeber von MT Melsungen das bessere Ende für sich und beim 26:24 (10:15)-Erfolg auch das Glück auf ihrer Seite.

Michael Roth sprintete gen Kabine, seine Spieler tanzten und sangen und kosteten den süßen Sieg ausgiebig aus, während die Akteure der HSG Wetzlar fassungslos auf dem Spielfeld standen. In einem umkämpften und bis zum Ende packenden Hessenduell in der Handball-Bundesliga hatten die Gastgeber von MT Melsungen das bessere Ende für sich und beim 26:24 (10:15)-Erfolg auch das Glück auf ihrer Seite. "Wir haben großen Kampf geboten und eigentlich mindestens einen Punkt verdient", sagte HSG-Trainer Gennadij Chalepo, dessen Mannschaft in der ersten Halbzeit eine nahezu perfekte Leistung geboten, im Zuge des zweiten Abschnittes aber zu viele Probleme mit der auf 5:1 umgestellten MT-Abwehr hatte - Melsungens Sieggarant - und im Angriff daher plötzlich mit zu wenig Druck und zu statisch spielte.

Dies wiederum begünstigte die Aufholjagd der Gastgeber. "Dass der Fünf-Tore-Vorsprung zur Pause noch keine Vorentscheidung war, wussten wir. Melsungen hat dann viel Druck gemacht, dem konnten wir zwar lange standhalten, doch als wir am Ende den Siebenmeter zum Ausgleich vergeben haben, ist uns das Spiel aus den Händen geglitten", sagte Co-Trainer Jochen Beppler.

Schon die erste Hälfte in der Rothenbachhalle in Kassel war geprägt von großem Kampf zwischen den beiden einzigen hessischen Erstligisten. Der ehemalige Wetzlarer Michael Allendorf, nun Linksaußen der Nordhessen, hatte schon vor der Partie geahnt, dass es ordentlich zur Sache gehen würde. Neben dem Prestige stünden vor allen Dingen wichtige Punkte auf dem Spiel. "Immerhin stecken beide Mannschaften mitten im Abstiegskampf", erklärte Allendorf.

Nach zunächst etwas verhaltenem Beginn der Wetzlarer Defensive bekamen Allendorfs Kollegen im Rückraum der MT dies aber immer mehr zu spüren. Bis zum 4:2 (5.) konnten Grigoris Sanikis, Alexandros Vasilakis und Co. zwar noch leichte Tore vom Neun-Meter-Strich erzielen, im Laufe der ersten 30 Minuten taten sie sich dann aber immer häufiger ordentlich weh, wenn sie die "Nahwurfzone" betreten wollten.

Auf der anderen Seite bestimmte zunächst der Wetzlarer Philipp Müller die Partie fast alleine. In der neunten Minute hatte er zum 5:5-Ausgleich getroffen, sein Tor zur 7:6-Führung in der elften Minute war bereits sein Treffer Nummer fünf. Und auch in der Defensive räumte der ehemalige Balinger nun nahezu alles aus dem Weg, was den seinen kreuzte. Dahinter wuchs Nikolai Weber immer mehr zu einem scheinbar nicht zu überwindenden Hindernis an. Beim 8:6-Zwischenstand für Wetzlar in der 15. Minute parierte er in nur 60 Sekunden gleich zwei Gegenstöße von Felix Danner. Insgesamt zehn schwere Bälle - darunter einen Siebenmeter von Savas Karipidis - konnte Weber im ersten Durchgang entschärfen. Insbesondere ihm war es - neben dem effektiven Angriffsspiel und der harten Abwehr - zu verdanken, dass die HSG, die von über 300 mitgereisten Fans sensationell unterstützt wurde, beim 15:10 einen Fünf-Tore-Vorsprung mit in die Pause nehmen konnte.

Auch nach dem Wechsel ging es packend weiter. In den ersten Minuten des zweiten Durchgangs schmolz der Vorsprung der Gäste auf dem Feld zwar wie draußen der Schnee, so dass Karipidis, neben Allendorf und Trainer Michael Roth der dritte ehemalige Wetzlarer, der in Melsungen beschäftigt ist, in der 40. Minute erstmals wieder den Ausgleich (17:17) erzielen konnte, doch eine Wende konnten die Schützlinge von Coach Roth, der von den HSG-Fans mit vielen Pfiffen bedacht wurde, dem Spiel nicht geben - noch nicht.

Wetzlar hatte bis zur 47. Minute zwar schon drei Pfostenwürfe zu beklagen, gestattete den favorisierten Hausherren aber (noch) nicht, die Führung zu übernehmen. Beim 20:20 entschärfte Keeper Milos Hacko beispielsweise einen Allendorf-Siebenmeter (48.), drei Minuten später lag Wetzlar durch Tore von Alois Mraz und Ex-MT-Spieler Georgios Chalkidis beim 22:20 wieder vorne. Doch auch Melsungen kam zurück. "Das zeichnet uns mittlerweile aus", lobte MT-Coach Roth den Willen seiner Mannschaft, die in der Endphase, in der auf dem Spielfeld unbarmherzig um jeden Treffer gekämpft wurde, durch Nenad Vuckovic in der 54. Minute wieder zum 22:22-Ausgleich kam.

Kein Torwurf gelang nun mehr, ohne dass der Werfer Schmerzen spüren musste. Wetzlar legte dennoch ständig vor, erst als Daniel Valo Pech bei einem Heberversuch hatte, nutzten dies die Gastgeber, um in diesem Krimi im Gegenzug beim 25:24 erstmals wieder in Führung zu gehen (Vuckovic/58.). Entschieden war die Partie, in der nun jedem kleinen Fehler entscheidende Bedeutung zukam, aber immer noch nicht. Erst als Lars Friedrich in der 59. Minute mit einem Strafwurf an Robert Lechte scheiterte und so das mögliche 25:25 vergab, deutete sich die Niederlage der Wetzlarer an, die schließlich Sanikis beim 26:24 besiegelte, ehe der Ex-Wetzlarer Trainer Roth dann zu einem Spurt in die Kabine ansetzte, während seine Spieler tanzten und sangen und die Wetzlarer fassungslos auf dem Spielfeld standen.

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MT Melsungen: Kelentric, Lechte; Schöngarth (1), Klimovets (2), Schweikhardt, Vasilakis (2), Danner (1), Sanikis (6), Karipidis (4), Allendorf (5/2), Vuckovic (5).

HSG Wetzlar: Weber, Hacko; Schmidt (1), Müller (5), Fäth, Salzer (3), Mraz (1), Valo (2), Friedrich (3/2), Jungwirth (2), Chalkidis (1), Kristjansson (6), Rompf (n.e.).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Methe/Methe (Vellmar). - Zuschauer: 3236. - Zeitstrafen: 4:6 Minuten. - Siebenmeter. 4/2:4/2.

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