Am Kreis eine Wucht: Anton Lindskog (66) traf beim Wetzlarer 31:22-Heimerfolg über Coburg acht Mal aus dem Spiel heraus gegen Gäste-Keeper Konstantin Poltrum (12). FOTO: VOGLER
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Am Kreis eine Wucht: Anton Lindskog (66) traf beim Wetzlarer 31:22-Heimerfolg über Coburg acht Mal aus dem Spiel heraus gegen Gäste-Keeper Konstantin Poltrum (12). FOTO: VOGLER

Handball

Wetzlar siegt auch ohne Torhüter Klimpke

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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Die HSG Wetzlar hat im einzigen Corona-Spiel der Handball-Bundesliga am Donnerstag 40 Minuten lang hart für das 31:22 gegen HSC Coburg gearbeitet - dann befreit aufgespielt.

Der 31:22 (14:11)-Sieg der HSG Wetzlar gegen den HSC 2000 Coburg geriet wegen der Entwicklungen im deutschen Handball fast zur Nebensache. Von Seiten der Vereine wäre eine Spielverlegung wünschenswert gewesen, die HBL sah dafür allerdings keinen Handlungsbedarf, da auf Wetzlarer Seite lediglich ein Nationaltorhüter Till Klimpke betroffen war.

Klimpke wurde jedoch von den Wetzlarern vorsorglich aus dem Kader gestrichen, da am Abend mit Johannes Bitter, Marian Michalczik, Juri Knorr und Finn Lemke bereits vier deutsche Nationalspieler einen positiven PCR-Test vorwiesen. Vorausschauend war Anadin Suljakovic angefordert worden, der von der HSG an den EHV Aue ausgeliehen ist.

Klimpke hätte spielen dürfen, doch HSG-Trainer Kai Wandschneider machte nach dem Spiel im Interview bei Sky deutlich: "Ich finde, dass wir eine gesellschaftliche Verantwortung tragen. Vorrang hat die Gesundheit und von daher war klar, dass Till Klimpke heute nicht spielen kann. Wir haben das mit der Mannschaft besprochen und die hat das nicht nur mitgetragen, sondern auch initiiert." Wandschneider legte Richtung HBL noch nach: "Wir verstehen nicht, wieso mit zweierlei Maß gemessen wird und wir antreten mussten und sportlich benachteiligt waren, weil wir freiwillig auf unsere Nummer eins verzichtet haben. Das ist bizarr, das ist grotesk und in keinster Weise nachvollziehbar. Die Bewertungs- und Beurteilungsmaschinerie geht weiter, denn wir haben einen sportlichen Wettbewerb, in dem es eigenartigerweise weiterhin um Meisterschaften geht. Aber wir haben schon lange keine Wettbewerbsgerechtigkeiten mehr und werden jetzt die Konsequenzen sehen. Es wird ein Termin-Chaos geben, der auf den Rücken der Spieler getragen wird."

Auch den Gästen wäre eine Verlegung entgegengekommen, denn Coburg reiste verletzungsbedingt mit lediglich zwölf Spielern an. Dennoch lieferte die Mannschaft von Coach Alois Mraz eine ausgeglichene Anfangsphase ab, in der sich Torhüter Konstantin Poltrum in guter Form zeigte und im Verlauf der ersten Halbzeit sechs Paraden zu verzeichnen hatte. Der HSC stellte eine kompakte und bewegliche 6:0-Abwehrformation, die ordentlich zupackte. Etliche Male rannte sich der Wetzlarer Angriff fest und schaffte es selten, den Ball bis auf die Außenpositionen laufen zu lassen.

Dafür glänzte HSG-Keeper Tibor Ivanisevic nach einer Viertelstunde erst mit einem gehaltenen Siebenmeter gegen Florian Billek, um kurz danach Felix Spross einen Gegenstoß wegzunehmen. Stefan Cavor erzielte beim 11:8 (22.) die erste Drei-Tore-Führung - nun bekamen die Grün-Weißen die Partie mehr und mehr in den Griff.

Anton Lindskog, der mit acht Toren ohne Fehlversuch einen Sahnetag erwischte, markierte in der 24. Minute das 13:9, mit einer 14:11-Führung ging es in die Kabine. Doch der Kreisläufer war trotz der zwei Punkte mit der Abwehr nur mäßig zufrieden. "Wir haben viel zu viel im Eins-gegen-Eins verloren, das hat nicht geklappt", sagte der Schwede bei Sky.

Die HSG Wetzlar machte nach Wiederanpfiff konzentriert weiter, nutzte die sich häufenden technischen Fehler und Fehlwürfe der Gäste gnadenlos aus. "Die erste Halbzeit gestalten wir eigentlich ausgeglichen und dann fehlen uns am Ende auch die Kräfte", gab Linksaußen Felix Spross zu Protokoll. HSC-Trainer Alois Mraz war spätestens nach dem 20:28 von Philip Henningsson in der 52. Minute klar, dass das Spiel gelaufen war. Dennoch forderte er in seiner letzten Auszeit: "Ich will Feuer sehen, wir haben noch acht Minuten zu spielen."

Man merkte seinen Spielern den Kräfteverschleiß an, da aufgrund des Personalmangels kaum Entlastung von der Bank kam. Wandschneider konnte hingegen in den letzten Minuten munter durchwechseln. Er gönnte seiner ersten Sieben den verdienten Feierabend und schickte vor allem seine Neuzugänge aufs Feld. Den letzten Treffer des Abends setzte Magnus Fredriksen fast mit dem Schlusspfiff zum 31:22 für die Gastgeber.

Damit hatten die Wetzlarer ihre Hausaufgaben erledigt, die Punkte sieben und acht eingefahren und sind - Stand heute - bereits am Sonntag wieder bei Frisch Auf Göppingen gefordert. "Wir haben uns im Verlaufe des Spiels gesteigert, aber man auch sagen, dass Coburg stark ersatzgeschwächt war", so Wandschneider abschließend.

Wetzlar: Suljakovic, Ivanisevic; Feld, Srsen, Henningsson (1), Björnsen, Mirkulovski (1), Weissgerber (1), Holst (9/4), Fredriksen (2), Forsell Schefvert (3), Gempp, Mellegard, Rubin, Lindskog (8), Cavor (6).

Coburg: Kulhanek, Poltrum; Norouzi (2), Spross (4), Billek (4/1), Zettermann (2), Varvne (1), Schikora (3), Dettenthaler (1), Kurch (2), Zeman, Neuhold (3).

SR: Thiyagarajah/ Thiyagarajah (Gummersbach). - Zeitstrafen: 6:6 Minuten. - Siebenmeter: 5/4:3/1.

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