Von Beginn an ein guter Taktgeber des Wetzlarer Spiels: Magnus Fredriksen (23), bedrängt von den Frisch Auf-Akteuren Janus Smarason (links) und Sebastian Heymann (rechts), die trotz eines zeitweiligen Fünf-Tore-Rückstandes mit 33:30 das bessere Ende für sich hatten. FOTO: WOLF

Handball

HSG Wetzlar schnuppert lange am Sieg

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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Die HSG Wetzlar verliert in der Handball-Bundesliga bei Frisch Auf Göppingen mit 30:33 (19:16) und hadert in der Endphase mit sich selbst und dem Schiedsrichter-Gespann.

Die Bundesliga-Partie war gutklassig, temporeich, leidenschaftlich - dennoch hat eine wiederholt starke HSG Wetzlar am Sonntagnachmittag die Nachholpartie bei Frisch Auf Göppingen mit 30:33 (19:16) verloren. Hinter dem nüchternen Ergebnis verbarg sich ein Auftritt, bei dem die Grün-Weißen bis zum 28:28 in der 50. Minute den höher eingeschätzten Göppingern das Leben richtig schwer machten, mit einer überragenden Trefferquote zwischenzeitlich sogar mit fünf Toren (18:13, Björnsen, 27.) führten und erst beim 28:29 (52.) erstmals überhaupt in Rückstand gerieten.

Mit ein, zwei taktischen Abwehrfinessen, großer Kampfkraft und gelungenen Kleingruppen-Aktionen hielt das Team von Trainer Kai Wandschneider bis zum 30:30 (54., Cavor) den Ausgang noch offen, musste mit fünf torlosen Minuten in der Endphase den Göppingern dann aber doch den Sieg überlassen.

"Man muss nicht immer viele Bälle, sondern manchmal nur den richtigen Wurf halten", suchte Göppingens Torhüter Daniel Rebmann vor dem Sky-Mikrofon sein Stück Wahrheit für den Sieg der Schwaben über die Mittelhessen. Im ersten Abschnitt hatte der 26-Jährige keinen einzigen Wurf pariert, nach dem Wechsel dafür öfter die Hand an den Ball bekommen und in der 59. Minute bei eigener 32:30-Führung mit einem gegen Wetzlars Maximilian Holst gehaltenen Siebenmeter eben den Weg zum Erfolg frei gemacht.

Die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar haderten zum einen mit sich selbst, da sie im zweiten Abschnitt nur noch auf klägliche elf erfolgreiche Abschlüsse kamen. Zum anderen aber auch mit dem Schiedsrichtergespann, dessen Entscheidungen für sie vor allem in der Crunchtime schwer nachvollziehbar waren. Wetzlars Trainer bekräftigte auf Sky zwar, sich "zuerst an die eigene Nase zu fassen", verwies in seinem Statement aber auch auf "andere Dinge, die eine Rolle gespielt" hätten und die er als "grenzwertig" bezeichnete.

An die eigene Nase fassen musste sich die HSG Wetzlar nach zuletzt zwei souveränen Erfolgen gegen HSC Coburg und Eulen Ludwigshafen lange Zeit auch in Göppingen nicht. Mit Magnus Fredriksen als Spielmacher und Emil Mellegard als blitzschnellem Linksaußen in der Startformation brachten die Grün-Weißen die überraschten Hausherren mal so richtig in die Bredouille. Beide rechtfertigten zu 100 Prozent ihren Einsatz.

Über die erste und zweite Welle wurden die individuellen Fehler der Frisch Auf-Angreifer nach dem 8:8 (13.) konsequent in Treffer umgemünzt, und hätte Maximilian Holst in der 25. Minute seinen Siebenmeter verwandelt und Olle Forsell Schefvert in Überzahl das leere Tor nicht verfehlt, hätten die Mittelhessen über das 18:13 (27., Björnsen) zur Pause noch deutlicher als mit 19:16 führen können.

Andererseits war es nur eine Frage der Zeit, dass die Göppinger Keeper den ersten Wurf parieren und die spiel- und wurfstarken Neuzugänge Janus Smarason und Tobias Ellebaek ihre Klasse aufs Parkett bringen würden. Mit einem Paraden-Hattrick direkt nach der Halbzeit bestellte FA-Keeper Daniel Rebmann dann auch das Feld für die Gastgeber-Aufholjagd, die aber - wie eingangs erwähnt - erst beim 28:28 in der 50. Minute ihr erstes Etappenziel erreicht hatte. In der 45. Minute hatte Wetzlar noch mit 28:25 geführt.

"Göppingen hat 60 Minuten voll auf Tempo gespielt", analysierte Wandschneider die ansehnliche Partie, welches Wetzlar 55 Minuten voll mitgegangen war. Entscheidend für Wandschneider: "Wir können nicht auf dem Niveau von Göppingen wechseln. Am Ende hat die Kraft gefehlt."

Oder eine tatsächliche Entlastung für Stefan Cavor auf Halbrechts. Oder ein mutigerer Lenny Rubin auf Halblinks. Oder eine echte Kreislauf-Option. Oder Einsatzzeit für Alexander Feld. Oder eine bessere Lobby bei den Unparteiischen. Reflektiert man die 60 Minuten, lassen sich im Detail durchaus Gründe für ein 30:33 finden, das aber auch etwas über die neue Göppinger Qualität aussagt.

Schema

Göppingen:Rebmann, Kastelic; Neudeck, Theilinger, Schiller (9/7), Zelenovic (5), Ellebaek (4), Heymann (4), Kozina (4), Goller (2), Smarason (2), Bagersted (1), Hermann (1), Kneule (1), Rentschler.

Wetzlar:Klimpke, Ivanisevic; Feld (n.e.), Srsen, Mirkulovski, Cavor (7), Mellegard (5), Forsell Schefvert (4), Björnsen (3), Fredriksen (3), Lindskog (3), Holst (2/2), Rubin (2), Henningsson (1), Gempp, Weissgerber.

Stenogramm/ Schiedsrichter: Standke (Göttingen)/Heine (Wendeburg). - Strafminuten: 8:8.

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