Wetzlar schlägt Magdeburg

(mac) Als Kari K. Kristjansson in der 58. Minute den Ball am Kreis in die Finger bekam, sich blitzschnell drehte und die Kugel in die Maschen jagte, schnellten in der Rittal-Arena beinahe 8000 Fäuste in die Höhe. Der bullige Kreisläufer, dessen Trikot auf der rechten Seite komplett aufgerissen war, hatte soeben zum 28:24 für die HSG Wetzlar getroffen und für die Entscheidung in diesem Duell der Handball-Bundesliga gegen den SC Magdeburg gesorgt.

(mac) Als Kari K. Kristjansson in der 58. Minute den Ball am Kreis in die Finger bekam, sich blitzschnell drehte und die Kugel in die Maschen jagte, schnellten in der Rittal-Arena beinahe 8000 Fäuste in die Höhe. Der bullige Kreisläufer, dessen Trikot auf der rechten Seite komplett aufgerissen war, hatte soeben zum 28:24 für die HSG Wetzlar getroffen und für die Entscheidung in diesem Duell der Handball-Bundesliga gegen den SC Magdeburg gesorgt. Die fast 4000 Zuschauer, die es schon Minuten zuvor nicht mehr auf ihren Sitzen gehalten hatte, hatten die Grün-Weißen in der Endphase zu einem wichtigen 28:25 (15:10)-Heimsieg getragen und verliehen ihrer großen Freude nun Ausdruck, indem sie - wie die Spieler auf dem Feld - ihre Hände zur Siegerfäusten ballten. Getreu dem Motto »Gemeinsam sind wir stark« hatte man den Favoriten in die Knie gezwungen.

»Das war eine super Mannschaftsleistung mit einem ganz starken Rückraum und einer super Abwehr. Wenn eine Mannschaft so stark spielt, haben die Trainer großen Anteil daran«, jubelte Wetzlars Kapitän Timo Salzer, der mit Daniel Valo, Philipp Müller und Alois Mraz eine herausragende und unglaublich wurfeffektive Aufbaureihe gebildet hatte. »Wir haben es nicht geschafft, den Rückraum der HSG aus dem Spiel zu nehmen. Valo hat fantastisch gespielt und auch gegen die Würfe der anderen hatten wir kein Mittel«, erklärte SCM-Außenspieler Yves Grafenhorst. Sein Trainer Frank Carstens musste nach der fünften Niederlage der Ostdeutschen zugeben. »Wetzlar war in vielen Bereichen besser. Im Spielaufbau, in der Chancenverwertung und vor allem in der Abwehr. Da hat es Wetzlar uns sehr schwer gemacht, einen Treffer zu erzielen«, erklärte Carstens.

Nur zehn Gegentore in der ersten Halbzeit sprechen eine deutliche Sprache. »Unsere Abwehr war so gut. Das geht kaum besser«, sagte Gennadij Chalepo nach dem Erfolg im ersten Heimspiel als Cheftrainer. Neben der im kämpferischen Bereich leidenschaftlichen und im spieltaktischen Bereich hoch konzentrierten Abwehrleistung war ein weiterer Grund für die geringe Ausbeute der Magdeburger, dass die Hausherren im Angriff präzise und überlegt abschlossen und die gefürchteten Tempogegenstöße der Gäste daher gar nicht stattfinden konnten. Valo, Salzer, Müller und später Mraz trafen nach Belieben, fanden aber auch immer wieder den Weg an den Kreis, wo Kristjansson entweder Siebenmeter zog oder selbst Tore erzielte. In der 17. Minute hatte Linkshänder Valo Wetzlar zum ersten Mal mit drei Treffern in Führung geworfen (8:5). Diesen Vorsprung baute die HSG bis zur Pause gar auf 15:10 (Salzer-Schlagwurf) aus.

Es waren seit der Amtsübernahme von Chalepo und seinem Co-Trainer Jochen Beppler zwar keine großartigen Veränderungen in den Angriffen zu erkennen, und doch waren Nuancen zu sehen, die das Offensivverhalten der Gastgeber verfeinert haben. Wetzlar spielte exakter, bedrohte genauer die Bruchstelle, wählte detaillierter die Laufwege - und griff auf wunderbare Kleingruppenmaßnahmen zurück. Müllers trockene Anspiele auf den in der Sperre am Außenspieler wartenden Kreisläufer waren zum Zungeschnalzen und erinnerten stark an die Auftritte von »Jimmy« Chalepo unter Coach Velimir Petkovic im linken Rückraum der Sporthalle Dutenhofen. Wo früher Robert Sighvatsson schlitzohrig ausharrte, bis der gebürtige Weißrusse den Ball fallen ließ, stand nun Kristjansson richtig. Gut aufgepasst, »Jimmy« - und weiter so!

Nach dem Wechsel legte Wetzlar nun sogar eine 18:10-Führung vor, doch dann holperte es im Angriff gegen die 5:1- und 4+2-Abwehr des SCM. »Wir haben dem Gegner einige Bälle in die Hand gespielt«, erklärte Chalepo den Grund, warum Magdeburg beim 16:19 (43.) nähergekommen war. In der 53. Minute brachte Grafenhorst mit einem Konter die Gäste sogar auf 23:25 heran. Doch Wetzlar ließ sich nicht verunsichern und blieb stabil.

Routinier Mraz setzte nach zwei wichtigen Treffern in der 57. Minute noch einen drauf und sorgte für das 27:24, ehe Kristjanssons wenig später seine Mannschaft und jeden einzelnen Zuschauer zu einem Sieger machte.

HSG Wetzlar: Weber (1. bis 50.), Hacko; Schmidt, Salzer (7), Valo (6), Jungwirth (1), Mraz (3), Müller (5), Schneider (n.e.), Chalkidis, Friedrich (4/3), Kristjansson (2), Rompf (n.e.).

SC Magdeburg: Eijlers (1. bis 12. und ab 31.), Quenstedt; Wiegert (1), Doborac (4), Landsberg (1), van Olphen (3), Hornke (n.e.), Natek (3), Grafenhorst (6), Balogh (n.e.), Tönnesen (1), Weber (4/3), Jurecki (1), Kupfer (n.e.).

Im Stenogramm: SR: Immel/Klein (Erkelenz/ Ratingen). - Z.: 3960. - Zeitstrafen: 6:8 Minuten (Chalkidis/2, Kristjansson - Wiegert/2, Landsberg, Weber). - Rot: Schmidt (Wetzlar/60.). - Siebenmeter: 5/3:3/3 (Schmidt und Salzer scheitern).

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