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Löwen-Ass Andy Schmid. (Foto: pfl)

Wetzlar mit offenem Visier

Das kann sich sehen lassen. Die HSG Wetzlar hat auf das jüngste Pokal-Aus vom vergangenen Mittwoch eine starke Reaktion gezeigt und sich am gestrigen Sonntag nachmittag in der Mannheimer SAP-Arena bei der 20:24 (10:13)-Niederlage beim amtierenden Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen hervorragend verkauft.

(ra) In der nun 14-tägigen Länderspielpause heißt es, sich als Tabellen-10. mit 8:12 Punkten zu sammeln und neue Kraft für die weiteren Aufgaben bis zum Jahreswechsel zu tanken.

Die HSG konnte bei den Rhein-Neckar Löwen glücklicherweise mit Europameister Jannik Kohlbacher und dem neu für die Nationalmannschaft nominierten Philipp Weber antreten, die wegen einer Schulter- bzw. Kapselverletzung am Daumen beide noch bis zum Vormittag um ihren Einsatz bangen mussten, nun aber wohl auch am heutigen Montag zum Treffpunkt des DHB-Auswahlteams für die beiden EM-Qualifikationsspiele gegen Portugal und in der Schweiz kommen können.

Die Mittelhessen zeigten in der Anfangsphase keinen Respekt vor großen Namen und führten beim Meister durch Vladan Lipovina und Jannik Kohlbacher gleich mit 2:0 (3.). Das Team von Trainer Kai Wandschneider spielte mutig und mit offenem Visier, sodass die Rhein Neckar Löwen schon früh die Intensität erhöhen mussten. Vielleicht zu sehr, denn schon nach einer Viertelstunde war Abwehrchef Gedeon Guardiola mit zwei Zeitstrafen belastet.

So dauerte es bis zur zwölften Minute, ehe Löwen-Regisseur Andy Schmid den Favoriten beim 5:4 erstmals überhaupt in Führung werfen konnte. Als Emil Berggren gut zehn Minuten später zum 8:9 aus Wetzlarer Sicht einwarf, mühte sich der Champions-League-Teilnehmer noch immer um mehr Souveränität. Kurz zuvor hatte RN-Trainer Nikolaj Jacobsen seine Mannen zusammengetrommelt und Tipps gegeben, wie man der kampfstarken HSG besser beikommen könne.

Die Zuschauer in der SAP Arena sahen aber weiter ein enges Match, bei dem die Rhein-Neckar-Löwen spielerisch gefälliger wirkten, sich gegen kämpfende Mittelhessen aber bisweilen die Zähne ausbissen. Bis zur 13:10-Pausenführung, die wenigstens Hendrik Pekeler vom Kreis und Valur Sigurdsson über die zweite Welle mit einem Doppelschlag herstellen konnten, nachdem zwischenzeitlich Jannik Kohlbacher und Stefan Kneer beim 10:11 (27.) die Grün-Weißen hatten jubeln lassen.

Die HSG Wetzlar hatte bis dahin eine richtig starke Vorstellung geboten. Die Mittelhessen konnten das Tempo der Mannheimer mitgehen, standen konzentriert in der Defensive und ließen sich vom Spiel der Gastgeber nicht beeindrucken. Bei den Löwen stach vor allem Andy Schmid hervor, der viel Kreativität ins Spiel brachte.

Die Frage war, wie lange Wetzlar noch so gegenhalten würde? Die Antwort lieferte kurioserweise die rote Karte gegen Löwen-Abwehrchef Gedeon Guardiola in der 34. Minute, die die Hausherren endgültig wachrüttelte, weshalb diese die Wetzlarer fortan immer stärker unter Druck setzten. Zehn Minuten später waren die Verhältnisse schon klarer, die HSG musste durch Ex-Teamkollege Dejan Manaskov einen der zunehmenden Löwen-Gegenstöße zum 16:22 (44.) hinnehmen. Klar, dass sich der amtierende Deutsche Meister jetzt den Sieg nicht mehr nehmen lassen würde.

Selbst der überraschende erste Einsatz des am Freitag neuverpflichteten Montenegriners Stefan Cavor, der in der 35. Minute sogar zum 12:15 getroffen hatte, konnte die Kräfteverhältnisse nicht mehr verschieben. Kai Wandschneider dürfte damit gerechnet haben, das seine Mannschaft dem hohen Aufwand der ersten Hälfte irgendwann Rechnung tragen würde. Mit einer Auszeit versuchte er eine Viertelstunde vor Schluss den Lauf der Schmid und Co. einigermaßen zu bremsen: "Wir haben uns bei einer der besten Mannschaften Europas super verkauft."

Mit Erfolg. Fünf lange Minuten unterband die HSG-Abwehrreihe um Evars Klesniks jeden Torerfolg der Jacobsen-Truppe. Im Gegenteil, in der 50. Minute folgte endlich mal wieder ein Wetzlarer Treffer. Kristian Bjørnsen war zur Stelle und hämmerte den Ball vorbei an dem verdutzten Mikael Appelgren im RN-Tor in den Winkel zum 17:22. Appelgren hatte zuvor mit etlichen Glanzparaden die Mittelhessen noch auf Distanz halten können. In der Endphase häuften sich die technischen Fehler auf beiden Seiten, Unkonzentriert- und Sorglosigkeiten hüben wie drüben. Wetzlar spielte dieser Umstand eher in die Karten als dem Favoriten, denn trotz der dritten Zeitstrafe gegen Evars Klesniks (56.

) konnte die Niederlage somit in Grenzen gehalten werden. Zwei abschließende Treffer von Vladan Lipovina ließen die Grün-Weißen mit einem 20:24 (10:13) vom Parkett der Mannheimer SAP-Arena und in die nun folgende 14-tägige Länderspielpause gehen.

Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Palicka; Du Rietz (4), Larsen (1), Petersson (5), Reinkind (3), Schmid (5), Groetzki (1), Baena, Guardiola, Pekeler (1), Sigurdsson (2), Manaskov (2).

HSG Wetzlar: Nikolai Weber, Buric; Berggren (1), Klesniks, Kneer, Lipovina (5), Mirkulovski, Philipp Weber (5), Björnsen (4), Hahn, Kvist (1), Kohlbacher (3), Lindskog, Cavor (1).

Stenogramm / SR.: Schulze/Tönnies (Magdeburg/Stendal). - Zus.: 8250. - Spielfilm: 4:4 (10.), 9:7 (20.), 11:10 (28.); 15:11 (35.), 20:14 (42.), 24:20 (Endstand). - Zeitstrafen: Guardiola (3), Pekeler (1, beide Löwen); Kneer (2), Klesniks (3), Lindskog (1, alle Wetzlar). - Siebenmeter: 5/2:3/3.

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