Wetzlar nimmt erste Hürde

Handball-Bundesligist HSG Wetzlar hat am Mittwochabend im Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Stadt Wetzlar die erste Hürde auf dem Weg zur beantragten "Soforthilfe" von 113 000 Euro genommen. Mit sechs Ja-Stimmen von der "Regierungsbank" bei fünf Enthaltungen der Opposition und Null Gegenstimmen reichte das Gremium die Vorlage I/602 zur finanziellen Unterstützung der HSG Wetzlar mit einer positiven Empfehlung an das Stadtparlament weiter. Dort steht die schlussendliche Entscheidung bereits für den 8. Mai auf der Tagesordnung.

(ra) Handball-Bundesligist HSG Wetzlar hat am Mittwochabend im Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Stadt Wetzlar die erste Hürde auf dem Weg zur beantragten "Soforthilfe" von 113 000 Euro genommen. Mit sechs Ja-Stimmen von der "Regierungsbank" bei fünf Enthaltungen der Opposition und Null Gegenstimmen reichte das Gremium die Vorlage I/602 zur finanziellen Unterstützung der HSG Wetzlar mit einer positiven Empfehlung an das Stadtparlament weiter. Dort steht die schlussendliche Entscheidung bereits für den 8. Mai auf der Tagesordnung.

Die zweistündige Debatte bis zu diesem Ergebnis hatte es in Anbetracht der Dringlichkeit, der vom Zahlenwerk inhaltlich eher dürftigen Vorlage sowie der öffentlichen Diskussion der letzten Tage in sich. Sowohl Oberbürgermeister Wolfram Dette als auch Bürgermeister Helmut Lattermann hatten sich im vollbesetzten Sitzungssaal 003 den hartnäckigen und tiefgreifenden Fragen von SPD und B90/Grünen zu stellen.

Wolfgang Borchers und Gerd-Rainer Michalek (B90/Grüne) war die Vorlage nicht aussagekräftig genug und fühlten sich zu wenig informiert, Manfred Wagner (SPD) brachte Alternativmöglichkeiten (z. B. Bürgschaft) ins Spiel. Die allzu kritischen Stimmen verflüchtigen sich erst etwas, als mit Hardo Reimann der Aufsichtsratsvorsitzende der HSG Wetzlar Rede und Antwort stand und etwas mehr Licht in das kaum durchschaubare Zahlenwerk brachte:

Der Handball-Bundesligist hat aktuell 70 000 Euro rückständige Mietzahlungen, die ihm der Arena-Betreiber auf unbestimmte Zeit gestundet hat. Dazu kommen 700 000 bis 800 000 Euro Verbindlichkeiten an Kontokorrent-Krediten und privaten Darlehen. Muss die HSG Wetzlar weiterhin pro Saison 325 000 Euro brutto an Hallenkosten aufbringen, ist sie, so Reimann, auf Dauer "nicht mehr wettbewerbsfähig". Wobei Reimann wert auf die Feststellung legte, dass - entgegen anderen Veröffentlichungen - bis zum gestrigen Datum alle Gehälter gezahlt worden seien und darüber hinaus die bilanztechnische Unterdeckung von 51 000 Euro aus der Mudrow-Abfindung von vier Privatpersonen abgedeckt worden sei.

Dennoch drängt die Zeit. Um im laufenden Lizenzierungsverfahren der Handball-Bundesliga die Liquidität nachweisen zu können, benötigt der Klub einen städtischen Zuschuss zur Hallenmiete von 5500 Euro pro Partie (bislang 2000) sowie eine einmalige, rückwirkende Ausgleichszahlung von 50 000 Euro. Womit sich die Förderung von aktuell 36 000 Euro auf 149 000 Euro für 2010 erhöhen würde und im Nachtragshaushalt einzubringen wäre.

Nach all den "finanziellen Taschenspielereien" reduzierte der gerade aus den USA zurückgekehrte CDU-Stadtverordnete Klaus Breidsprecher den Entschluss wortgewandt auf die städtische (O-Ton) ›Glaubensfrage‹: "Was ist uns der Spitzensport in Wetzlar wert?" Schon vor der 6:0:5-Abstimmung kündigte die sich enthaltene Opposition an, in den Fraktionen erst noch einmal beraten und sich dann auf eine Marschroute verständigen zu wollen.

Viel Spielraum bleibt ohnehin nicht, hatte Bürgermeister Lattermann doch in seinem Eingangs-"Plädoyer" bereits auf das wesentliche Merkmal zur Entscheidungsfindung hingewiesen: Gemäß Paragraph 5, Absatz 5 des 2005 ausgearbeiteten Vertrages mit Hallenbetreiber Gegenbauer trage die Stadt Wetzlar das finanzielle Risiko, falls die HSG Wetzlar als Ankermieter (aus welchen Gründen auch immer) wegfalle. Aktuell sind dies 325 000 Euro brutto per anno. Und der Vertrag läuft noch bis 2014.

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