Wetzlar und Melsungen einigen sich

(mac) "Wir können mit dem Ergebnis der Verhandlungen absolut zufrieden sein", sagte Manfred Thielmann, Sprecher des Aufsichtsrats des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, am Sonntag, nachdem in einem Gespräch mit Verantwortlichen des Ligakonkurrenten MT Melsungen die letzten Details des Wechsels von Trainer Michael Roth von der HSG nach Nordhessen geklärt worden sind.

Über die Inhalte der Vereinbarung wurde allerdings Stillschweigen vereinbart. Wie am Samstag berichtet, hatte Roth in Wetzlar um Auflösung seines bis 2012 gültigen Vertrags gebeten und sich schon am Freitag von der Mannschaft verabschiedet. In Melsungen wird Roth Nachfolger des vor zwei Wochen beurlaubten Matjaz Tominec. Wer das Traineramt in Wetzlar übernehmen wird, ist dagegen noch offen.

Zunächst wollen die Mittelhessen den Abgang des 48-Jährigen interimsmäßig auffangen. Am heutigen Montag sollen Co-Trainer Jochen Bepler und Oberliga-Coach Gennadij Chalepo das Training des heimischen Bundesligisten übernehmen, der erst am 6. November beim Aufsteiger HSG Ahlen/Hamm wieder zu einem Bundesligaspiel antreten muss. "Die beiden Trainer werden die Mannschaft auch in den nächsten Tagen vorbereiten", sagt Thielmann, der nun gemeinsam mit Aufsichtsratsmitglied Martin Bender und Ex-Manager Rainer Dotzauer als Berater den Markt nach einem neuen Coach sondieren wird. Thielmann und Bender werden bei der Suche nach einem neuen Coach auch die Meinung des Mannschaftsrates einholen, dem Kapitän Timo Salzer "vorsteht".

"Wir werden nichts übers Knie brechen", sagt Thielmann. Gesucht wird ein Trainer, der nicht zu viel Geld kostet und der die HSG nicht als Sprungbrett ansieht, von dem er wieder abspringt, wenn ein Verein mit einem besseren Angebot auf ihn zukommt. "Wir brauchen in Wetzlar keine großen Stars und werden zunächst danach schauen, wer bezahlbar ist", so Thielmann. Wer Nachfolger von Roth wird, ist demnach noch völlig offen. Bisher wollen die Verantwortlichen nur vage Gespräche geführt haben, um auszuloten, wer überhaupt in Frage komme für diesen Job. Ein heißer Anwärter soll Peter David sein, der derzeit Co-Trainer des TV Großwallstadt ist. David war bei den Mainfranken erfolgreich in die Bresche gesprungen, als Roth damals aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen war.

Auch zu Markus Baur, dem ehemaligen Spielmacher der HSG, der nach seiner Entlassung beim TBV Lemgo vereinslos ist, sollen die Verantwortlichen Kontakt aufgenommen haben, während Wetzlars Ex-Coach Holger Schneider, derzeit Geschäftsführer in Rostock, gestern über ein Engagement an der Lahn nur lachen konnte. Ein interessanter Trainer, der dem Anforderungsprofil entspricht und die Leidenschaft verkörpert, die für die Truppe wichtig ist, wäre der frühere Wetzlarer Sigurdur Bjarnasson. "Das wäre eine Herausforderung", sagt der Isländer.

"Es tut mir leid für Mannschaft und Fans, aber das Geschäft ist nun mal nüchtern. Wir haben eine faire Lösung gefunden. Letztlich hat jeder etwas von meinem Wechsel", erklärte Roth gestern, der heute in Nordhessen die Arbeit aufnehmen soll. Der Coach hatte bei seiner Vertragsverlängerung in Wetzlar vor der Saison eine Ausstiegsklausel in den Kontrakt aufnehmen lassen, die ihm den Abschied nun ermöglichte. "Es ist ein konsequenter Schritt. Ich bin froh darüber", sagt Roth, der sich in Wetzlar zuletzt alleingelassen fühlte und nicht mehr das Vertrauen spürte. "Melsungen ist ein schlafender Riese. Dort kann ich andere Ziele anvisieren", erklärt Roth, dessen Abschied in Wetzlar in Sachen Handball-Kompetenz nun ein großes Loch reißt.

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