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Mit Haken und Ösen: Den Zweikampf zwischen Wetzlars Kent Robin Tönnesen (l.) und Melsungens Philipp Müller gewinnt der Norweger. Morgen kommt es in der Handball-Bundesliga zu einem Wiedersehen der beiden Leistungsträger. (Foto: Vogler)

Wetzlar bei MT Melsungen

In der Handball-Bundesliga spielt die HSG Wetzlar am Samstag um 15 Uhr bei der MT Melsungen im Hessenderby. Allerdings muss Trainer Kai Wandschneider auf Florian Laudt verzichten.

(fk) Man mag sich am vergangenen Samstag verwundert die Augen gerieben haben als Michael Allendorf, Michael Müller, Felix Danner und Johannes Sellin gemeinsam auf der Platte standen, während sie von der Bank aus vom zweiten Müller-Zwilling Philipp angefeuert wurden. Denn die fünf Handballer trugen nicht wie gewohnt das Trikot der MT Melsungen, sondern liefen im Dress der deutschen Nationalmannschaft über das Feld, die am Wochenende zwei Testspiele gegen die Schweiz absolvierte. "Mir ist die Konstellation tatsächlich aufgefallen", erklärte Rechtsaußen Sellin hinterher. "Allerdings sollte man realistisch bleiben: Dass wir noch einmal zu fünft hier dabei sind, ist eher nicht zu erwarten." Anders als im Ligabetrieb, denn da empfängt das durchaus erfolgreiche Nationalmannschafts-Quintett mit der MT am Samstag um 15 Uhr die HSG Wetzlar zum stets brisanten Hessenderby.

"Wir haben mit Wetzlar noch eine Rechnung offen", betont Michael Müller auf der Homepage der Melsunger. Schließlich mussten die Schützlinge von Michael Roth in der vergangenen Spielzeit daheim eine empfindliche 24:32-Niederlage hinnehmen, nachdem sie zuvor unter anderem den THW Kiel hatten besiegen können. Das ist auch dem Wetzlarer Coach Kai Wandschneider bewusst, der das Ergebnis realistisch einzuschätzen weiß: "Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass so etwas noch mal passiert. Melsungen hatte vorher drei Spiele in einer Woche und war in der ersten Halbzeit einfach nicht da."

Eine ähnliche Situation hatten die Nordhessen auch schon in dieser Saison. Ende August musste der Europapokal-Teilnehmer gegen Balingen, Gummersbach und in Flensburg antreten – und patzte prompt. Gegen den VfL setzte es zu Hause eine 26:27-Niederlage. Momentan liegt die MT mit 6:6 Punkte auf Rang elf der Tabelle. Für ein Team, dass sich selbst unter den besten vier der Liga sieht, auf den ersten Blick eine enttäuschende Bilanz. Doch Wandschneider warnt: "Die Niederlagen gegen Kiel und Flensburg waren nicht unerwartet. Mit 8:4 Zählern hätte Melsungen einen sehr guten Start gehabt. Gegen uns sind sie Favorit."

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die HSG seit dieser Woche einen weiteren Ausfall zu beklagen hat. Bei Spielmacher Florian Laudt besteht Verdacht auf Schambeinbruch. Ein MRT am gestrigen Donnerstag sollte endgültigen Aufschluss geben. Selbst wenn sich der Verdacht nicht bestätigen sollte, so sind Blessuren am Schambein stets eine langwierige Angelegenheit, wie auch Beispiele aus dem Fußball zeigen (Götze, Sven Bender). "Mit Florian bricht uns ein weiterer Schlüsselspieler weg, der sowohl in der Abwehr als auch im Angriff hervorragende Leistungen gezeigt hat", beklagt Wandschneider, der ebenfalls auf Max Holst (Kreuzband) verzichten muss. Fraglich ist zudem der Einsatz von Nationalspieler Steffen Fäth nach seinem doppelten Bänderriss, während die Rückkehrer Adnan Harmandic und Jens Tiedtke nach ihren Verletzungen bzw. Pausen noch weitere Zeit benötigen.

Trotz der Engpässe nimmt MT-Coach Roth, für den vier Tage später die Melsunger Europapokal-Premiere gegen Toulouse folgt, die HSG nicht auf die leichte Schulter: "Meine Spieler konzentrieren sich nur auf die Partie gegen Wetzlar. Uns erwartet eine richtig schwierige Aufgabe." Das sieht man auch in Wetzlar so. "Wir hatten eine lange Pause, es ist ein kleiner Neuanfang für uns. Nichtsdestotrotz sind wir gut eingestellt und wollen unser Spiel durchbringen. Dazu gehört es auch, einen kühlen Kopf zu bewahren", erklärt Wandschneider, der gerne noch einmal so eine Überraschung feiern würde wie in der letzten Saison.

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