Wetzlar erwartet den Vizemeister

Wird der Feiertag zum Feiertag? Die HSG Wetzlar bekommt es am morgigen 3. Oktober erneut mit einem Großen der Liga zu tun. Nach der Auftakt-Sensation gegen den HSV Hamburg und der starken Leistung bei den Rhein-Neckar Löwen empfangen die Mittelhessen um 17.30 Uhr in der Rittal-Arena Vizemeister SG Flensburg/Handewitt.

Die Norddeutschen sind in der Handball-Bundesliga der Männer noch ungeschlagen und haben am Sonntag im vierten Saisonspiel mit dem souveränen 29:23 beim TV Großwallstadt auch ihren ersten Auswärtssieg gelandet, in der Champions League haben die Kaufmann und Co. letzten Donnerstag Frankreichs Meister HB Montpellier um Ausnahmekönner Nikola Karabatic ein 37:37 abgerungen.

Für Wetzlars Trainer Kai Wandschneider ist die SG Flensburg/Handewitt auch in dieser Spielzeit wieder einer der härtesten Konkurrenten des THW Kiel im Kampf um die Meisterschaft: "Flensburg verfügt über eine absolut ausgeglichene Mannschaft. Alle Positionen in Rückraum, am Kreis und im Tor sind doppelt mit international erfahrenen Spitzenspielern besetzt. Dazu hat die SG extrem torgefährliche Außenspieler. Das wird eine richtig schwere Aufgabe, zumal Flensburg über 60 Minuten ein unglaublich hohes Tempo geht.

Dennoch: Die beiden bislang besten Saisonleistungen brachten Müller und Co. gerade gegen die Topteams auf das Parkett, während in Balingen, gegen Großwallstadt, in Melsungen und gegen Lemgo stärker über den Kampf zum Spiel gefunden werden musste, vielleicht auch der größeren Erwartungshaltung wegen. Beim 33:26 gegen den HSV wie bei der 20:27-Aufholjagd in Mannheim (29:31) war der Gegenstoß einer der großen Wetzlarer Trümpfe.

Deshalb ist die Lust auf einen großen Mittwoch vor großer Kulisse im grün-weißen Lager groß. "Wir freuen uns auf diese Herausforderung", kam Trainer Kai Wandschneider bereits hoch motiviert aus dem Vormittagstraining am Montag, "alle Spieler sind fit, die Mannschaft heiß." Fast alle Spieler, denn Rechtsaußen Tobias Hahn ist auch sieben Monate nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder einsatzfähig. Was bislang weniger ins Gewicht fällt, da Rechtsaußen-Neuzugang Tobias Reichmann längst zu einem der Publikumslieblinge geworden ist und am Samstag beim 31:28 über den TBV Lemgo auch Bundestrainer Martin Heuberger wieder überzeugen konnte.

Apropos Lemgo: Über den Protest der Ostwesfalen hat die HBL noch nicht entschieden, angeblich soll nach dem Wetzlarer Wechselfehler in der elften Minute nicht formal der Spieler benannt worden sein, der die "Bankstrafe" aufgebrummt bekommen sollte.

"In der Bundesliga haben wir bislang wirklich ein sehr hohes Niveau in unserer Deckung, und Mattias Andersson bringt gute Leistungen", begründet Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes den gelungenen Saisonstart. Am Sonntag beim TV Großwallstadt ließen die mit vier nationalen und fünf internationalen Titeln geschmückten Schleswiger nur sage und schreibe 14 Feldtore zu, womit deutlich wird, welche Aufgabe da am "Tag der deutschen Einheit" auf die Wetzlarer Angriffsreihe zukommt.

Mathias Andersson im Tor, dazu eine bärenstarke Deckung mit Abwehrdirigent Tobias Karlsson und das darauf aufbauende dauerhafte Tempospiel, "die enorme Konterfähigkeit" (Wandschneider), machen die Flensburger stark. Im Angriff ragt der sicherste Siebenmeter-Schütze der Liga, Anders Eggert, heraus. Kopf der Mannschaft ist Regisseur Thomas Mogensen, auf den Halbpositionen werfen die Kaufmanns, Weinholds und Glandorfs um die Wette.

Und auf den langfristigen Ausfall von Petar Djordjic (Kreuzbandriss) haben die Norddeutschen schnell mit der Nachverpflichtung des 139-fachen isländischen Nationalspielers Arnor Atlason reagiert.

Hat Wetzlars Torhüter Nikola Marinovic wieder die meisten Wurfbilder der Flensburger auf seiner Festplatte, spielt Kreisläufer Kari Kristjan Kristjansson, der beim Champions-League-Starter noch immer auf dem Zettel stehen soll, ordentlich vor und reicht auch der Rest der Wetzlarer Mannschaft an sein Leistungsvermögen heran, könnte der Mittwoch-Feiertag durchaus zum HSG-Feiertag werden– und wenn auch nur für die nach diesem Saisonstart erwartungsvollen Zuschauer.

Geleitet wird die Partie, für die es noch Sitz- und Stehplatzkarten an der Abendkasse (ab 16 Uhr) gibt, vom DHB-Elitekader-Schiedsrichtergespann Blümel/Loppaschewski. Gegen den TBV Lemgo waren bereits 4000 gekommen, nun rechnet die HSG mit einer neuen Saison-Rekordkulisse. Ralf Waldschmidt

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