HSG Wetzlar erwartet Lemgo

(ra) "Der Spieler, der kommt, muss sofort da sein." Kai Wandschneider, der Trainer der HSG Wetzlar, weiß nur zu gut, worauf es im Bundesliga-Heimspiel am Samstag gegen den TBV Lemgo (19 Uhr, Rittal-Arena) ankommt.

Die Ostwestfalen sind ein tempostarker, auf leichte Treffer gepolter Gast, der gegnerische Schwächephasen oder auch nur zwei, drei unkonzentrierte Aktionen in Folge spielentscheidend auszunutzen versteht.

Aus diesem Grund haben sich die Wetzlarer Handballer darauf eingeschworen, sich voll uns ganz auf diese Heimaufgabe zu konzentrieren. Egal, wer in der Anfangsformation steht. Unbedeutend, wann und welche Änderungen im verlaufe der Partie durch die Bank vorgenommen werden. Tabu sind auch die Unparteiischen, ob diese subjektiv gesehen nun einen guten oder schlechten Job machen. Alle Themen, die nichts mit der aktiven, zuweilen noch verbesserungswürdigen Spielsteuerung oder dem im Defensivverbund gegen den Ball arbeiten zu tun haben, gehören ausgeblendet. Dazu zählen selbstverständlich auch Themen wie das über die Medien verbreitete mysteriöse, existenzgefährdende Finanzgebaren beim TBV Lemgo und die Diskussionen darüber. Auch den verpassten Chancen von Melsungen und Mannheim gilt es nicht mehr nachzutrauern.

Michael Müller und Tobias Reichmann sind ohne Blessuren von der deutschen Nationalmannschaft zurück, auch der grippale Alois Mraz und der leicht angeschlagene Kevin Schmidt sollten am Samstag zur Verfügung stehen. Stehen muss vor allem die 6:0-Grundformation in der Abwehr, damit erstens hinreichend Gegenstoßmöglichkeiten erarbeitet werden können und zweitens Trainer Wandschneider nicht zu früh zur geistig wie körperlich aufreibenden 3:3-Variante übergehen muss. "Wir müssen brennen und mit voller Leidenschaft spielen", sagt Wandschneider, für den die Partie wegweisenden Charakter hat. "Wenn wir gewinnen, können wir uns etwas Richtung Tabellenmittelfeld orientieren", sagt der 52-jährige Diplom-Sportlehrer und ergänzt: "Wir haben jetzt drei Heimspiele in Serie, da muss punktemäßig etwas rausspringen. Ganz klar."

Der gebürtige Hamburger hat sich intensiv mit dem TBV Lemgo 2012 beschäftigt. "Die erste Sieben ist noch immer sehr stark", macht Wandschneider die Klasse der Ostwestfalen nicht am personellen Aderlass der letzten zwei, drei Jahre fest. "Manchmal tut das auch gut und gibt den Leuten dahinter die Möglichkeit, aufzusteigen." Wandschneider hat vier der fünf bisherigen Lemgoer Partien vor Ort gesehen und nennt in diesem Zusammenhang Spieler wie Gunnar Dietrich, Finn Lemke und auch den Ex-Hüttenberger Timm Schneider, "die alle schon ihre Qualität haben".

TBV-Trainer Dirk Beuchler muss wegen einer langwierigen Schulterverletzung auf den Schweden Patrik Johansson verzichten. Spielmacher Martin Strobel hat nach einer Verletzungspause zwar "noch etwas Rückstand" (Wandschneider), hat vor zehn Tagen im 33:28-Heimspiel gegen den TV Großwallstadt aber schon wieder gute Ansätze (u.a. drei Treffer) gezeigt. Die bevorzugte 6:0-Abwehrformation wird zentral von Nationalspieler Sebastian Preis gesteuert und ist selbst bei Torerfolgen des Gegners unablässig auf die schnelle Mitte fokussiert.

"Es wird Zeit, dass wir auch auswärts etwas reißen", macht der Pohlheimer im Trikot des TBV Lemgo, Timm Schneider, im nebenstehenden Interview die Zielsetzung der Gäste für den Samstag deutlich. Der 24-Jährige ist in Abwehr und Angriff schnell zur Stammkraft aufgestiegen und bei den Lipperländern auch für die Siebenmeter verantwortlich.

Und inwieweit sich der skandalgeschüttelte Ex-Meister, der in diesen Tagen mit öffentlichen Sponsoren- und Fanveranstaltungen verlorenes Vertrauen zurückgewinnen möchte, auf dem Parkett von den Gerüchten um die ehemaligen Geschäftsführer Volker Zerbe und Fynn Holpert beeindruckten lässt oder nicht – auch das sollte am Samstagabend nicht das Thema der Wetzlarer sein.

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