So schaut die Theorie aus: Im Hygienekonzept des Hessischen Fußball-Verbands ist das Sportplatzgelände in drei Zonen unterteilt. So soll die sichere Rückkehr in den Spielbetrieb mit Zuschauern möglich werden. FOTO: ESA
+
So schaut die Theorie aus: Im Hygienekonzept des Hessischen Fußball-Verbands ist das Sportplatzgelände in drei Zonen unterteilt. So soll die sichere Rückkehr in den Spielbetrieb mit Zuschauern möglich werden. FOTO: ESA

Fußball

Drei Zonen, ein Knackpunkt und keine Eltern: Das müssen Wetterauer Fußballvereine beim Hygienekonzept alles beachten

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
    schließen

Es ist eine Menge Holz für die heimischen Vereine. Der Hessische Fußball-Verband hat das Hygienekonzept für die Rückkehr in den Spielbetrieb vorgestellt.

Frank Illing stellte direkt zu Beginn klar: "Wir müssen sehr strenge Regularien beachten und umsetzen. Was wir jetzt besprechen, ist keine böse Absicht und wird nicht jedem gefallen. Aber es ist die einzige Möglichkeit, zum Spielbetrieb zurückzukehren", sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung beim Hessischen Fußballverband. Die Regelungen, die er den hessischen Vereinen in dieser Woche in seinem 90-minütigen Webseminar "Sichere Rückkehr in den Spielbetrieb" näher brachte, seien schließlich Vorgaben des hessischen Ministeriums.

Es gibt durchaus einige Slalomstangen, die es in den kommenden Wochen auf den heimischen Fußballplätzen zu umdribbeln gilt. Die derzeitige Verordnung gilt zunächst bis 31. August, dürfte aber nach Ansicht von Illing noch bis Jahresende aufrecht erhalten werden. Wir haben uns im Webseminar dazu geschaltet und fassen die wichtigsten Punkte des Hygienekonzepts zusammen.

Die Bürokratie:Eine gute Nachricht vorneweg: das Hygienekonzept muss nicht genehmigt werden. "Der einfachste Weg ist es, dem Kreisfußballwart zu melden, dass das HFV-Musterkonzept genutzt wird", sagt Illing. Wichtig ist, dass Konzept am Sportgelände gut sichtbar auszuhängen. Wer ein vereinseigenes Konzept aufstellen will, muss dies ebenso dem KFA melden und muss vor jedem Heimspiel Gegner und Schiedsrichter rechtzeitig informieren. "Falls das nicht der Fall ist, werden Spiele ab dem 1. August nicht möglich sein", sagt Illing. Zudem sollten Vereine sich informieren, welche Regelungen für ihr Sportgelände gelten. "Mancherorts sind diese beispielsweise nur für zehn Spieler pro Spielhälfte freigegeben", sagt Illing

Symptome:Bei verdächtigen Symptomen darf der Sportplatz nicht betreten werden. Dazu zählen: Husten, Fieber (ab 38 Grad), Atemnot, sämtliche Erkältungssymptome. "Haben Spieler nachweislich eine herkömmliche Erkältung, können wir die Folgen für den Spielbetrieb derzeit noch nicht beantworten. Da wird es noch einiges zu klären geben", sagt Illing. Bei einem positiven Covid-19-Test gilt die behördlich festgelegte zweiwöchige Quarantäne - das gilt auch bei positiv getesteten Personen aus dem eigenen Haushalt.

Maximal 250 Personen

Trikots und Leibchen:Jeder Spieler muss ein eigenes Trainingsleibchen pro Farbe erhalten. Dieses darf auch nur der Spieler selbst tragen und muss es selbst waschen. Bei Trikots ist die Sachlage etwas anders. Diese dürfen im Satz gewaschen werden, allerdings bei 60 Grad. "Aus den Erfahrungen in der Sportschule Grünberg heraus sollten die Trikots das aushalten", bügelte Illing Bedenken über Qualitätsverlust ab. Allerdings dürfen die Trikots nur von einer Handschuhe tragenden Person zusammengepackt werden.

Frank Illing klärt die Vereine im Web-Seminar über das Hygienekonzept auf. FOTO: ESA

Der "Knackpunkt":"Jetzt kommen wir zum Knackpunkt", führte Illing in den Punkt Zuschauer ein. 250 Teilnehmer dürfen maximal auf die Anlage. Spieler, Schiedsrichter und Offizielle zählen dazu. Ab dem 251. Teilnehmer muss der Zutritt verwehrt werden. Allerdings gilt die Deckelung pro Match, was vor allem für Parallelspiele wichtig ist. In diesen Fällen muss aber darauf geachtet werden, dass sich die Teilnehmer nicht vermischen. Bei zwei aufeinanderfolgenden Spielen soll ein zeitlicher Puffer von 30 Minuten eingehalten werden, um jederzeit zu wissen, wie viele Personen auf dem Gelände zugegen sind. Bei Derbys, bei denen mit mehr als 250 Teilnehmern gerechnet wird, kann beim Ordnungsamt eine Genehmigung beantragt werden - allerdings nur unter Einreichung eines Konzepts. "Nach dem 31. August hoffen wir auf eine Erhöhung", sagt Illing.

Alle Zuschauer müssen ihre Daten hinterlassen, so wie es beispielsweise auch in der Gastronomie üblich ist. Die Daten müssen in einem abschließbaren Schrank einen Monat aufbewahrt, anschließend ordnungsmäßig vernichtet werden. "Dafür will der HFV noch ein Musterformular zur Verfügung stellen. Das ist derzeit noch beim HFV-Datenschutzbeauftragten in der Prüfung", sagt Illing. Den Vereinen empfiehlt er eine Registrierung über ein QR-Code-System oder Boxen, in die die Zuschauer die ausgefüllten Zettel werfen.

Wer auf dem Spielberichtsbogen aufgeführt ist, muss seine Daten nicht vor jedem Spiel aufschreiben. "Hier gehen wir davon aus, dass die Vereine die Daten haben", sagt Illing.

Zone 1:Quasi das Spielfeld, das ist nur den Aktiven vorbehalten. Vor dem Spiel muss das Aufwärmen in einem Bereich mit mindestens 1,50 Meter Abstand zu Zuschauern stattfinden. Da die Aufhebung der Kontaktbeschränkung nur für den Wettkampf gilt, müssen die Ersatzspieler entweder 1,50 Meter getrennt voneinander sitzen oder einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Auch zwischen der Ersatzbank, sofern diese offen ist, und den Zuschauern ist der Mindestabstand erforderlich. Übrigens: Wie auch in der Bundesliga wird auf das gemeinsame Einlaufen und das Shake-Hands verzichtet.

Zone 2:Der Kabinentrakt. Auch hier gilt: Abstand einhalten oder Mund-Nasen-Schutz tragen. Vor allem aber: "Möglichst wenig Zeit dort verbringen. Dort ist die Konzentration der Aerosole und somit die Gefahr einer Ansteckung am höchsten", sagt Illing. Lediglich zwei Mannschaften eines Vereins, die auch gemeinsam trainieren, dürfen am Spieltag dieselbe Kabine verwenden, allerdings nicht gleichzeitig. Die einfachste Lösung sei es, sich zu Hause umzuziehen, sagt Illing. Auch im Dusch- und Toilettenbereich soll auf den Mindestabstand geachtet werden. Hier empfiehlt IIlling: Jede zweite Dusche oder Toilette sperren. "Gibt es nur einen Duschraum für alle Parteien, muss vorher eine Reihenfolge festgelegt werden", sagt Illing.

Zone 3:Der Publikumsbereich. "Uneinsichtige Zuschauer können hier zum Problem werden", sagt Illing. "Jedem muss klar sein: Es ist ein Geschenk, dass wir wieder spielen dürfen. Da sollten sich auch Zuschauer an die Vorgaben halten." Neben den bereits bekannten separaten Ein- und Ausgängen ist das Abstandsgebot omnipräsent. Kassierer oder andere helfenden Hände, die anderen Personen zwangsläufig näher als 1,50 Meter kommen, müssen zu jeder Zeit einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Gruppen von zehn Personen dürfen beieinander stehen, müssen zwischen anderen Gruppen aber den Mindestabstand einhalten. "Markierungen sind hier die beste Lösung. Es sieht vielleicht aus wie in einem Hochsicherheitstrakt, aber das ist nun mal so", sagt Illing. Wenn beispielsweise zwischen Barriere und einem Zaun nur ein Abstand von 1,40 Meter ist, muss da Mund-Nasen-Schutz getragen werden oder der Bereich sollte gesperrt werden.

Unbequeme Gäste:Jeder Verein ist für "seine" Zuschauer verantwortlich. Bei Verstößen gegen das Hygienekonzept sollen die Vereine ihr Hausrecht durchsetzen und Quertreiber vom Gelände weisen - egal ob Spieler, Funktionär oder Besucher. "Kein Zuschauer hat die hundertprozentige Gewissheit, sich nicht auf dem Gelände anzustecken. Eine Ansteckung ist nur möglich, wenn man sich fahrlässig nicht an die Vorgaben hält", sagt Illing.

Besonderheit bei Vertragsspielern

Schiedsrichter:Eines stellt Illing mit Nachdruck klar: "Die Schiedsrichter sind nicht die Kontrollinstanz für die Umsetzung und Einhaltung der Hygienevorschriften." Sie dürfen höchstens den (Wieder-) Anpfiff verweigern, wenn sich unberechtigte Personen in Zone 1 befinden. "Der Schiri ist nur für die spieltechnisch korrekte Ausführung zuständig", sagt Illing. Nach Möglichkeit soll der Unparteiische den Spielbericht auf einem eigenem Endgerät oder zu Hause bearbeiten. Schiribeobachtern muss ein Zugang zu Zone 3 möglich gemacht werden. Schiri-Paten dürfen ihre Unterstützung nur im Freien geben.

Unter Vertrag:Ein Extra-Punkt beim Webseminar. Der Verein trägt für seine Vertragsspieler- und trainer als "Arbeitgeber" die "Verantwortung für die Umsetzung notwendiger Arbeitsschutz- und Infektionsmaßnahmen für seine Arbeitnehmer", heißt es im HFV-Papier. Vereine müssen demnach Mund-Nasen-Schutz bereitstellen und eine arbeitsmedizinische Vorsorge (Beratung zu Gefährdungen, Besprechung von Ängsten) anbieten.

Eltern bleiben draußen:Bei Juniorenspielen sollen Eltern nach Möglichkeit keinen Zutritt zum Kabinentrakt haben. Zwei Kleinfeldspiele auf einem Platz sind möglich, die Mittellinie darf aber nicht die gemeinsame Seitenlinie sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare