FSG Wettenberg als neuer Verein

"Jugendspielgemeinschaften sind Notgemeinschaften", heißt es in den Ausführungsbestimmungen zum entsprechenden Passus der Jugendordnung des Hessischen Fußball-Verbandes.

Auf Deutsch: Fehlen in der Mannschaft einer Altersstufe Spieler, dann besteht die Möglichkeit, sich mit anderen Vereinen, am besten aus der Nachbarschaft zusammenzutun, um den Kindern Spielmöglichkeiten zu erhalten. Das wird in den Fußballkreisen Mittelhessens hundertfach praktiziert und sichert den Spielbetrieb in den Jugendklassen. Was ist aber, wenn in einer Jugendspielgemeinschaft derartig erfolgreich gearbeitet wird, dass man nicht mehr von einer "Notgemeinschaft" im in der Vorschrift geforderten Sinne sprechen kann? Die Auflösung der Spielgemeinschaft wäre in letzter Konsequenz der vorgezeichnete Weg. Das wäre im Falle der vom TSVKrofdorf-Gleiberg, dem VfB Olympia Wißmar und dem TSV Launsbach getragenen JSG ein Rückschritt. Die gesunde Mischung dieser Gemeinschaft im Wettkampfsport war in Gefahr geraten. Zunächst einmal konnte auch mithilfe des damaligen Wettenberger Bürgermeisters Gerhard Schmidt eine Ausnahmeregelung für ein Jahr erreicht werden. Diese Zeit haben die Fußball-Verantwortlichen in den drei Wettenberger Ortsteilen genutzt und mit Gründung des Vereins Fußballspielgemeinschaft Wettenberg die "tönernen Füße" durch ein festes Fundament ersetzt. Somit können die Jugendteams weiter ordnungsgemäß am Spielbetrieb teilnehmen.

Die Fußballspielgemeinschaft Wettenberg, gegründet im Frühjahr dieses Jahres, ist keine "Notgemeinschaft" im HFV-Sinne mehr - diese war sie übrigens auch in den vergangenen Jahren nicht -, sondern besitzt durch die Vereinsgründung die Möglichkeit, den koordinierten Aufbau von Jugendmannnschaften in Wettenberg fortzusetzen. Das hätten die drei Vereine in einem Alleingang gar nicht schultern können, selbst wenn in dem einem oder anderen Jahrgang die notwendige Anzahl an Spielern zur Verfügung steht.

Wie Elmar Martin, der FSG-Vorsitzende berichtete, war ein "Hintergedanke" der Vereinsgründung der Leistungsgedanke, aber auch allen eine Spielmöglichkeit für alle zu bieten. Ziel ist es, in jeder Altersstufe eine Mannschaft zu stellen. Im B-Junioren-Bereich kooperieren die Wettenberger mit der JSG Biebertal, in anderen Altersstufen geht es ohne Partner aus der Nachbarschaft. Auch wenn der Leistungsgedanke eine gewisse Rolle spielt, so können die Spieler in ihrem sozialen Umfeld bleiben. Für talentierte Nachwuchsspieler aus den drei Wettenberger Ortsteilen soll die FSG erste Adresse bleiben bzw. werden. Aus diesem Grund möchte Martin, dass die Jugendtrainer über die entsprechende Qualifikation verfügen.

"Hier sind wir breit aufgestellt",berichtet Martin. Aktuell sucht die FSG aber noch einen qualifizierten Trainer für den B-Junioren-Bereich.

Elmar Martin, aber auch Max-Michael Elbert, der ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehört, betonen, dass die FSG "komplett" eigenständig ist, ein eigener Verein eben, allerdings nicht ohne Bezug zu den "großen" Fußball-Vereinen in den Wettenberger Ortsteilen. So ist, wie der Wißmarer Max-Michael Elbert berichtet, die Mitgliedschaft in der FSG nur über den Stammverein möglich.

Für die Kinder selbst ändert sich im Großen und Ganzen wenig bis nichts. Die Gründung der FSG als Verein verhinderte, dass gesunde Strukturen aufgebrochen worden wären, dass Spieler von "gewachsenen" Mannschaften getrennt worden wären. "Wie willst du das den Kindern erklären?" fragt Elmar Martin. Überhaupt nicht, die FSG wurde gegründet. Die Mannschaften konnten bestehen bleiben und - last, but not least - Freundschaften unter den Kindern auch aus den unterschiedlichen Wettenberger Ortsteilen wurden auf diese Weise aufrechterhalten. Ein Modell für die Zukunft. Die Handballer in der Gemeinde Wettenberg machen es vor. Die HSG Wettenberg ist ein gesunde Einrichtung, in der auch im Jugendbereich leistungsorientiert gearbeitet wird, dabei wird aber allen interessierten Kindern die Möglichkeit geboten, sich sportlich zu betätigen.

Das bietet die FSG Wettenberg jungen Fußballern nun auch an. Möglicherweise setzt die FSG damit ein Zeichen für die Zukunft, denn irgendwann werden angesichts der demografischen Entwicklung weitere Vereine Schwierigkeiten bekommen, den Spielbetrieb im Aktivenbereich aufrechtzuerhalten. Derzeit funktioniert es beim VfB Wißmar und dem TSV Krofdorf-Gleiberg aber ganz passabel. Beide Mannschaften spielen in der Kreisliga A um Punkte; lediglich der TSV Launsbach nimmt seit geraumer Zeit nicht mehr mit einer Mannschaft am Spielbetrieb der Aktiven im Kreis teil.

Während die "älteren" Fußballer in Wißmar oder Krofdorf-Gleiberg noch immer von den Derbys ihrer Mannschaften gegeneinander schwärmen, ist den Jugendlichen dieses Denken fremd. Die Wißmarer und Krofdorfer, aber auch die Launbacher spielen zusammen Fußball, nicht gegeneinander und gehen ab einem gewissen Alter gemeinsam zu derselben Schule. Der Blick über den eigenen Tellerrand ist zwangsläufig erfolgt. Und mit der Vereinsgründung wurde der notwendige Weitblick dokumentiert.

Bei der Gründung der FSG war man sich bei allen Beteiligten darüber einig, dass dieser Schritt notwendig ist. Dann aber stellte sich die Frage: "Wer macht was?", berichtete Elmar Martin. Doch auch diese Fragen wurden schnell beantwortet, und seit mehreren Monaten sind die Ämter in der FSG besetzt.

Immer wieder war im Jugendbereich vom "Modell Sammer" die Rede. Auf Initiative des DFB-Sportdirektors wurden die Mannschaftsgrößen verringert. Die Verantwortlichen im Deutschen Fußball-Bund versprechen sich davon, dass die einzelnen Spieler wesentlich mehr Ballkontakte haben und damit "spielend" ballsicher werden. Soweit die Vorstellungen der DFB-Verantwortlichen. Elmar Martin steht dieser Einschätzung skeptisch gegenüber. "Die spieltaktische Ausbildung ist bei der D 11-Jugend (also auf dem Großfeld) auf jeden Fall besser." Das "Modell Sammer" stand also nicht Pate bei der Vereinsgründung und spielte in den Überlegungen der FSG-Verantwortlichen keine Rolle. Die Vereinsgründung zielte in erster Linie darauf ab, gesunde Strukturen im sportlichen und sozialen Bereich abzusichern.

Diese sollen sich nicht im Paragrafendschungel des Hessischen Fußball-Verbandes verheddern. "Es geht um die Kinder", stellte Elmar Martin fest. Rund 180 Nachwuchsfußballer gehören der FSG Wettenberg an. Und diesen fühlen sich die Verantwortlichen der FSG verpflichtet und wollen ihnen eben nicht nur die Möglichkeit bieten, Fußball zu spielen, sondern auch gut ausgebildet zu werden. Sportliche Erfolge sind also nicht auszuschließen. Die "neue" FSG versteht sich wahrlich nicht als Notgemeinschaft, - das war die "alte" FSG auch nicht -, sondern als Verein, der den heutigen Erfordernissen Rechnung getragen hat. Harold Sekatsch

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