Achim Wricke mit "Coruna"-Trikot und Laufnummer. Er hofft auf eine große Teilnahme. FOTO: RGE

"Wenn nicht gemeinsam, dann alleine laufen"

(rge). Der Pohlheimer Unternehmer Achim Wricke war noch nie einer, der den Kopf in den Sand gesteckt hat, wenn Herausforderungen anstanden. Das war im Sport so - und auch in seiner unternehmerischen Tätigkeit. Was allerdings seit Mitte März über ihn und sein Reise- und Intensivreiseunternehmen hereingebrochen ist, hat er so noch niemals erlebt. Unter dem Namen interAir bietet es speziell im Marathon-Bereich Reisen zu großen Sportevents rund um den Globus an. Die Marathons wie in Tokio, London, Boston und Berlin sind bis in den September allerdings aufgrund der Pandemie allesamt gestrichen. Ansonsten ziehen die Läufe regelmäßig Zehntausende von Läufern aus aller Welt an.

Besondere Marathon-Qualitäten benötigt er allerdings in diesen Corona-Zeiten mit seinen sechs Mitarbeitern, denn es gilt, die Zukunft des Unternehmens zu sichern und dabei besonders den Kontakt zu seinen Kunden, den Sportlern, zu halten. Er und sein Team waren und sind dabei kreativ. Wenn man schon nicht gemeinsam laufend die Welt erleben kann, dann mit einem virtuellen "Coruna"-Run jeder für sich alleine in seiner Heimatregion, dachten sie sich, um die Zeit bis zu den nächst möglichen Marathons auf internationaler Basis zu überbrücken. Gesagt getan: Langjährige, treue Partner sagten ihre Unterstützung zu darunter auch prominente Marathon-Spezialisten. Start ist am 21. Juni.

Als im März die Pandemie mit dem "Shutdown" in das Leben der Menschen in voller Härte der Welt hereinbrach, war Wrickes Unternehmen gerade in den Vorbereitungen für die Reisesaison. Die Buchungszahlen sahen sehr gut aus. Dann saßen von einem auf den anderen Tag Kunden auf Mallorca aufgrund der Ausgangssperre in dem dortigen Läufer-Camp fest. In diesen Tagen sollte auch der New-York-Halb-Marathon stattfinden, ebenfalls mit zahlreichen deutschen Sportlern über seine Organisation. Er war in New York selbst vor Ort, als sich die Ereignisse überschlugen. Dank eines guten Netzwerkes kamen alle nach Hause. Finanziell wurde ebenfalls alles geregelt.

Eine ähnliche Zäsur hatte er schon einmal vor fast 20 Jahren erlebt. "Nine Eleven", der 9. September 2001 mit dem Terroranschlag auf die Türme des World Trade Centers in New York, war so ein Tag, in dem der internationale Luftverkehr stoppte und danach die Reisebranche ihre bis dato schwerste Krise erlebte, erinnert er sich. Viele Veranstalter verschwanden in den folgenden Monaten vom Markt. Damals noch als junger Mitarbeiter in dem Vorgängerunternehmen, übernahm Wricke ein Jahr später das heute unter dem Namen interAir bekannte Unternehmen und zog im Januar 2002 aus Frankfurt mit seinem Firmensitz in seine mittelhessische Heimatgemeinde Pohlheim.

"Der ›Coruna‹-Run soll die Lauf-Szene zusammenbringen und die Zeit des Wartens auf den nächstmöglichen Marathon verkürzen helfen", unterstreicht er. In den Distanzen von 5, 10 bis hin zur Marathonstrecke kann jeder am 21. Juni seine Strecke laufen und seine Zeit stoppen. "Es geht um den Spaß am Laufen", betont der 49-jährige Organisator aus Pohlheim. Wer dabei ist, kann zudem etwas gewinnen. Es wartet u. a. eine Marathon-Reise auf einen Gewinner. Mit der Teilnahmegebühr in Höhe von 15 Euro erhält man eine Startnummer und ein Armband als interAir-Supporter.

Aktuell hofft Wricke, dass es spätestens im Herbst wieder mit internationalen Marathons für seine über ihn gebuchten Läufer losgehen kann. Ab Oktober stehen dann unter anderem die Marathons in London, Paris, Chicago, New York und auf Hawaii auf dem Terminplan. Bisher wurde keiner von ihnen abgesagt.

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