+
Prof. Dr. Walker

Warum Draxlers Debüt nicht rechtens war

JLU-Professor Dr. Wolf-Dietrich Walker referiert in Gießen über strittige Fälle im Sport- und Arbeitsrecht.

Folgt man dem Gesetz, hätte Julian Draxler, der Mann, der nun bei der Fußball-Europameisterschaft für Aufsehen sorgt, bei seinem Debüt im Profifußball nicht auf dem Platz stehen dürfen. Der damals 17-Jährige fiel zum Zeitpunkt seines ersten Auftritts im Viertelfinale des DFB-Pokals 2011 unter das Jugendarbeitsschutzgesetz. Um Themen wie diese ging es am Donnerstag, als Professor Doktor Wolf-Dietrich Walker einen Einblick in das Sportrecht gab. Der Experte für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Zivilprozessrecht hielt einen Vortrag im Hörsaal der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Für die Einwechslung von Draxler hätte sein damaliger Trainer Felix Magath streng genommen ein Bußgeld zahlen müssen. Magath beging damit eine Ordnungswidrigkeit. Nun stellt sich die Frage, warum es Ausnahmeregelungen für Theater- und Musikaufführungen gibt, das Jugendarbeitsschutzgesetz den Rahmenbedingungen des professionellen Sports dagegen keineswegs gerecht wird? Ein weiterer Fall, der von Prof. Dr. Walker angesprochen wurde, war der vom früheren Mainzer Torhüter Heinz Müller.

"Er wehrte sich gegen die Beendigung seines Arbeitsverhältnisses durch Fristablauf und hatte mit seiner Entfristungsklage vor dem Arbeitsgericht Mainz Erfolg. Auf die Berufung des FSV Mainz 05 hin hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz das Urteil abgeändert und die Klage abgewiesen", erklärte Walker. Im Umkehrschluss hätte das für die Vereine bedeutet, dass Verträge lediglich unbefristet aufgesetzt werden können. Das würde wiederum bedeuten, dass die TV-Experten Oliver Kahn und Mehmet Scholl immer noch im Aufgebot der Bayern stünden. "Wenn die Befristung bei Arbeitsverträgen im Berufsfußball nicht mehr zulässig sein würde, dann würde der Profifußball so wie wir ihn kennen nicht mehr funktionieren", resümierte Prof. Dr. Walker.

Die Vereine hätten keine Möglichkeit mehr mit Transfers Geld zu generieren und Gewinne zu erzielen. Könnte ein Akteur nur noch auf eigenen Wunsch aus einem unbefristeten Vertrag herauskommen, wäre er ablösefrei. Hätte das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz nicht das erste Urteil gekippt, wäre ein Rattenschwanz an Folgen für den Fußball die Konsequenz gewesen. Aus diesem Grund atmeteten die Profivereine nach dem Urteil auch erleichtert auf.

Nach einer positiven Entwicklung sah es zunächst bei der dritten Thematik aus, die Prof. Dr. Walker in Gießen ansprach. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte sich mit Spitzen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zusammengesetzt, um eine Lösung für die Frage zu finden: Gilt der Mindestlohn von 8,50 Euro auch für Vertragsamateure? Die Befürchtungen der kleineren Klubs waren groß – würden Vertragsamateure tatsächlich unter den Mindestlohn fallen, wären die Kosten kaum zu stemmen.

Für eine lange Auswärtspartie hätten Vereine tief in die Tasche greifen müssen, um ihre Spieler zu bezahlen. Nahles beschwichtigte die Ängste der Clubs mit der Aussage: "In diesen Fällen steht nicht die finanzielle Gegenleistung, sondern der Spaß an der Sache im Vordergrund. Deshalb können wir hier nicht von einem klassischen Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sprechen". Die Vereine wiegen sich in Sicherheit, jedoch sei diese trügerisch. "Welche rechtliche Bedeutung hat diese Aussage? Keine. Es ist lediglich eine persönliche Meinung, um Ruhe an der Front zu schaffen", meint Prof. Dr. Walker.

Das Thema sei für Walker folglich noch nicht beendet. Bei all der Komplexität sieht der Jura-Professor ein eigenes Sportarbeitsrecht als unrealistisch an. Was der Jurist jedoch fordert, ist ein arbeitsrechtlicher Maßanzug für den Profisport. (cme)

Kommentare