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FC Gießen

Warum das Budget des FC Gießen gekürzt wird

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Die Budgetkürzung für die erste Mannschaft von Fußball-Hessenligist FC Gießen wirft viele Fragen auf. Hinter der Entscheidung stehen aber keine finanziellen Probleme, sondern langfristige Planung.

Der FC Gießen fährt sein sportliches Budget für die kommende Fußball-Saison geringfügig zurück. Die Verantwortlichen des Hessenligisten wollen die zuletzt in die Höhe geschossenen Gehaltskosten kontrolliert eindämmen, um langfristig solide planen zu können. "Wir müssen uns zukunftsorientiert aufstellen und nicht von Saison zu Saison denken", sagt FC-Abteilungsleiter Andreas Heller.

Fragen, warum der FC Gießen sein Budget für die erste Mannschaft in der kommenden Saison reduziert, kamen gestern auf, nachdem FC-Trainer Daniyel Cimen dieser Zeitung gegenüber bestätigte: "Das Budget für die nächste Saison hat mich schon überrascht. Es ist wirklich weniger."

FC Gießen: Gesamtetat von 1,8 Millionen Euro bleibt

Ungewöhnlich kommt die Kürzung für die Hessenliga-Mannschaft im ersten Moment daher, da der FC Gießen dank dem Zuschauerschnitt von 2000 Besuchern pro Heimspiel und steigender Sponsorenzahl im Aufwind ist – und davor steht, in die Regionalliga Südwest aufzusteigen.

Dieser Zeitung liegen die Gründe für die sportliche Budgetkürzung vor. In dieser Saison weist das fußballerische Aushängeschild der Stadt einen Gesamtetat von 1,8 Millionen Euro auf. Darin enthalten sind nicht nur die Beträge für die erste Mannschaft, sondern auch die für die zweite, der Jugend und die Investitionen in das Waldstadion. Mit diesem Gesamtbetrag plant der FC Gießen auch in der kommenden Spielzeit.

Wir müssen gut überlegte Prioritäten setzen, damit wir im Sommer eventuell Regionalliga-Fußball im Waldstadion präsentieren können

Andreas Heller, Abteilungsleiter

Allerdings reduziert sich der Betrag, der lediglich in die erste Mannschaft fließt, um rund 100 000 Euro. Etwas über eine Million Euro beträgt dieser Etat nach aktueller Planung für die nächste Saison. Das liegt daran, dass die Verantwortlichen erkannt haben, dass der Etat für die Hessenliga zu hoch war – Altlasten durch Dreijahresverträge aus der Regionalligazeit (2015/16) ließen das Budget in die Höhe schnellen. Der Verein ist gewillt, solide und langfristig zu planen, reduziert den Etat für die erste Mannschaft deshalb nun etwas. "Wir sehen das große Ganze und nicht nur die erste Mannschaft", erklärt Heller.

"Sollten wir in die Regionalliga aufsteigen, lassen die Auflagen es momentan nicht zu, im Waldstadion zu spielen. Wir müssen gut überlegte Prioritäten setzen, damit wir im Sommer dann eventuell Regionalliga-Fußball im Waldstadion präsentieren können." In naher Zukunft soll also etwas mehr von den 1,8 Millionen Gesamtbudget ins Waldstadion fließen.

FC Gießen: Verlagerung der Gelder, mehr Fokus auf Waldstadion

Im Grunde kann also nicht von einer Budgetkürzung, sondern nur von einer Verlagerung der Gelder gesprochen werden. Der Tenor im FC-Führungsgremium: Kurzfristig auf finanzielles Risiko verzichten, um langfristig planen zu können. Sollten allerdings weiterhin neue, zahlungskräftige Sponsoren hinzukommen, könnte sich das Budget für die erste Mannschaft noch steigern, versichert Geschäftsführer Jörg Fischer.

Man sollte drei, vier Hochkaräter holen

Michael Fink

Brisant ist das Thema vor allem auch deshalb, weil Mittelfeldstratege und Strippenzieher im Hintergrund, Michael Fink, diese Woche seine Ambitionen erklärte: "In der Regionalliga sollte nicht Schluss sein. Ich muss sehen, dass der Verein gewillt ist, eine Mannschaft zusammenzustellen, mit der man sagen kann: Wir kämpfen nicht Woche für Woche ums Überleben, sondern können uns im Mittelfeld der Regionalliga platzieren. Man sollte drei, vier Hochkaräter holen." (Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Michael Fink)

Mit dem aktuell anvisierten Etat für die kommende Spielzeit dürfte sich Gießen garantiert in der unteren Hälfte, eher im unteren Drittel der Regionalliga bewegen.

Wir akzeptieren das Budget und sind zuversichtlich, eine schlagkräftige Truppe für die Regionalliga zusammenstellen zu können

Trainer Daniyel Cimen

Mit einem Budget über einer Million Euro lässt sich aber zweifellos arbeiten, sagt auch Trainer Cimen, der den Kader mit Fink zusammenstellen kann: "Wir akzeptieren das Budget und sind zuversichtlich, eine schlagkräftige Truppe für die Regionalliga zusammenstellen zu können." Allerdings verweist der 34-jährige Trainer auch darauf, dass es unter diesen Umständen laut seiner Sicht damit "nur um den Klassenerhalt in der Regionalliga gehen kann".

Die 3. Liga sei für Gießen momentan so weit entfernt "wie die Erde vom Mond", sagte Fischer. Der volle Fokus soll nun dem Regionalliga-Aufstieg gelten – zudem steht der FC im Halbfinale des Hessenpokals und hat realistische Chancen, kommende Saison am DFB-Pokal teilzunehmen.

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