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RSV Lahn-Dill vor dem Start in die Rollstuhlbasketball-Bundesliga-Saison 2021/22 (hintere Reihe, v. l.): Larissa Klaas (Teambetreuerin), Janet Zeltinger (Cheftrainerin), Petra Michel-Leutheuser (Teamärztin), Holger Wagner (Techniker); mittlere Reihe (v. l.): Simon Brown, Brian Bell, Mark Beissert, Daminik Mosler, Quinten Zantinge; vordere Reihe (v. l.): Catharina Weiß, Thomas Böhme, Peyman Mizan, Jannik Blair, Günther Mayer (Co-Trainer). Es fehlen Reo Fujimoto und Hiroaki Kozai.

RSV Lahn-Dill

Vorfreude auf Fan-Rückkehr beim RSV Lahn-Dill

  • VonAndreas Joneck
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Der RSV Lahn-Dill steht kurz vor dem Start in die RBBL-Saison 2021/2022, die am Samstag mit einer Dienstreise zum BBC Münsterland ihre Premiere feiert.

(aj). Mit dabei sind gleich vier namhafte Neuzugänge, mit dem Wetzlarer Traditionsunternehmen Buderus ein neuer Hauptsponsor und vor allem wieder die enthusiastischen Fans der Mittelhessen. Entsprechend groß ist die Vorfreude der Wetzlarer Rollis vor allem auf die Heimpremiere am 2. Oktober um 19:30 Uhr in der Rittal Arena gegen Neuling RBC Köln 99ers.

Vor dem deutschen Rekordmeister liegt eine Saison, die nach Monaten der Pandemie wieder ein wichtiger Schritt zurück zur Normalität sein soll. Sportlich liegt der Fokus für das Trainergespann mit Cheftrainerin Janet Zeltinger und »Co« Günther Mayer auf dem Meisterschaftsrennen in der RBBL und der Champions- League-Titelverteidigung.

Vier Neuzugänge

Auf gleich vier Neuzugänge, allesamt namhaft und mit sportlich großen Ambitionen, dürfen sich die von Behördenseite wieder zugelassenen Fans freuen. Die beiden bekanntesten Gesichter sind dabei die beiden japanischen Silbermedaillengewinner von Tokio, Hiroaki Kozai und Reo Fujimoto, aber auch der Australier Jannik Blair und der Niederländer Quinten Zantinge sind alles andere als unbekannte Größen in der Szene.

Als großes Talent gilt der erst 21-jährige Quinten Zantinge, der bereits mit dem SC DeVeDo Ermelo zweimal die niederländische Meisterschaft feiern durfte. 2017 wechselte der Niederländer nach Deutschland in die 2. Bundesliga zum RSC Osnabrück und ein Jahr später zu dessen Ligakonkurrent aus Rahden. Mit den Ostwestfalen schaffte er den Aufstieg in Oberhaus und schenkte dort den Mittelhessen bereits in seinem ersten Spiel gegen den RSV Lahn-Dill im Oktober 2019 unbekümmert 24 Punkte ein.

Der Australier Jannik Blair, der auch die dänische Staatsbürgerschaft besitzt, gilt dagegen bereits als der aktuell stärkste Lowpointer weltweit und darf als absoluter Big Point auf dem Transfermarkt gewertet werden. Der 29-Jährige startete seine Karriere bei den Dandenong Rangers aus Melbourne und bestritt seine internationale Premiere bei der U23-WM 2009 in Paris. Bereits 2012 gewann er in London paralympisches Silber. Nur zwei Jahre später folgte dann im südkoreanischen Incheon die Krönung mit dem WM-Titel, ehe 2018 in Hamburg eine weitere WM-Bronzemedaille hinzukam. Mit dem baskischen Erstligisten Bidaideak Bilbao gewann Jannik zuletzt 2019 die EuroLeague und in diesem Frühjahr den spanischen Meistertitel.

Neu zum Team stößt auch der japanische Nationalspieler Reo Fujimoto, der bereits für die BG Baskets Hamburg aktiv war. Fujimoto ist in Shizuoka am Fuße des Mount Fuji geboren, wechselte aber bereits früh zu den Miyagi Max aus der Präfektur Sendai, mit denen er bisher elf nationale Meisterschaften in Japan feiern konnte. Der größte Erfolg seiner Laufbahn liegt aber erst wenige Tage zurück, denn in Tokio gewann er zusammen mit seinem Landsmann Hiroaki Kozai Silber bei Paralympics. Publikumsliebling Kozai trug bereits von 2017 bis 2019 das RSV-Trikot, ehe es ihn zur Vorbereitung auf die Spiele in Tokio zurück ins Land der aufgehenden Sonne zog. Seit 2005, einem Jahr nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der Junioren-WM im britischen Manchester, trägt der pfeilschnelle Japaner das Trikot der A-Nationalmannschaft seines Landes, mit der er an insgesamt vier Paralympischen Spielen teilnahm und dies nun mit der Silbermedaille krönte.

Hauptsponsoring

Neuzugang Nummer fünf ist dem deutschen Rekordmeister dagegen im wirtschaftlichen Bereich gelungen, denn künftig trägt der RSV das Logo des Wetzlarer Traditionsunternehmen Buderus auf seiner Brust - und dies gemeinsam mit der HSG Wetzlar, dem zweiten Erstligisten aus der Domstadt. Dieser Abschluss ist ein Meilenstein im deutschen Spitzensport und für den RSV Lahn-Dill. Die Bündelung der Kräfte zweier olympischen und paralympischen Profiklubs sowie eines weltweit operierenden Unternehmens an einem gemeinsamen Standort, spiegelt Leistungsfähigkeit und gesellschaftliche Verantwortung ebenso wider wie Markenwahrnehmung und Potenzial dieses Konzeptes.

Ziele 2021/2022

Die Ziele des RSV Lahn-Dill lassen sich nicht alleine auf sportliche Faktoren begrenzen. Die Rückkehr der Zuschauer, die in der neuen Saison erstmals Heimspiele ihres RSV in der Wetzlarer Rittal Arena erleben werden, ist weiterhin eine zwar schöne, aber nach wie vor wirtschaftliche und logistische Herausforderung. Der wichtigste Schritt zur Rückkehr der Normalität ist zwar formal getan, doch bis zu einer Situation wie zu Zeiten vor Corona noch ein langer Weg, der vor allem bei den Verantwortlichen noch einen langen Atem benötigt.

Sportlich ist die Situation dagegen durchaus einfacher zu skizzieren. Der RSV Lahn-Dill und sein Trainerteam besitzen einen hoch motivierten und sehr variablen Kader, der sich zwar zunächst finden muss, aber Potenzial hat, 2021/2022 ein weiteres Kapitel der RSV-Erfolgsgeschichte zu schreiben. Dabei darf jedoch niemand erwarten, dass bereits in den ersten Saisonspielen alle Rädchen perfekt ineinandergreifen. Hintergrund sind hier vor allem die verschobenen Paralympics, für die die Wetzlarer Rollis gleich sechs Akteure abstellten. Nach einem langen und intensiven Sommer hatten diese Akteure nur wenige Tage, um sich von ihren Nationalteams auf den Ligabetrieb umzustellen, ehe ab Ende November die EM erneut die Vereinsarbeit unterbricht. Für die Wetzlarer Rollis, deren Spieler in Tokio einmal Gold und zweimal Silber gewannen, ist dies einerseits eine große Ehre, auf der anderen Seite aber auch eine Hypothek, die große Teile der Konkurrenz nicht in diesem Ausmaß zu stemmen hat.

Die Konkurrenz

Auch die RBBL hat sich in den vergangenen Monaten verändert, ihr Gesicht gewandelt. Die Iguanas aus München und Baskets 96 aus Rahden haben sich von der Bühne der ersten Bundesliga verabschiedet. Dafür ist nach den ING Skywheelers aus Frankfurt in der Vorsaison nun mit den Köln 99ers ein weiterer Traditionsverein zurück auf dem RBBL-Parkett. Am Rhein hat sich Coach Mathew Foden dazu die Dienste von zwei gestandenen Bundesligaspielern gesichert. Center Joe Bestwick, einst in Köln Bundesliga-Topscorer, danach in Wetzlar und Hannover erfolgreich, gehört ebenso zu den Leistungsträgern des Rückkehrers, wie der aus Wiesbaden rheinabwärts gewanderte US-Amerikaner Ryan Wright.

Entsprechend sind die Abstiegskandidaten 2021/2022 nur schwer auszumachen, es ist eher von einem breiten und ausgeglichenen besetzten Mittelfeld auszugehen, in das auch die Teams aus Münsterland und Frankfurt aufrücken wollen. Ob sich die langjährigen Erstligisten Dolphins Trier, BG Baskets Hamburg oder die Rhine River Rhinos aus der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden von diesem zu erwartenden Mittelfeld nach oben absetzen können, bleibt eine der spannenden Fragen der neuen Spielzeit.

Beim Blick auf die letztjährigen Top-drei-Teams steht das größte Fragezeichen wohl hinter der Frage, ob es Hannover United erneut möglich sein wird, am Nimbus des erneut erwarteten Spitzenduo aus Elxleben und Wetzlar zu kratzen. Die Lücke, die die Abgänge Joe Bestwick und Matthias Güntner auf der Centerposition bei den Niedersachsen hinterlassen, ist groß. Diese zu schließen soll dabei mit Jan Gans ein in Mittelhessen bekanntes Gesicht helfen.

Bleiben noch die Thuringia Bulls, der große Rivale des RSV Lahn-Dill in den letzten Jahren. In Thüringen hat man sich vom US-Amerikaner Ian Pierson und der Britin Helen Freeman verabschiedet und zwei Rückkehrer verpflichtet. Dylan Fischbach, US-Nachwuchscenter, und der Schwede Joakim Linden tragen künftig wieder das Trikot der Bulls. Hinzu kommt mit Jordi Ruiz ein ebenso routinierter wie offensivstarker Akteur, der jedem Team in der Bundesliga gut zu Gesicht stehen würde. Der Spanier kommt wie RSV-Neuzugang Jannik Blair vom spanischen Meister Bilbao.

(aj). Die Hauptrunde in der RBBL ist in diesem Jahr erstmals in der Geschichte in zwei große zeitliche Blöcke unterteilt. Hintergrund sind die Europameisterschaften 2021, die aufgrund der verschobenen Paralympischen Spiele von Tokio ebenfalls verlegt werden mussten und nun im Dezember in der spanischen Hauptstadt Madrid stattfinden werden. Entsprechend eng ist das Programm der Bundesligisten gestrickt, die bis zum 21. November die komplette Hinrunde absolvieren, ehe inklusive der Weihnachtspause eine siebenwöchige Unterbrechung folgt. Im neuen Jahr geht es dann in die Rückrunde sowie im Anschluss in die entscheidenden Playoffs um den Titel 2022.

Aufgrund dieser Unterbrechung wird auch der DRS-Pokal im zweiten Jahr in Folge ausgesetzt, da die beteiligten Klubs und der Verband keinerlei terminliche Chance sahen, den Pokalwettbewerb im Terminkalender unterzubringen.

2020 noch Kontrahenten in der RBBL, links Reo Fujimoto, rechts Hiroaki Kozai, die nun beide für den RSV Lahn-Dill spielen.

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