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Haben das Ziel vor Augen: Gino Parson und seine Teutonen können am Samstag den Aufstieg in die Regionalliga Südwest schaffen. (ras)

"Von Anfang an war eine Vision da"

Am Samstag können die Teutonen aus Watzenborn-Steinberg mit dem Aufstieg in die Fußball-Regionalliga Südwest etwas Historisches schaffen. Wir haben heimische Fußballer gefragt, was ihnen an der bisherigen Saison imponiert und welche Chancen und Gefahren sie sehen.

Simpler könnte die Rechnung kaum sein: Ein Heimsieg bis zum ganz großen Wurf. Mit einem Punkt Vorsprung vor dem Zweiten Rot-Weiss Frankfurt gehen die Grün-Weißen aus Pohlheim in das letzte Saisonspiel am Samstag (15 Uhr, An der Neumühle, gegen den KSV Baunatal). Der damit verbundene mögliche Aufstieg in die Regionalliga Südwest wäre für die Region etwas bis dato Einmaliges. Vor dem Highlight reflektieren heimische Fußballgrößen wie Henry Mohr oder Harald Gärtner die Saison und die Lage der Teutonen.

Henry Mohr, Gießens Kreisfußballwart: "In Watzenborn-Steinberg war von Anfang an eine Vision da – deswegen gehen die Leute auch hin. Und diese Vision wurde bislang umgesetzt – das imponiert mir, da stehe ich voll dahinter. Man kann sagen: Am Samstag steigt das wichtigste Spiel der Vereinsgeschichte für den SC Teutonia Watzenborn-Steinberg. Da muss der halbe Fußballkreis Gießen hinfahren. Die Region muss sagen: Wir feuern euch an, wir schaffen das! Ein Großteil der Spieler kommt ja auch von hier. Das wird anerkannt, die Spiele sind ansehnlich. Es wäre auch dann eine außergewöhnliche Saison, wenn sie in die Relegation müssen. Denn man darf nicht vergessen, dass sie ein Aufsteiger sind.

Aber ich glaube fest daran, dass es die Teutonia direkt schafft. Es würde Türen für Partnersponsoren öffnen – an die Tür hätte vor drei Jahren noch keiner gedacht. Momentan ist es im Gießener Raum so, dass viele Sponsoren zum Basketball laufen. Manche würden aber auch gerne den Fußball mehr unterstützen. Mit der Regionalliga, die auch mal im Fernsehen übertragen wird und reizvolle Gegner bietet, wäre das attraktiver. Dann müssen Partnerschaften geknüpft werden."

Harald Gärtner, kommt aus Heuchelheim und arbeitet mittlerweile als Geschäftsführer bei Bundesligist FC Ingolstadt: "Ein Aufstieg kann nur ein Gewinn für die gesamte Region sein. Wenn Watzenborn-Steinberg es schafft, sollten sie nichts Verrücktes machen und die Mannschaft gezielt verstärken. Ein Team steigt schließlich nicht umsonst auf. Ich denke, wir in Ingolstadt haben in dieser Bundesliga-Saison gezeigt, was mit einem starken Kollektiv möglich ist. Wichtig ist immer: Welches Potenzial habe ich in einer Mannschaft? Es mag sein, dass bei diesem Projekt vieles von Geschäftsführer Jörg Fischer abhängt. Aber es gibt immer eine Person, die vorneweg geht. Dann müssen die anderen sich eben anschließen.

Es geht dann auch darum, sich breiter aufzustellen – und bodenständig zu bleiben. Die Region muss sich im Klaren darüber sein, was sie will. Ich habe schon einmal gesagt, dass die Gießener Gegend das Potenzial für die 3. Liga hat. Dafür müssen aber viele Rädchen ineinandergreifen, man muss zusammenarbeiten. Von einem Aufstieg in die Regionalliga würden auch andere Vereine profitieren – du ziehst Spieler an, die den Sprung vielleicht nicht schaffen, aber in der Region bleiben. Nach unserer Fusion in Ingolstadt und dem Weg in die Bundesliga gibt es mittlerweile drei Vereine in unserer Region, die so hoch spielen wie nie zuvor. Das geht auch in Gießen. Deswegen sage ich: Was die Teutonia macht, ist super. Ich drücke für das Wochenende fest die Daumen."

Dragan Sicaja, Trainer von Eintracht Stadtallendorf, einem zwischenzeitlichen Konkurrenten der Teutonen im Aufstiegskampf der Hessenliga: "Diese Mannschaft aus Watzenborn-Steinberg hat etwas, was andere Teams nicht haben. Sie ist eine der effektivsten der Liga, hat viel Erfahrung und arbeitet gut gegen den Ball. Wer vor dem letzten Spieltag vorne steht, hat es auch verdient, aufzusteigen.

Das muss man anerkennen. Deswegen werde ich sie auch anrufen und gratulieren, wenn sie es schaffen sollten. Sie haben so viel Erfahrung, dass sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Aber trotzdem müssen sie das Spiel gegen Baunatal erst mal gewinnen. Über die ganze Saison gesehen war die Teutonia defensiv am stabilsten. Rot-Weiss hat für mich in der Offensive die höchste Qualität. Aber Watzenborn-Steinberg hat selten Gegentore gefressen, war bislang konstant. Und in der Regel gewinnt die Defensive eben auch Meisterschaften. Wir in Stadtallendorf hätten die Möglichkeit, aufzusteigen, auch wahrgenommen. Warum spielt man denn sonst auch Fußball? Wenn sie das zweimal hintereinander schaffen, wäre das überragend."

Michael Becker, Vorstand Sport vom FSV Fernwald: "Die Verantwortlichen in Watzenborn-Steinberg haben die Chance unseres damaligen Hessenliga-Rückzugs genutzt und quasi die Hälfte der Truppe übernommen. Eine eingespielte Mannschaft wurde sinnvoll ausgebaut. Grundsätzlich freue ich mich über diese Entwicklung und drücke für das letzte Saisonspiel am Samstag die Daumen. Es sind tolle Menschen am Werk, die hervorragende Arbeit leisten.

Allerdings sehe ich auch einige Fragezeichen: Kann Watzenborn-Steinberg das stemmen? In der Regionalliga würden viele neue Herausforderungen kommen, vor allem infrastrukturell. Das in Wetzlar, in einem fremden Stadion, zu stemmen, ist ein Wahnsinns-Ding. Aber interessant ist es, für jeden Klub ist so etwas eine Geschichte. Hier ist ein Loch in Mittelhessen – wenn die Teutonia das mit einem Sieg am Samstag füllen könnte, würde ich mich darüber freuen."

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