Vier Orte – eine Spielgemeinschaft

Vier Orte, eine Fußball-Spielgemeinschaft – und das Ziel heißt Aufstieg. Die FSG Biebertal ist im Sportkreis Gießen der erste Zusammenschluss von früher vier eigenständigen Klubs einer Gemeinde. Geht das überhaupt? "Ja!", sagen die Verantwortlichen um den Sportlichen Leiter Holger Spahr.

Es ist schon imposant, wenn eine gewaltige Horde Fußballer auf einen zugelaufen kommt. Die hat sich einer Sache verschrieben – der FSG Biebertal. Die ist zwar nicht neu, bestand bis zu dieser Saison aus der Kooperation SKG Rodheim-Bieber und TSV Fellingshausen. Doch nun haben sich dem Verbund zwei weitere Vereine angeschlossen, die zuletzt ebenfalls als Duo am Spielbetrieb teilgenommen haben: die SG Vetzberg und die Spvgg. Frankenbach. Alle Ortsteile der Gemeinde Biebertal stellten früher eigene Teams in den verschiedenen Klassen. Das wurde mit der Zeit immer schwieriger; mal fehlten die finanziellen Mittel, mal die Man-power, mal Spielermaterial, mal bröckelte der Vorstand.

"Wir haben intensiv über die Zukunft nachgedacht, möglicherweise hätten wir es noch alleine zwei Jahre stemmen können", erklärt Norbert Bena, der 1. Vorsitzende der Spielvereinigung. Doch die Ungewissheit wuchs bei den Verantwortlichen von Frankenbach und Vetzberg, sodass sie sich mit den Offiziellen der FSG Biebertal trafen und einen Antrag auf Zugehörigkeit stellten. Die Gespräche seien alle sehr positiv gelaufen, auf höchster Führungsebene wurde sich ausgetauscht – und letztlich fiel der Entschluss, gemeinsam als FSG Biebertal einen neuen Weg zu gehen.

Wobei die Spieler immer in Kenntnis gesetzt worden waren. "Vor fünf Jahren wäre so ein Zusammenschluss nicht möglich gewesen", sagt Burkhard Mandler (Spielausschuss FSG Biebertal). Damals habe es noch zu viele Animositäten zwischen den Klubs gegeben.

Die vier ziehen jetzt an einem Strang. Wie und dass es geht, hatte die Jugend den Senioren schon vor zwei Jahren vorgemacht, als die JSG Biebertal mit den vier Vereinen im Boot ins Rennen geschickt wurde.

Am Ende dieser Woche starten die drei Mannschaften der großen Biebertaler Spielgemeinschaft in die Saison 2016/17. Die Erste will in der Kreisliga A Gießen ein gehöriges Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden. Trainer Holger Wagner, der mit seinem Team in der vergangenen Saison Platz vier belegte, schmunzelte, als er nach seinem Ziel gefragt wurde. Besser als zuletzt wolle er abschneiden, formulierte er. Nun hat er ja auch noch personelle Verstärkungen aus Frankenbach und Vetzberg erhalten, sodass sich die Funktionäre – und Wagner sicher selbst – den Aufstieg in die Kreisoberliga wünschen.

Die zweite Mannschaft agiert in der B-Klasse Wetzlar, die Dritte in der B-Liga Gießen. "Somit können wir jedem Akteur die Chance bieten, so viele Partien wie möglich zu spielen", erklärt Simon Schlierbach von der SG Vetzberg, warum eine Mannschaft im Raum Wetzlar antreten wird. In Gießen hätte dieses Team in der Reserverunde antreten müssen, ein Aufstieg – also ein sportlicher Reiz – wäre aber nicht möglich gewesen. Team Nummer zwei wird von Alexander Koch gecoacht, Team drei von Michael Wagner.

Alle drei Übungsleiter stehen ständig im Kontakt, tauschen sich aus. "Unser System ist leistungsorientiert, aber durchlässig", so Schlierbach. Das heißt: Die Spieler, die sich aufdrängen, werden gerne im höheren Kreis aufgenommen – somit entsteht ein gesunder Konkurrenzkampf. Die aktiven Fußballer kommen zu 90 Prozent aus den vier Gemeinden, der Kader der Ersten besteht aus 20 Spielern, wobei davon rund die Hälfte aus den A-Junioren rekrutiert wurde. Doch nicht nur die Trainer sind permanent im regen Austausch, auch die acht Spielausschussmitglieder treffen sich allwöchentlich. Sie müssen bei der geballten Ladung an organisatorischen und administrativen Dingen gut vernetzt und strukturiert sein.

An den Spielersitzungen, die in Rodheim-Bieber in der Gaststätte "Zum Wani" abgehalten werden, sind alle drei Teams beteiligt.

Um die sportliche Zukunft scheint sich die FSG Biebertal wohl keine Gedanken machen zu müssen, dafür aber über ein infrastrukturelles Problem. Obwohl fünf Sportanlagen vorhanden sind – hauptsächlich gespielt werden soll auf dem Rasenplatz in Rodheim-Bieber – fehlt der FSG ein Kunstrasenplatz. Ihn zu präsentieren, falls es mit dem Aufstieg klappt, wäre wohl das i-Tüpfelchen auf die Vorreiterfunktion der FSG-Fußballer, die schon mal bewiesen haben, dass sie vom Kräftebündeln profitieren. (Fotos: gae)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare