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Jannik Singpiel hat mit Fußball-Freestyle große Ziele.

Freestyler

Im Video: Jannik Singpiel ist einer der besten Fußball-Freestyler des Landes

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Jannik Singpiel hat eine besondere Fähigkeit: Der Leihgesterner ist Fußball-Freestyler. Eine Kiste mit Cola und Limo führte ihn zu seinem Hobby, das er sich auch als Beruf vorstellen kann.

Mit einem Leuchten in den Augen erzählt der Leihgesterner: "Ich war schon immer der, der viel getrickst hat. Das habe ich geliebt." Mit 15 plagte er sich mit schmerzhaften Knieproblemen herum. Das war in der Zeit, als er beim VfB Marburg in der B-Jugend auf der Spielmacherposition die Fäden zog oder auch mal auf Linksaußen auswich. Die Schmerzen waren extrem, sprinten war nicht mehr möglich. Mit seinem geliebten Fußball wollte er aber auch nicht aufhören. Tricks von Ronaldinho animierten ihn dazu, auf Youtube zu stöbern. Natürlich wurde er fündig. Den Auftritt des Fußball-Freestyle-Weltmeisters Andrew Henderson saugte er förmlich in sich hinein. Er konnte es kaum erwarten, selbst die Moves draußen auszuprobieren.

Aber er musste erkennen: Einfach war das nicht. Ein bisschen Ball hochhalten, das konnte er. Den Rest musste er sich täglich in harter, konzentrierter Arbeit beibringen. Bis der "Around the World" – der beliebteste Fußballtrick weltweit (Ball auf einem Fuß jonglieren, dann leicht hochspielen, sodass der Fuß einmal über den Ball geht und den Ball umdreht) – saß, verging einige Zeit.

Ihn packte der Ehrgeiz – was den jungen Mann schon immer auszeichnete. Es kamen viele neue Jonglagen dazu. Der ganze Körper wurde mit einbezogen – im Sitzen, Stehen, in der Bewegung. Jannik Singpiel wurde immer kreativer, fand seinen eigenen Stil – in der Akrobatik und Schnelligkeit sowie in der Auswahl wie Abfolge der Tricks. Zu jener Zeit habe er bis zu sechs Stunden täglich geübt. Entweder zu Hause auf einer freien, ebenen Fläche oder auf dem Sportplatz.

Sein Handy begleitete ihn auf Schritt und Tritt. Per Stativ nahm er seine Moves auf und feilte permanent daran, bis sie ihm perfekt erschienen. Von Mal zu Mal wurden seine technischen Fähigkeiten ausgeprägter. Er entwickelte ein Feingespür für seine Körperkoordination. Sein Ballgefühl und seine Ballkontrolle verbesserten sich immens. "Es hat einfach immer mehr Spaß gemacht", reizte Singpiel sein Potenzial permanent aus. "Man lernt von sich selbst. Man probiert einen Trick, bis man ihn kann."

Schnell fand er Gleichgesinnte – in Wetzlar Jusha Tadros, in Frankfurt Kjell Strauss. Natürlich über die Plattform Instagram. "Viele Freestyler bauen über die sozialen Netzwerke ihre Seite auf. Ich bin auch auf Insta-gram. Und so haben wir uns kennengelernt", erklärt der Ballartist. Die drei Freunde treffen sich, trainieren zusammen und hecken neue Moves aus.

Extreme Belastungen für den Körper

Der Trainingsumfang von Jannik Singpiel hat sich im Laufe der Zeit verändert, seit zweieinhalb Jahren ist der 18-Jährige Freestyler. Er achtet nun verstärkt auch auf seine gesamte körperliche Verfassung. Das Training im Fitness-Studio ist mittlerweile genauso wichtig wie das tägliche mit dem Fußball. Von Verletzungen blieb er beim Freestylen nicht verschont. "Die schnellen Bewegungen sind für den Körper sehr extrem." Die Leiste zwickte mehrmals, er riss sich den Außenmeniskus im Knie. Davon ließ er sich aber nicht unterkriegen, kämpfte sich immer wieder zurück und dosierte nun sein Pensum. "Man muss täglich dranbleiben, sonst vergisst der Körper die Bewegungen. Und dann ist man ganz schnell wieder raus. Alles ist Übung."

Singpiel startete schon bei großen Meisterschaften, bei denen in sogenannten Battles im K.-o.-System immer zwei Freestyler gegeneinander antreten. Die Dauer beträgt insgesamt drei Minuten. Einer fängt an und zeigt 30 Sekunden lang sein einstudiertes Set, das von einer dreiköpfigen Jury bewertet wird. Der Gegner folgt und muss in der gleichen Zeit abliefern. So geht es hin und her. Für die deutschen Meisterschaften im vergangenen Jahr in Crailsheim erhielt Singpiel eine Einladung. Aufmerksam wurden die DM-Verantwortlichen auf ihn, als er zuvor in Prag beim Superball in der Gruppe der Fortgeschrittenen (es gibt noch die der Rookies und der Profis) an den Start ging und dort unter die Top 8 kam. In Crailsheim sortierte er sich unter den 48 Teilnehmern unter die Top 16 ein. "Ich habe für jedes Battle ein neues Set und im Achtelfinale hatte ich natürlich ein härteres, da ich gegen bessere Gegner antrat. Mir fiel zweimal der Ball runter, deshalb hat es nicht für die nächste Runde gereicht", blickt der 18-Jährige auf die DM zurück.

Ich kann mir das heute überhaupt nicht mehr vorstellen, nur den Ball auf dem Fuß zu jonglieren, ohne irgendwelche krassen Tricks zu machen

Jannik Singpiel

Seine Stärke sind die Lowers – die schnellen Tricks im unteren Bereich des Körpers. Beim Fußball-Freestyle gibt es zudem noch die Sitdowns (alle Tricks im Sitzen), die Uppers (alle Tricks mit dem oberen Bereich des Körpers) und die Transitions (unter anderem in den Handstand gehen). "Natürlich zeige ich die gesamten Bereiche. Die Kunst besteht aber darin, alles schnell miteinander zu kombinieren – und so wenig Fehler wie möglich zu machen."

Auf die Frage, wie lange er eigentlich einen Fußball hochhalten kann, gerät er ins Schmunzeln. "Ich will ja nicht angeberisch wirken. Aber wenn ich will, kann ich den Ball auch fünf Tage lang hochhalten. Das ist nicht schwer. Ich kann mir das heute überhaupt nicht mehr vorstellen, nur den Ball auf dem Fuß zu jonglieren, ohne irgendwelche krassen Tricks zu machen."

Sponsoringanfragen über Instagram

Mittlerweile hat sich Jannik Singpiel als Fußball-Freestyler etabliert – seine eigene Marke aufgebaut. Deutschlandweit ist er im Fokus. Über Instagram erhält er Sponsoringanfragen. Dort hat er 20 000 Follower. Seit dem letzten Jahr tritt er regelmäßig auf, um sein "eigenes Business aufzubauen". Er möchte das natürlich ausweiten. "Ich will später einmal vom Fußball-Freestyle leben können, in andere Länder reisen, Workshops geben, lukrative Auftritte haben." Jannik Singpiel will sein Hobby zum Beruf machen. Dennoch steht erst einmal das Fachabitur in der Ricarda-Huch-Schule und das sich anschließende freiwillige soziale Jahr an, in dem er sportlich unterkommen will. Trotz der Liebe zu seinem außergewöhnlichen Sport will er sich ein zweites berufliches Standbein aufbauen – ein Sportmanagement-Studium schwebt ihm vor.

Dass sich Fußball-Freestyle durchaus monetär lohnt, erzählt der 18-Jährige. Die erfahrenen Topstars kassieren schon einmal für eine fünfminütige Show bis zu 4000 Euro. "Das kann noch weiter hochgehen." Die Inhalte, die sie präsentieren, wären für Singpiel kein Problem. Die bekannten Profis hätten sich aber eine Popularität erarbeitet – eine größere Reichweite, wie es der 18-Jährige nennt – und würden somit von den Agenturen gebucht. Seine Workshops, die er bisher gegeben hat, sind unter anderem bei Kindern gut angekommen und haben Interesse geweckt. Jannik Singpiel erinnert sich daran, wie es bei ihm war. Als er acht Jahre war, ging er mit seinem Vater Jens einen Deal ein: Der versprach seinem Sohn einen Kasten Mezzo-Mix, wenn er es schaffen würde, einmal jonglierend um das Haus zu kommen. Jannik Singpiel trainierte fleißig – und schaffte es letztlich sogar dreimal hintereinander. Schon damals kam in ihm die Idee mit dem Freestyle auf. "Mir macht es unheimlich Spaß, Menschen zu begeistern. Ich möchte ihnen beim Freestyle zeigen, dass alles möglich ist."

Info

Jannik Singpiel

Jannik Singpiel wurde am 6. Januar 2001 geboren. Er lebt in Leihgestern und besucht die 12. Klasse der Ricarda-Huch-Schule in Gießen. Aktiv spielte er bis zum 15. Lebensjahr Fußball bei verschiedenen Vereinen (TSG Leihgestern, VfB 1900 Gießen, VfB Marburg), bevor er Fußball-Freestyler wurde. Auf Instagram (https://www.instagram.com/jannik_fs/) folgen ihm über 20.000 Leute. Anfragen für Workshops oder Auftritte per E-Mail unter: jannik.singpiel@gmail.com; oder per Festnetznummer: 06403/4420.

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