Mitfiebern der Fans: Der überragende Braydon Hobbs sichert sich beim kuriosen 90:83-Heimsieg der Gießen 46ers den Defensiv-Rebound vor den Hagenern Ivan Elliot und Owen Klassen, verdeckt Suleiman Braimoh, rechts Karsten Tadda. (Foto: Friedrich)
+
Mitfiebern der Fans: Der überragende Braydon Hobbs sichert sich beim kuriosen 90:83-Heimsieg der Gießen 46ers den Defensiv-Rebound vor den Hagenern Ivan Elliot und Owen Klassen, verdeckt Suleiman Braimoh, rechts Karsten Tadda. (Foto: Friedrich)

Verrücktes Spiel mit Happy End für Gießen 46ers

(gae) Wahnsinn! Phoenix Hagen zerlegt die Gießen 46ers drei Viertel lang in alle Einzelteile. Doch das Team von Trainer Denis Wucherer baut sich wie im Kinohit "Transformers" in Sekundenschnelle wieder zusammen, schlägt mit einem 25:3 zurück und feiert mit den begeisterten Fans in der Osthalle ein nicht mehr für möglich gehaltenes 90:83.

Was für ein verrücktes Spiel! Damit hatten noch nicht einmal die eingefleischten Fans der Gießen 46ers gerechnet. Über 30 Minuten dominierte Phoenix Hagen die Partie in der mit 3572 Zuschauern erneut gut gefüllten Osthalle. Und sie wurden danach Zeugen eines der verrücktesten letzten Viertel, die die Basketball-Bundesliga je hervorgebracht hat. Die Gießen 46ers mobilisierten alle Kräfte, trafen endlich ihre Würfe und zelebrierten nach einem geschichtsträchtigen 25:3-Lauf den 90:83-Sieg.

+++ Hier geht's zur Bildergalerie

Kopfschütteln bei den Experten, überglückliche Gießener Fans und fragende Blicke der Hagener. Es folgten Erklärungsversuche auf beiden Seiten. Ein schmunzelnder 46ers-Coach Denis Wucherer analysierte: "Das letzte Viertel war okay, die davor aber nicht. Da stimmte bei uns die Intensität nicht. Wir waren zu weit weg von den Werfern. Die Eins-gegen-Eins-Verteidigung war nicht existent.

Aber in den Augen der Jungs war zu erkennen, dass sie den Sieg unbedingt wollten. Sie haben auf eigene Faust sieben, acht Stopps der Hagener hinbekommen." Sein geknickter Trainerkollege Ingo Freyer gab die nachlassende Defense seines Teams als Grund der Niederlage an: "Wir haben solche Spiele schon öfter gespielt. Gießen kam in der zweiten Halbzeit ins Laufen. Unsere Verteidigung war dann aber der Grund, warum wir im letzten Viertel unseren Rhythmus und Kopf verloren haben."

Den Gießener Anhängern war das völlig egal. Sie grölten das aus den Lautsprechern dröhnende "Hey, was geht ab? Wir feiern die ganze Nacht!" mit. Und das hatten die Protagonisten auch vor. "Die Nacht ist noch jung", sagte Braydon Hobbs am Samstag so gegen 23 Uhr und grinste dabei wie ein Honigkuchenpferd. Der Spielmacher der 46ers avancierte zu einem der Matchwinner. In der Crunchtime nahm der Amerikaner das Spiel in die Hand, traf per Dreier zum 75:80 (35.

) sowie zum 78:80 (36.), gab den Pass für seinen Centerkollegen Gabriel Olaseni, der mit Dunk den Ausgleich erzielte, sammelte hinten drei ganz wichtige Defensivrebounds ein und brachte damit die Osthalle zum Beben.

"Das war die lauteste Unterstützung, seitdem ich hier bin. Die Fans standen hinter uns", erklärte Hobbs. Nach seiner Leistung und seinen Dreiern befragt, antwortete er: "In der ersten Halbzeit habe ich keinen getroffen, deswegen wusste ich, ich muss rauskommen und werfen. Das hat zum Glück funktioniert." So einfach kann es manchmal sein. Bei der furiosen Aufholjagd mit zahlreichen Fastbreaks und einer erhöhten Intensität in der Abwehr stand Hobbs sein kongenialer Partner Karsten Tadda aber in nichts nach. Der Nationalspieler übernahm ebenfalls Verantwortung, führte das Team und warf die erste Führung für die 46ers heraus (Dreier zum 83:82, 38.). Unter dem ohrenbetäubenden Lärm der 46ers-Anhänger, die rund 350 Fans aus Hagen, die drei Sekunden nach Spielstart durch Schnipselwerfen eine fünfminütige Pause erzwangen, waren plötzlich mucksmäuschenstill. Tadda und der ebenfalls zum Schluss stark aufspielende Cameron Wells machten mit ihren Punkten die "Sensation" perfekt.

"Wir haben uns am Anfang selbst ein Loch gegraben. Dann haben wir uns aber mit den Fans im Rücken zurückgekämpft und am Ende glücklich gewonnen", so der später mit der "Halle" die Humba anstimmende Tadda. Gezeichnet von dem zuvor Geschehenen war 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg, der während der ersten drei Viertel mehrmals den Kopf schüttelte: "Es sah schon verdammt dunkel aus. Aber dass wir den Sieg noch geschafft haben, spricht für unsere Truppe: Chapeau!" Und Kapitän TJ DiLeo, mit dessen Rückkehr nach seinem Mittelfußbruch ins Team in zwei Wochen beim nächsten Spiel der 46ers in München gerechnet wird, sagte mit schelmischen Blick: "Das war der Spielplan – bis zum vierten Viertel zu warten, um dann zuzuschlagen."

Gießen 46ers: Kovalev, Hobbs (15 Punkte, 10 Rebounds, 7 Assists), Polas Bartolo (10), Palm (9), Lischka (2), Braimoh (8), Tadda (19), Wells (14), Olaseni (13), Schoo.

Phoenix Hagen: Klassen (4 Punkte), Bell (11), Hess (7), Geske (2), Zahner-Gothen, Mann (11), Elliott (8), Grof (6), Covington (17), Jefferson (17). - Viertelergebnisse: 9:25, 25:27, 31:28, 25:3. - Zuschauer: 3572.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare