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Verletzungsakte Feld der reinste Horror

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Von: Ralf Waldschmidt

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Olle ganz dolle. © Oliver Vogler

Die Befürchtung von Teamarzt Marco Kettrukat hat sich bestätigt: Wetzlars Rückraumspieler Alexander Feld hat sich einen Kreuzbandriss und einen Patellasehnenabriss zugezogen.

Die Horror-Krankenakte von Bundesliga-Handballer Alexander Feld ist um zwei folgenschwere Einträge reicher. Der in seiner Laufbahn bereits von unzähligen Verletzungen heimgesuchte und dadurch immer wieder zurückgeworfene, einstmals hoffnungsvolle Junioren-Nationalspieler hat sich im Sonntag-Heimspiel gegen den HSV Hamburg - wie befürchtet - eine extrem schwere Knieverletzung zugezogen.

Die MRT-Untersuchung am Montag im Wetzlarer Klinikum hat die erste Schock-Diagnose von Teamarzt Marco Kettrukat bestätigt, der 28-jährige Spielmacher der HSG Wetzlar hat sich beim 26:25 (14:13)-Erfolg einen Patellasehnenabriss sowie einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen.

Alexander Feld, der im Trikot des SC DHfK Leipzig, des HSV Hamburg und der Eulen Ludwigshafen bereits langwierige Achillessehnen-, Kreuzband-, Adduktoren, Muskel- und Ellenbogenverletzungen zu überstehen hatte, erlitt die neuerliche folgenschwere Blessur Ende der ersten Halbzeit nach einem Wurfversuch und war anschließend ins Krankenhaus gebracht worden. Ein OP-Termin ist aktuell noch in Abstimmung. Für den Mittelmann, der nach der Saison zum aktuellen Zweitliga-Zweiten HSG Nordhorn-Lingen wechselt, bedeutet dies das Saisonaus; für die HSG Wetzlar und Trainer Benjamin Matschke, dass künftig wieder verstärkt die Dienste des Spielmacher-Backups Filip Mirkulovski gefragt sein werden.

»Ich arbeite schon lange mit Alex zusammen und dieses Schicksal trifft mich hart, weil ich mit ihm viele schöne Erinnerungen verbinde. Wir werden jetzt für ihn da sein und ihn unterstützen. Alex ist ein Kämpfer und wird zurückkommen«, sagt HSG-Cheftrainer Benjamin Matschke, der den gebürtigen Krefelder einst von Bayer Dormagen zur TSG Friesenheim gelotst hatte.

»Das ist natürlich eine Tragödie für Alex. Wir sind jetzt für ihn da und wünschen ihm eine schnelle und vor allem vollständige Genesung«, so Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp. Zur Erinnerung, erst im November 2021 hatte der 1,88 m große, schlagwurfstarke Rückraumspieler beim Heim-33:21 gegen HBW Balingen/Weilstetten nach halbjähriger (!) Verletzungsspause sein Comeback im grün-weißen Trikot gegeben.

Schwer, sich zu fokussieren

Die 60 Minuten in der Buderus-Arena waren trotz des neuerlichen Heimsieges schnell in den Hintergrund getreten, zumal mit dem Hamburger Philipp Bauer ein weiterer Spieler ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, dieses am Abend nach eingehenden Untersuchungen trotz leichter Gehirnerschütterung aber wieder verlassen durfte.

Das Wetzlarer Spiel konnte in der Nachbetrachtung in drei Abschnitte untergliedert werden. »Zu Beginn hatten wir eine sehr gute Abwehr- und Torwartleisung«, erinnerte Linksaußen Emil Mellegard an die Anfangsphase, die zweite Welle war - denke ich - bis zum 9:4 überragend.« Stark vor allem der Kempa-Doppelpass von Lenny Rubin und Lars Weissgerber zum 4:2 in einer Manier, wie man sie in den Fußball-70ern eher von Franz Beckenbauer und Gerd Müller kannte.

Ab der Verletzung von Alexander Feld häuften sich, wie Kreisläufer Adam Nyfjäll einräumte, »die technischen Fehler«, weshalb die Führung schnell geschmolzen war und Hamburg sogar mit 19:17 (45.) in Führung ging. Die Endphase gehörte dann aber wieder den Gastgebern, da - so Mellegard - die Mannschaft wieder »enger zusammengerückt« sei. »Wir wollten das Spiel unbedingt für Alex gewinnen.«

Olle Forsell Schefvert, der durch seine nie aufsteckende Art und Weise als Marc Wilmots des Handballs in die Wetzlarer Handball-Geschichte eingehen wird, wendete das Blatt in der Endphase wieder zugunsten der Wetzlarer. »Das war ein Kampf um jeden Millimeter. Hamburg hat unsere Abwehr gut getrennt, das war ein hartes Stück Arbeit«, erinnerte der Schwede an das legendäre belgische Kampfschwein und kommentierte mit kühlem nordischen Humor seinen entscheidenden Treffer zum 26:24 (59.): »Wenn ich die Lücke nicht nutze, wäre das schlecht für uns ausgegangen. Hätte ich den Dreher verworfen, hätte das eine Kiste Bier gekostet.« Das Feld-Verletzungssschicksal berührte aber auch den charakterstarken Allrounder: »Ich kenne das Gefühl, welches Alex jetzt hat. Ich selbst habe zwei Kreuzbandrisse gehabt und weiß, wie schwer es ist, zurückzukommen. Nach dieser Situation war es verdammt schwer, sich gleich wieder zu fokussieren. In der Pause haben wir uns wenigstens etwas sammeln können.«

Sprechen über Unzulänglichkeiten im gebundenen Angriff gegen höher stehende, Körperkontakt suchende 6:0-Abwehrreihen, das Formtief von Rückraum-Linkshänder Stefan Cavor oder die zahlreichen technischen Fehler wollte trotz aller Freude über das 26:25 nach diesen Schockmomenten kaum noch jemand. Verständlicherweise.

»Das ist die zweite schwere Verletzung von Alex jetzt bei uns«, hatte auch Stefan Cavor die Horror-Krankenakte des Unglücksraben im Kopf, »er ist unser Teamkollege, das tut allen richtig weh«. Der 27-Jährige gestand ein: »Danach war es schwer, zu spielen. So etwas kann man nicht sofort ausblenden.« Seine eigene Leistung bewertet er dann doch noch: »Ich muss besser spielen. Ich hatte zwar einen schwierigen Januar mit Quarantäne und keinem richtigen Training, aber trotzdem. Ich muss wieder meinen Rhythmus finden und mehr zeigen.«

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Alexander Feld muss auf der Trage aus der Halle ins Krankenhaus befördert werden. Der Rückraumakteur wird für die HSG Wetzlar kein Bundesligaspiel mehr bestreiten können. © Oliver Vogler

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