Einer der vier Sonderseiten zum Europokalsieg des TV Lützellinden am 11. Mai 1991 in der „Gießner Allgemeinen“ - ein Dokument der sportlichen Zeitgeschichte.
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Einer der vier Sonderseiten zum Europokalsieg des TV Lützellinden am 11. Mai 1991 in der „Gießner Allgemeinen“ - ein Dokument der sportlichen Zeitgeschichte.

75 Jahre GAZ

Unvergesslich: Heute vor 30 Jahren triumphierten die Handballerinnen des TV Lützellinden im Europapokal

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
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Am 11. Mai 1991 schreiben die Handballerinen des TV Lützellinden mit dem Gewinn des Europapokals Sportgeschichte - für die Region, für den Frauenhandball und für ganz Deutschland.

Es war der 11. Mai 1991, also fast auf den Tag genau vor 30 Jahren, als der mittlerweile aufgelöste TV Gießen-Lützellinden den bislang größten Erfolg in der mittelhessischen Sportgeschichte feiern durfte. Nach einem phänomenalen 21:15-Hinspielerfolg über Titelverteidiger Hypobank Südstadt Wien in Gießen reichte der Mannschaft von Trainer Dr. Jürgen Gerlach ein Rückspiel-22:

TV Lützellinden: Legendäre Spiele bis ins Finale von Wien

25 in der österreichischen Metropole, um als erster und heute einziger westdeutscher Klub den Frauenhandball-Europapokal der Landesmeister zu gewinnen. »Mit enormer Willensstärke einen Handball-Riesen gestürzt« lautete die GAZ-Schlagzeile (links die Original-Veröffentlichung) am Montag darauf; und selbst da hatten Mannschaft, Verantwortliche und 200 mitgereiste Anhänger nach einem feucht-fröhlichen Bad im Meer der Glückseligkeit noch immer mit ihrem Kater zu kämpfen.

Aber nicht nur gegen Wien, Europapokalsieger der beiden Vor- sowie der beiden folgenden Jahre, war der dreifache deutsche Meister über sich hinaus gewachsen. Das Viertelfinal-33:25 (Halbzeit: 17:6 !) bei Buducnost Titograd ist legendär, das Halbfinal-20:17 gegen Rostelmash Rostow war nach dem Hinspiel-19:22 Maßarbeit. Auch für den kürzlich im Alter von 74 Jahren verstorbenen Trainer Dr. Jürgen Gerlach war das die Krönung seines Schaffens gewesen.

Noch zwei Spielerinnen von einst sind heute im Handballgeschäft

Lützellindens Weltklasse-Torhüterin Dragica Djuric parierte im Wiener Rückspiel u. a. drei Siebenmeter. Eine zentrale Funktion füllte Petra Boueke auf der »Eins« in der 3:2:1-Deckung aus. Liliana Topea und Katja Kittler erzielten in der österreichischen Hauptstadt zusammen 14 Treffer (!). Die Flügelzange Meike Neitsch und Birgit Wagner sorgte gegenüber dem Titelverteidiger für ein deutliches Lützellindener Plus auf den Außenbahnen. Und Spielführerin Renate Wolf als listige, spiel- und kampfstarke Kreisläuferin stellte selbst die zu Beginn der 1990er Jahre unerreicht scheinende Swetlana Antic auf Hypobank-Seite in den Schatten.

Von den Spielerinnen, die vor 30 Jahren in der Wiener Südstadt triumphierten, anschließend mit den TVL-Anhängern diese trocken legten und die Nacht zum Tag machten, sind noch immer Renate Wolf bei Erstligist Bayer Leverkusen und Meike Neitsch (»Das war der größte Moment meiner Karriere«) bei Regionalligist HC Strombach/Gelpe im Handball-Geschäft tätig.

Erinnerungen an Trainerlegende Dr. Jürgen Gerlach

Für Spielführerin Wolf, das Vorbild an Kampfkraft und Charakterstärke, war es »einfach der glücklichste Moment in meiner sportlichen Laufbahn«. Mit Bayer Leverkusen und dem TVL hatte sie es bereits auf zehn nationale Titel und ein halbes Dutzend DHB-Pokal-Erfolge gebracht, »aber der Triumph in Wien war das Größte«. Auch weil die Atmosphäre, der Zusammenhalt einzigartig gewesen sei. Wolf erinnert sich: »In der Nacht war der Cup bei mir im Bett.«

30 Jahre nach dem großen Triumph sind sich die Europapokalsiegerinnen von damals durch den plötzlichen Tod ihres Erfolgscoaches Dr. Jürgen Gerlach wieder nähergekommen. Am Dienstag haben sich deshalb bestimmt alle Spielerinnen an jenen denkwürdigen 11. Mai 1991 erinnert. Er bleibt - ebenso wie der ›Doc‹ selbst - unvergesslich!

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