Unterhaltsamer Abend mit 58 Toren

(jms) In der Sporthalle Driedorf wurde schon so manch europäische Handballschlacht geschlagen. Immerhin spielte der TV Lützellinden und die HSG Wetzlar Ende der 90er-Jahre am Rande des Westerwalds im internationalen Wettbewerb. Gestern Abend duellierten sich die Wetzlarer in einem Benefizspiel mit dem Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg.

In einem spannenden, aber eher niveauarmen Spiel behielt der Erstligist mit 34:24 (13:15) die Oberhand. Viel wichtiger als das Ergebnis war allerdings die Tatsache, dass sich rund 900 Zuschauer in der Halle eingefunden hatten. Denn die Erlöse kommen der an Lymphknotenkrebs erkrankten fünfjährigen Chiara und ihrer Familie sowie der Kinderkrebsstation "Peiper" des Universitätsklinikums Gießen zugute.

Für die Nationalspieler und WM-Teilnehmer der HSG Wetzlar, Tobias Reichmann, Kevin Schmidt und Steffen Fäth, gab es Geschenke vom TVH. Marketingleiter Markus Groß überreichte als Anerkennung für die starken Leistungen in Spanien jedem DHB-Auswahlspieler ein Handkäspaket. Weniger Geschenke verteilten die Hüttenberger Spieler, die in den ersten zehn Minuten ein Feuerwerk abbrannten. Vor allem Marc Pechstein konnte mit seinen druckvollen Vorstößen glänzen. Zunächst traf der Berliner in der ersten Minute aus der zentralen Position zum 1:0, dann ließ er mit einem schönen Kracher aus der zweiten Reihe das 5:2 (7.) folgen.

Neben Pechstein spielte sich auch Andreas Lex ins Rampenlicht und erzielte bis zum 9:5 in der 13. Minute drei Treffer. Die HSG hingegen tat sich schwer, erlaubte sich technische Fehler und wirkte etwas müde. Womöglich auch, weil die WM-Fahrer erstmals in der Vorbereitung ins Spielgeschehen eingebunden werden konnten. "Das war das erste Spiel, das wir in Bestbesetzung machen konnten. Das hat man gemerkt. Wir haben die Anfangsphase verschlafen und uns viel zu viele Unkonzentriertheiten erlaubt", gab Wetzlars Coach Kai Wandschneider später zu Protokoll: "Die zweite Halbzeit war dagegen in Ordnung".

Sein Kollege Heiko Karrer hatte da ganz andere Sorgen. Neben Rekonvaleszent Timo Ludwig sowie dem erkälteten Tomasz Jezewski mussten auch die beiden Spielmacher Florian Laudt (Grippe) und Sven Pausch (Weisheitszahn) krankheitsbedingt passen. Auch Keeper Jan-Steffen Redwitz, der allerdings einsatzbereit gewesen wäre, wurde von Karrer nicht berücksichtigt. "Auch wenn wir mit zehn Toren verloren haben, bin ich zufrieden mit der Leistung der Jungs. Man muss ja auch sehen, wer alles mitgespielt hat. Wir hatten ganz viele junge Spieler dabei, und die müssen noch ein bisschen arbeiten, um das Niveau zu erreichen. Das ist doch klar", meinte der TVH-Coach."

Der ersatzgeschwächte Zweitligist verkaufte sich bis zur Pause recht gut und lag dank eines Siebenmeters von Daniel Wernig verdientermaßen mit 15:13 in Front. Die Grün-Weißen hatten ihre beste Phase, als Steffen Fäth mit drei Toren in zwei Minuten zum 8:10 (19.) und mit einem "Strich" in den Winkel auf 12:13 (26.) verkürzen konnte.

Nach der Pause schaffte Schmidt per Siebenmeter den 17:17-Ausgleich (37.), Tobias Hahn brachte die HSG kurz darauf beim 18:17 erstmals in Führung. Beim 23:21 (48.) durch einen strammen Wurf von Philipp Müller lag der Erstligist mit zwei Toren vorne. Und als Jens Tiedtke am Kreis die nun fahrlässig agierende Hüttenberger Deckung narrte und zum 26:21 (52.) traf, war die Partie entschieden.

Auf der anderen Seite agierte der TVH abschlussschwach, was auch am stark reagierenden HSG-Keeper Nikolai Weber lag. Doch Wandschneider legte nach dem Spiel den Fokus viel lieber auf das Wesentliche: "Wir konnten vielleicht der kleinen Chiara ein bisschen helfen. Und das ist wirklich eine Ehre und eine Auszeichnung."

TV 05/07 Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Pechstein (4), Rühl (1), Andreas Lex (3/1), Lambrecht, Faulenbach (3), Wernig (7/3), Sebastian Weber (1), Stefan Lex (2), Scholz (2), Kaletsch, Fernandes (1), Stock, Warnke.

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber; Schmidt (4/4), Fridgeirsson (1), Tiedtke (3), Rompf (2), Valo (3), Mraz (1), Philipp Müller (6), Reichmann (2), Fäth (4), Michael Müller, Hahn (4), Harmandic (1), Kristjansson (3).

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Scheld/Späth (Hüttenberg). - Zuschauer: 900. - Zeitstrafen: 4:4 Minuten. - Siebenmeter: 4/3:3/3.

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