Regionalliga-Neuzugang des Gießener SV: Dennis Tschunichin. FOTO: FISCHER
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Regionalliga-Neuzugang des Gießener SV: Dennis Tschunichin. FOTO: FISCHER

Tischtennis

Umbruch beim Gießener SV

  • vonRichard Albrecht
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Die Wechselfrist ist verstrichen. Tischtennis-Regionalligist Gießener SV hat sich stark verjüngt. Hessenligist TSV Allendorf/Lda. verliert zwei Leistungsträger.

(ria). Bei den heimischen Tischtennis-Toppteams sind nach Ende der Wechselfrist die Kaderplanungen für die kommende Saison weitgehend abgeschlossen. Beim Gießener SV hat sich personell Grundlegendes geändert. Für die stark verjüngten Regional- und Hessenligateams gibt es neun Zugänge (!).

Regionalliga

Der Regionalligaaufsteiger Gießener SV lässt seinen Ankündigungen eines neuen Konzepts Taten folgen. Statt mit Legionären den Regionalligaplatz zu halten, um in drei Jahren, wenn auch in dieser Liga Viererteams an die Platte gehen, nur noch Legionäre im Kader zu haben, plant die Vereinsführung um Abteilungsleiter Jürgen Boldt ein neues "Team Mittelhessen", das aus "jungen, hungrigen und ehrgeizigen Spielern" bestehen soll. Die ebenfalls aufgestiegene zweite (Hessenliga) und dritte Mannschaft (Bezirksoberliga) sollen dabei als Unterbau dienen..

Etwas Wehmut schwang trotzdem mit, als Jürgen Boldt bekannt gab, sich bei der Verwirklichung des neuen Konzepts von verdienten und langjährigen Weggefährten wie Nicolas Burgos und Christian Güll (jetzt Eintracht Frankfurt), die beide den Löwenanteil zum Regionalligaaufstieg beigetragen hatten, sowie Dieter Buchenau, Samuel Preuß, Domingo Cordero (jetzt TV Großen-Linden), Michael Merkel und Christian Prell trennen zu müssen. Von den "Oldies" bleibt lediglich Igor Maruk dem Kader erhalten, der mittlerweile schon seit 20 Jahren für den GSV an der Platte steht.

Diesen Abgängen stehen neun Neuzugänge gegenüber. Der Weißrusse Andrei Tsiarokhin (20 Jahre, Linkshänder) ließ im letzten Jahr mit dem ersten Platz im Mixed bei den nationalen Meisterschaften aufhorchen. Michael Fuchs hat sich beim TTV Stadtallendorf zum Leistungsträger entwickelt und stand schon länger auf der Wunschliste des GSV. Den Zugang von Dennis Tschunichin vom SVH Kassel bezeichnet Boldt als "Transferhammer": "Er ist der beste U 18-Spieler in Hessen". Ashraf Mohames Abdul Rahman, ein "unbeschriebenes Blatt" kommt mit dem Ziel "Bundesliga" aus Kairo nach Gießen, er stand vor der Coronakrise zweimal in Bayern (TTC Wohlbach) an der Platte. Cyrill Menner hat im Trikot des TTC Elz schon einige Erfolge im Schüler- und Jugendbereich (national und international) erzielt und ist Mitglied im hessischen Jugendkader. Mit Peter Smallcombe wechselt einer der besten Nachwuchsspieler Englands vom TTV Stadtallendorf nach Gießen. Die Nachwuchsspieler Christian Schmirler (TTC Bad Nauheim, Hessenkader), Steven Frinta (TTC Höchst-Nidder) sowie Thomas Möhl (TTV Stadtallendorf) sollen zunächst in der Hessenliga zum Einsatz kommen.

Für die Förderung und Entwicklung dieser Talente wurde Christian Löffler (A-Lizenzinhaber) verpflichtet. Löffler ist Honorartrainer des HTTV, leitet den Talentstützpunkt im Raum Gießen. Zudem betreut er als Bundesassistenztrainer den deutschen Nachwuchs bei nationalen und internationalen Wettkämpfen. "Er hat sich in den vergangenen Jahren einen exzellenten Ruf als fortschrittlichen und akribischen Trainer über die Grenzen Hessens hinaus erarbeitet und pflegt beste Kontakte zu den Verbänden", setzt Boldt auf langfristige Zusammenarbeit mit dem neuen Coach, der die Philosophie verfolgt, den Talenten zu helfen, auch abseits der Tischtennisplatte und Trainingshalle die richtigen Weichen zu stellen. "Unser Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung der jungen Spieler in den oberen Herrenmannschaften, mittelfristiges Ziel ist es, für die Saison 2021/2022, wenn die Vierer-Mannschaftsform eingeführt wird, ein konkurrenzfähiges Oberligateam zu stellen."

Kader Regionalliga: Andrei Tsiarokhin, Igor Maruk, Aref Ahmadifar, Dennis Tschunichin, Ashraf Rahman, Michael Fuchs, Cyrill Menner.

Kader Hessenliga: Timo Geier, Jürgen Boldt, Peter Smallcombe, Thomas Möhl, Tim Birkenhauer, Steven Frinta, Valdemaras Batuchtinas, Luis Frettlöh, Christian Schmirler.

Oberliga

Ganz anders sieht es bei den andere hiesigen Toppteams aus, die bei ihren Kadern mehr auf Konstanz und Erfahrung setzen und nur wenige Neuzugänge vermelden können.

Der NSC Watzenborn-Steinberg, der verlustpunktfrei den direkten Wiederaufstieg in die Oberliga geschafft hatte, schickt den gleichen Kader ins Rennen, der vor zwei Jahren das Projekt "Klassenerhalt in der Oberliga" nicht verwirklicht hatte, es diesmal aber unbedingt besser machen will.

"Bei uns hat es keine Veränderungen gegeben. Wir planen gefühlt "wie ewig" und werden neben allem sportlichen Ehrgeiz vor allem auch das Gesellige beibehalten", vermeldet Mannschaftssprecher Jan Hartmann, der sich aber mit Prognosen zurückhalten möchte, zumal sich noch zeigen muss, was für Auswirkungen die Coronakrise in der neuen Spielzeit haben wird. Hartmann ist sich bewusst, dass es dabei auch für Florian Müller (beruflich in den USA) beim Thema Grenzübertritt durchaus zu Problemen kommen kann. Fabian Moritz, Stefan Harnisch, Jan Hartmann, Jakob Armbrüster, Torsten Kirchherr und Dennis Grötzsch stehen weiterhin bereit.

Die zweite Mannschaft, die die Rückkehr in die Verbandsliga geschafft hat und durch den Neuzugang Kevin Krendl (Butzbach) verstärkt wurde, wird wie gewohnt oben aushelfen.

Hessenliga

Personell geschwächt geht Oberligaabsteiger TSV Allendorf/Lumda in die neue Saison in der Hessenliga, die er vor zwei Jahren dominiert und wo er als Aufsteiger den direkten Durchmarsch geschafft hatte. "Die Oberliga kam für uns zu früh", heißt es von Seiten der Vereinsführung. In der neuen Runde wird man keinen Legionär verpflichten, dazu haben mit Michal Kuternozinski und Nico Grohmann zwei wichtige und langjährige Stützen den Verein verlassen. Dafür steht Slawomir Karwatka jetzt uneingeschränkt zur Verfügung. Mit Oliver Welt, zuletzt TSV Anspach (Bayerische Verbandsoberliga), der in seiner Laufbahn bereits Regionalligaerfahrung sammeln durfte, wurde ein Neuzugang vermeldet. "Wir wollen uns in der Hessenliga stabilisieren", wird kein Wiederaufstieg angepeilt. Vom alten Kader stehen Marco Grohmann, Manfred Krupenkow und Arvid Volkmann weiterhin zur Verfügung.

Der TV Großen-Linden, der in der Hessenliga den Klassenerhalt feierte, vermeldet mit Domingo Cordero vom Gießener SV, der dort sowohl im Oberliga- als auch im Verbandsligateam maßgeblich zu den beiden Aufstiegen beitrug, einen leistungsstarken Neuzugang. "Wir hätten die letzte Saison natürlich gerne zu Ende gespielt, hatten uns aber mit einer starken Vorrunde den Klassenerhalt redlich verdient. Es war sicherlich richtig, die Saison abzubrechen", fällt Kapitän Uwe Schreiber ein Resümee der vergangenen Spielzeit schwer.

Mit Cordero sieht Schreiber für sein "gutes, zuverlässiges und ambitioniertes Team" durchaus Chancen, sich im zweiten Jahr Hessenliga in Richtung obere Tabellenhälfte zu orientieren. Neben Cordero stehen Andirus Preidzius, Roland Fritsch, Carsten Jung, Dirk Schneider, Uwe Schreiber, Philipp Horvath sowie Simon Frodl-Dietschmann für die neue Saison bereit.

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