Robert Majcen
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Robert Majcen

Über Umweg nach Leipzig

John-Patrick Strauß ist der nächste Ex-Wiesecker, der den Sprung ins Profigeschäft des Fußballs schaffen kann. Das hat er auch dem außergewöhnlichen Einsatz seines Jugendtrainers zu verdanken. Bei RB Leipzig will der 20-Jährige nun erste Zweitligaminuten sammeln.

Wer weiß, wo John-Patrick Strauß heute spielen würde, wenn Robert Majcen ihn im Sommer 2012 nicht quer durch Deutschland gefahren hätte. Heute steht der 20-Jährige, der in Cleeberg groß geworden ist, beim Zweitligisten Red Bull Leipzig unter Vertrag. Er absolviert seine vierte Saison – neben seinem Talent verdankt er das vor allem seinem Jugendtrainer Robert Majcen. Der merkt schnell, dass der junge John-Patrick Strauß zu den Besten der TSG Wieseck zählt. 2012 fährt er ihn nach Dresden, zum Probetraining bei Dynamo. Dort lehnt man den damals 16-jährigen Mittelfeldspieler ab. Also packt ihn Majcen wieder ein und fährt ihn spontan zu RB Leipzig. »Ich hatte einen guten Kontakt dorthin«, erklärt der Jugendcoach. »Und der Trainer in Leipzig sagte: Den sehen wir später mal im Stadion.« Just an dem Tag, an dem Ralf Rangnick bei den »Roten Bullen« vorgestellt wird, erhält auch der bisherige Wiesecker John-Patrick Strauß einen Vertrag.

»Robert hat das Potenzial in mir gesehen«, sagt der defensive Mittelfeldspieler nun. »Er hat mich persönlich von Stadt zu Stadt gefahren. Es ist nicht selbstverständlich für einen Jugendtrainer, seinen Spieler 400 Kilometer durch Deutschland zu fahren.« Dafür sei er ihm sehr dankbar. Strauß erinnert sich noch gut an den Moment: »Als ich in Dresden nicht genommen wurde, war ich natürlich etwas geknickt. Aber ich denke das ist normal.«

Viel Zeit zum Nachdenken hatte er ohnehin nicht, es ging ja gleich weiter zu RB Leipzig. »Dass man bei einem Verein nicht genommen wird, muss gar nichts heißen. Jeder Trainer kann für seinen Verein ja etwas anderes suchen. Ich sage allen Talenten: Nicht unterkriegen lassen.« Darin bestätigt ihn auch Robert Majcen: »Jeder hat einen anderen Blickwinkel.«

In Leipzig ist Strauß also gelandet. In der Innenstadt hat er eine Wohnung und absolviert neben dem Fußball eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. »Das ging von mir aus. Es ist mir wichtig, ein zweites Standbein zu haben. Es ist meine Sicherheit.«

Das große Ziel aber bleibt das Profigeschäft im Fußball. In dieser Saison absolvierte er sechs Spiele bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga Nordost – bis ihn eine Verletzung für vier Monate außer Gefecht setzt. In der Winterpause kommt er bei Testspielen der ersten Mannschaft unter Trainer Ralf Rangnick zum Einsatz. Der sagte der »Mitteldeutschen Zeitung« vor knapp zwei Wochen: »Wir wollen ihn weiter an die erste Mannschaft heranführen und planen langfristig mit ihm.«

Strauß wäre der erste Spieler bei RB Leipzig, der es vom Nachwuchsleistungszentrum in den Profikader schafft. »Ich bin mit Herrn Rangnick so verblieben, dass ich erstmal Spielpraxis in der zweiten Mannschaft sammle, bis ich nach meiner Verletzung wieder auf meinem Niveau bin«, sagt der 20-Jährige. An Selbstvertrauen fehlt es ihm nicht: »Wenn ich mein Niveau wieder erreiche, habe ich alle Vorraussetzungen, um auch in der 2. Bundesliga zu bestehen.« Sein persönlicher Wunsch sei es, in dieser Spielzeit noch einige Minuten in der zweithöchsten deutschen Spielklasse zu absolvieren.

Früher oder später wird es auf die Entscheidung hinauslaufen: Durchsetzen bei RB oder Ausleihe. Sich beim finanzstarken Verein aus dem Osten Deutschlands zu behaupten, ist ambitioniert. Der Aufstieg in die Bundesliga wird nicht das letzte Ziel von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz sein. »Wenn er sich in Leipzig durchsetzt, hat er es geschafft«, weiß sein Jugendtrainer Robert Majcen. Er beschreibt ihn als »Arbeiter. Er ist ein Kämpfer, das war er schon immer. Er hat sich auf dem Platz immer die Seele aus dem Leib gerannt.«

Gelernt hat John-Patrick Strauß das Fußballspielen beim FC Cleeberg. Sein Vater wohnt noch immer im Dorf mit rund 1000 Einwohnern. Als Strauß noch dem Nachwuchs von RB angehörte, schaute er jedes zweite Wochenende zu Hause vorbei, nun beschränkt es sich auf einmal im Monat. Auch in Wieseck, bei der TSG, verfolgt man seinen Weg. Über seinen Weggang nach Leipzig war man damals aber nicht erfreut.

»Ich wurde intern schwer dafür kritisiert, dass ich ihn bei Leipzig vorgestellt habe. Man sagte mir: Du nimmst uns die besten Spieler weg«, erklärt Robert Majcen. »Ich denke, dass die Spitzen vorangebracht werden müssen. Es zahlt sich bei entsprechendem Erfolg für den Verein finanziell aus – und auch der Ruf wird besser. Ich sehe darin nur Vorteile.«

John-Patrick Strauß ist ihm dankbar dafür. Den Einsatz kann er zurückzahlen – indem er der nächste Ex-Wiesecker wird, der den Sprung in das Profigeschäft schafft. Sven Nordmann

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