Turnteam Linden stürzt den Tabellenführer

(top) Die Stadthalle Linden war Austragungsort des zweiten Heimwettkampfes des Turnteams Linden in der 3. Kunstturnliga und mit 350 Zuschauern noch besser besucht als bei der Heimpremiere. Die Turner aus Linden empfingen Spitzenreiter Eintracht Frankfurt und brachten diesem mit einem 45:35 die erste Niederlage bei.

Mit 9:1 Zähler sind die Lindener Turner somit nunmehr punktgleich mit dem neuen Spitzenreiter TZ Bochum-Witten, das sich bei der TSG Sulzbach problemlos 78:18 durchsetzte. Frankfurt rutschte auf Rang drei ab.

Am Boden gelang es zunächst nur Topscorer Lasse Gauch, zwei Punkte gegen die souverän turnenden Frankfurter zu ergattern. Alle anderen Akteure zeigten gute Leistungen, hatten aber gegen die Eintracht-Kaderturner keine Chance. Der Rückstand hielt sich mit 2:12 dennoch in Grenzen.

Jetzt galt es, die zuletzt guten Leistungen am Pauschenpferd zu wiederholen und Punkte aufzuholen. Lasse Gauch eröffnete das Gerät und zeigte wieder einmal seine Klasse. Er konnte erneut zwei Punkte verbuchen, bevor Ha van Duc ebenfalls wichtige vier Zähler beisteuerte. Nun war Lokalmatador Martin Friedrich an der Reihe. Leider konnte er an diesem Wettkampftag die sonst gewohnt solide Leistung an seinem Lieblingsgerät nicht ganz abrufen. Er zeigte einige Unsicherheiten, worauf er fünf Punkte abgeben musste. Harry Owen machte seine Sache besser und konnte trotz Sturz ein Unentschieden sichern. Neuer Stand nach zwei Geräten: 8:17.

An den Ringen startete Jonas Stüdemann, der unverständlicherweise auf eine sehr ordentliche Übung zu viele Abzüge erhielt und vier Punkte verlor. Als zweiter Turner für das Turnteam kam Hannes Drescher zum Einsatz, der seinen letztwöchigen "kleinen Aussetzer" in Hannover ausbügeln wollte und sich extrem viel vorgenommen hatte. Nach einer starken Übung von Dominik Bettray musste er nachlegen und zeigte wieder eine tolle Show aus Kraft- und Schwungelementen an seinem Paradegerät. Absolut nicht nachzuvollziehen waren hier die Abzüge der Kampfrichter. Trotz Sturz des Kontrahenten aus Frankfurt erhielt Hannes Drescher lediglich einen Punkt. Unverständlich war die Wertung auch für die Zuschauer. Von der umstrittenen Kampfrichterwertung ließen sich die beiden nachfolgenden Turner Ha van Duc und Harry Owen nicht aus der Ruhe bringen. Sie zeigten hochwertige Übungen und steuerten gemeinsam neun Punkte für das Lindener Scorekonto bei. Nach dieser Aufholjagt stand es plötzlich nur noch 18:21.

Nach der Pause galt es, den starken Sprüngen um Jugendnationalturner Kevin Wittig standzuhalten. Dies gelang einmal mehr durch Lasse Gauch, der mit seinem Yuchenko als Einziger zwei Punkte festhalten konnte. Tolle Sprünge zeigten auch Harry Owen und Tim Pfeiffer, die beide sehr hohe Wertungen auf ihre Tsukaharas mit ganzer Schraube erhielten. Doch beide wurden von den Frankfurter Turnern überboten. Hannes Drescher wollte erstmals seinen neuen Sprung zeigen, den er aber noch nicht in den Stand bringen konnte. Neuer Stand 20:31.

Am Barren zeigten die Turner um Kapitän Till Schäller nun ihre Klasse. Hannes Drescher begann die Aufholjagd gegen Kevin Wittig mit zwei Score-Punkten, gefolgt von Lasse Gauch mit vier Punkten. Dann wurde es dramatisch, als der Frankfurter Tim Schneider seine Übung sturzbedingt durch eine Fingerverletzung abbrechen musste und nicht mehr fortsetzen konnte. Zehn Score-Punkte gingen dabei an die Gastgeber, auf eine Art und Weise, die auch Trainer Kay Drescher bedauerte. Nach diesem Sturz zeigte Harry Owen eine beeindruckende Übung, die er mit einem Doppelsalto rückwärts gebückt in den Stand beendete. Damit steuerte er zwei weitere Punkte zum Stand von 38:31 für die Lindener bei. Wieder einmal hatte es sich gezeigt, wie schnell sich im Turnen das Blatt wenden kann.

Mit der Führung von sieben Punkten gingen die Turnteam-Athleten in das abschließende Reckturnen. Leider begann Harry Owen mit einem Sturz in der Übung, was den Verlust von drei Score-Punkten zur Folge hatte. Jonas Stüdemann machte es besser und musste mit seiner sehr eleganten Übung nur einen Punkt abgeben, bevor wieder Lasse Gauch souverän vier Punkte holen konnte. Nun lag das Turnteam vor der letzten Übung sieben Punkte in Führung und Ha van Duc konnte somit mit hohem Risiko turnen. Der sogenannte Katchev, ein Rückgrätschen über die Stange, konnte er im Einturnen mehrere Male nicht an die Stange bringen, aber in seiner Übung gelang es ihm. Er krönte den Abschluss mit weiteren drei Punkten zum Endstand von 45:35 Punkten und war zudem Top-Scorer des Tages. Unter ohrenbetäubendem Lärm der tollen Kulisse liefen alle Turner der Lindener zusammen und jubelten über den erkämpften Sieg gegen die Favoriten.

Licht und Schatten. So lautete das Fazit dieses spannenden Wettkampftages. Bei allem Respekt für die schwierige Situation von ehrenamtlichen Kampfrichtern und deren Einsatz war dieses Mal die Qualität der Wertungen und deren extrem lange Entscheidungsprozesse zu kritisieren. Positiv zu erwähnen war dagegen aber immer wieder die fantastische Heimkulisse in der Lindener Stadthalle, die mittlerweile in der gesamten Liga für Gesprächsstoff sorgt und eine unglaubliche Unterstützung für die Turner bedeutete. Wenn man bedenkt, dass bei Auswärtswettkämpfen manchmal keine 40 Zuschauer vor Ort sind, kann man verstehen, warum solche Siege in Linden vor dem heimischen Publikum möglich sind.

Das Turnteam Linden hat jetzt noch zwei wichtige und schwierige Wettkämpfe vor sich. Am 10. November geht es zum neuen Tabellenführer TZ Bochum-Witten, am 17. November kommt die TG Saar II nach Linden. - 5. Wettkampftag: Sulzbach - Bochum-Witten 18:78, Köln - Vinnhorst 35:19, Linden - Frankfurt 45:35, Hösbach - Saar II 9:54. - Tabelle: 1. TZ Bochum-Witten 54:6/9;1, 2. Turnteam Linden 40:20/9:1, 3. Eintr. Frankfurt 43:17/8:2, 4. TG Saar II 37:23/6:4, 5. TTT Köln 25:35/4:6, 6. NTT Vinhorst 22:38/2:8, 7. TSG Sulzbach 12:48/2:8, 8. TV Hösbach 7:53/0:10.

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