Sven Kusebauch und der FC Turabdin Babylon Pohlheim haben sich in der abgebrochenen Verbandsliga-Saison den Relegationsplatz nach oben erspielt. FOTO: FROESE
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Sven Kusebauch und der FC Turabdin Babylon Pohlheim haben sich in der abgebrochenen Verbandsliga-Saison den Relegationsplatz nach oben erspielt. FOTO: FROESE

Fußball-Relegation

Turabdin Babylon Pohlheim will klagen

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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Die "Corona"-Empfehlung des Verbandsvorstandes an den Fußball-Verbandstag lässt die Relegationsplatz- "Inhaber" außen vor. Gegen diese Ungleichbehandlung formiert sich Widerstand.

Am Samstag will der Vorstand des Hessischen Fußballverbandes in einer weiteren virtuellen Sitzung endlich Klarheit in Bezug auf die vor dem Abbruch stehende Amateurfußball-Saison schaffen - und vor allem die zuletzt immer noch strittige Frage nach dem Umgang mit den Mannschaften auf den Relegationsplätzen klären.

Derweil erhöht eine Gruppe von Klubs bereits im Vorfeld den Druck auf die Funktionäre (wie berichtet). Aus den Fußballkreisen Gießen und Alsfeld zählen Verbandsligist FC Turabdin Babylon Pohlheim, B-Ligist FSG Garbenteich/Hausen, A-Ligist FSG Bessingen/Ettingshausen, B-Kreisligist SGV Appenrod/Maulbach und C-Ligist TV Dornholzhausen zu einer Gruppe, die mit möglichst breiter Front den HFV davon zu überzeugen versucht, die Relegationsteilnehmer doch noch zu berücksichtigen.

Zur Erinnerung: Der Verbandsvorstand hatte in Zusammenarbeit mit dem Präsidium und nach etlichen Kreis- und Regionalkonferenzen mit Vereinsvertretern bislang ein Szenario favorisiert, wonach die Saison abgebrochen, die Abschlusstabellen mittels eines Quotienten ermittelt und lediglich ein Auf- aber kein Abstieg durchgeführt wird. Erst kurz vor Toreschluss kam die Diskussion um die Teams auf den Relegationsplätzen auf, die sich angesichts der Regel um ihren sportlichen Lohn gebracht fühlen.

Bei den heimischen Klubs herrscht überwiegend Übereinstimmung darüber, die überarbeitete Empfehlung, die der Fußball-Verbandsvorstand am Samstag mit Hilfe eines inzwischen erstellten Rechtsgutachtens geben wird, zu akzeptieren und nicht den Klageweg zu bestreiten.

TuBa beteiligt sich an Sammelklage

Nicht so der FC Turabdin Babylon Pohlheim, der im Falle eines negativen Bescheids des Verbandsvorstandes zusammen mit 20 weiteren hessischen Fußballvereinen eine Sammelklage vorbereitet. "Wir sind überzeugt, dass der HFV alle Zweitplatzierten aufsteigen lassen muss", sagt der Sportliche Leiter Christian Memmarbachi, "wir haben uns anwaltlich beraten lassen und sehen uns rechtlich auf einem guten Weg." Zum einen pochen die Pohlheimer auf ihr sportlich erworbenes Recht als Tabellenzweiter zur Relegationsteilnahme, andererseits bringt Memmarbachi noch einen weiteren Aspekt ins Spiel: "Unser 6-Punkte-Abzug, den wir vollumfänglich akzeptiert haben, erfolgt eigentlich ja erst am Saisonende. Wir hätten aber noch ein Drittel der Saison zu absolvieren gehabt, weshalb man bei der Quotienten-Regelung eigentlich noch einmal genauer hinschauen müsste." Verbandsligist Turabdin Babylon möchte - wie alle betroffenen heimischen Klubs - den Verbandstag dazu bewegen, auch alle Zweitplatzierten aufsteigen zu lassen. "Wir wollen nur zu unserem sportlich erworbenen Recht kommen", fügt Memmarbachi an, "wir haben nach der guten Vorrunde im Winter extra nochmal ein Trainingslager in der Türkei bezogen und schon damals das Ziel Hessenliga-Aufstieg ausgegeben."

Klaus Lotz, Sportvorstand des Kreisoberligisten SG Treis/Allendorf, vertraut den Verbandsoberen: "Wenn man es allen recht machen will, muss man auch den Relegationsteilnehmer belohnen", hofft er für seine ambitionierte SG zwar auf den Gruppenliga-Aufstieg, "wir werden aber jede andere Entscheidung aufgrund der Besonderheiten von Corona sportlich fair akzeptieren und nicht klagen. Jeder muss schließlich mit der Situation leben." Im Nachhinein zeigt sich Lotz dennoch verwundert darüber, dass gerade dem so bedeutsamen Punkt Relegation in den vorherigen Konferenzen kaum Beachtung geschenkt wurde, "dann wäre das ganze Thema jetzt schon erledigt." Die hohe Anzahl der Vereine in den Spielklassen sieht Lotz für 2020/21 nicht als Problem. "Wenn wir ohnehin nicht vor September beginnen können, wären geteilte Ligen durchaus vorstellbar und das Saison-Programm gut zu bewältigen."

"Wir gehen lieber gesund aus dieser Saison heraus und greifen in der kommenden A-Liga-Spielzeit dann richtig an", sagt Oliver Heil vom Spielausschuss der FSG Bessingen/Ettingshausen/Langsdorf. "Wir wollen einen möglichen Aufstieg über die Relegation jetzt nicht über das Knie brechen. Wir kommen eigentlich ohne große Gelder aus, sind froh, wenn der Spielbetrieb bei uns verlässlich geregelt ist. Je höher die Klasse, desto eher kommen finanzielle Interessen dazu. Insofern kann ich den Ärger vieler Vereine schon verstehen. Aber wir sind bei diesem Thema entspannt."

Die FSG Garbenteich/Hausen zählt zu den Unterstützern des Beschwerdebriefs an den HFV, wiegelt im Gespräch aber ab: "Wir werden sicherlich nicht klagen, sollten wir nicht aufsteigen dürfen. Was hätte das alleine für einen Dominoeffekt, wenn der B-Ligist klagt und recht bekommt?", fragt Philipp Heyse von der Abteilungsleitung der FSG. "Wir denken zwar, dass ein Platz mehr in der A-Liga nächste Saison kein Problem wäre - aber wir werden uns der Entscheidung beugen, auch wenn es aus unserer Sicht am sportlich fairsten wäre, alle Releganten aufsteigen zu lassen."

Ähnlich äußert sich Heiko Haas, dem mit der SG Reiskirchen/Bersrod/Saasen in der Kreisliga A Alsfeld/Gießen bei drei mehr ausgetragenen Partien wie der Spvgg. Mücke die Quotientenregelung zum Verhängnis geworden ist: "Natürlich wünschen wir uns den Aufstieg. Wir waren drei Spiele vor in der Runde, da haben wir uns das sportlich verdient, zumal wir mit der Verpflichtung von Benjamin Loch als neuem Trainer auch schon die Weichen für die Zukunft gestellt haben." Der Sportvorstand weiß um die Schwere der Entscheidung der Verantwortlichen auf Kreis-, Regional- und Verbandsebene, bei der SG Reiskirchen/Bersrod/Saasen hat man deshalb auch frühzeitig Abstand davon genommen, über einen Klageweg nachzudenken bzw. sich anderen hessenweiten Initiativen anzuschließen. "Wir nehmen es wie es kommt, hoffen aber auf eine Entscheidung zu Gunsten aller Releganten, schließlich sind ja bereits zwei Drittel der Saison gespielt worden." Von einem Klageweg - versichert Haas - wird seine SG aber grundsätzlich absehen. "Die Entscheidungswege sind lang und 100-prozentig faire Lösungen für alle gibt es ohnehin nicht."

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