Nordisch kühl: So behalten die 46ers-Fans den in Wedel bei Hamburg geborenen Ingo Freyer (49) in Erinnerung. FOTO: FRIEDRICH
+
Nordisch kühl: So behalten die 46ers-Fans den in Wedel bei Hamburg geborenen Ingo Freyer (49) in Erinnerung. FOTO: FRIEDRICH

Transferhammer und Abstiegssorgen

  • vonSebastian Kilsbach
    schließen

(sks). Ingo Freyer steht für Run-and-Gun-Basketball. Seiner Philosophie blieb der Basketball-Trainer auch in seinen knapp dreieinhalb Bundesliga-Jahren bei den Gießen 46ers treu. Am vergangenen Mittwoch wurde er nach saisonübergreifend 13 Niederlagen beurlaubt. Wir blicken auf die Ära Freyer zurück - sein Wirken in Gießen im Zeitraffer:

9. März 2017 - Die Gießen 46ers kündigen die Trennung von Coach Denis Wucherer zum Saisonsende an. Wucherer hatte den Verein zurück in die BBL geführt und dort etabliert.

24. März 2017 - Wochenlang brodelte die Gerüchteküche, nun steht fest: Ingo Freyer übernimmt auf der Kommandobrücke. Von 2007 bis 2016 hatte er das Traineramt in Hagen inne. Nach einem Insolvenzantrag nebst BBL-Rückzug plant der Klub den Neustart ohne Freyer.

28. August 2017 - Geschäftsführer Heiko Schelberg hatte sich für Freyer entschieden, da dieser trotz niedrigen Etats bundesligataugliche Mannschaften auf die Beine stellen kann. Die Run-and-Gun-Philosophie bringt er mit an die Lahn - und verpflichtet mit Malik Dime und Kayel Locke zwei athletische, aber nicht besonders große Innenspieler. Die beiden jungen US-Amerikaner erfüllen die Erwartungen nicht. Die Verträge werden Ende August aufgelöst. "Plan B haben wir natürlich in der Tasche", sagt der mit Freyer gekommene "Co" Steven Wriedt dieser Zeitung. Und was für einen.

12. September 2017 - Der Klub verpflichtet völlig überraschend den ehemaligen Liga-MVP John Bryant. Ein Transferhammer, doch passt der aus der Form gekommene Hüne ins System?

13. Oktober 2017 - Nach Klatschen gegen Bayern, Bamberg und Gotha stehlen die 46ers das Spiel in Ludwigsburg (83:81). Aus den nächsten vier Begegnungen werden drei gewonnen. Gegen Jena Mitte November ist Big John erstmals Topscorer. Die Pfunde purzeln, die Statistiken steigen.

29. April 2018 - Lange spielen die 46ers um die Playoffs mit, erst am Ende geht ihnen nach Niederlagen gegen Göttingen und Jena die Luft aus. Dafür glückt im April der erste Sieg über Alba Berlin seit 2003! Ein versöhnlicher Saisonabschluss - Gießen geht mit 16 Siegen auf Rang 11 ins Ziel.

3. November 2018 - Goldener Herbst: Beim 97:88 über Oldenburg steht die Osthalle Kopf, und scheinbar auch die Tabelle. Gießen rangiert auf Rang drei. Es folgt eine knappe Niederlage in Bamberg, das Hessenderby wird mit 91:90 gewonnen. Die ersten BBL-Playoffs seit 2005 scheinen möglich.

8. Dezember 2018 - Beim 83:84 gegen Vechta hat Brandon Thomas den Sieg auf der Hand, sein Wurf mit der Sirene flutscht aber aus dem Korb. Es folgen turbulente Weihnachtswochen.

26. Januar 2019 - Nach fünf Niederlagen in Folge stoppen die 46ers den freien Fall mit Siegen über Braunschweig und in Bonn. Dort gleicht das Spiel aber eher einem Fieberrausch. Trotz 20 Gießener Dreiern kratzt Bonn bis zuletzt am Sieg. Defensiv hält immer häufiger der Schlendrian Einzug.

12. Mai 2019 - Von den vier Niederlagen zum Saisonschluss tut die letzte - ein 81:82 in Frankfurt - am meisten weh. Die Rückrunde wirkte blutleer. Obwohl das Saisonziel mit Platz 13 erreicht wird, wird die frühzeitige Vertragsverlängerung mit Freyer bis 2021 in Fan-Kreisen heftig diskutiert.

27. Oktober 2019 - John Bryant startet außer Form in die Saison. Erst am fünften Spieltag glückt der erste Sieg: einer von wenigen. In Göttingen (90:63) gelingt den 46ers der letzte echte Ausreißer.

7. Dezember 2020 - Die Demission von Heiko Schelberg nimmt Mannschaft und Trainer aus der Schusslinie, sorgt nach einem Sieg über Würzburg - das Team weiß zu diesem Zeitpunkt nichts vom zukünftigen Geschäftsführer Michael Koch - aber für eine Talfahrt, die bis Frühjahr anhält.

7. März 2020 - Bei dem ernüchternden 82:90 im Hessenderby wird Schelberg vom und im Fanblock der Gießener würdig verabschiedet. Neben dem Parkett nimmt bereits Koch Platz. Die sportliche Lage ist ernst. Zum Abstiegsgipfel in Weißenfels am 13. kommt es wegen der Corona-Pandemie aber nicht mehr.

16. Dezember 2020 - Nach 13 saisonübergreifenden Niederlagen ist Freyer nicht mehr zu halten. Die 46ers stehen auf dem letzten Tabellenplatz. Rolf Scholz übernimmt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare