Zoom-Training bei den Basketballern der Gießen 46ers. Athletiktrainer Lukas Lai bringt die Profis ins Schwitzen. FOTO: LAI
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Zoom-Training bei den Basketballern der Gießen 46ers. Athletiktrainer Lukas Lai bringt die Profis ins Schwitzen. FOTO: LAI

Corona

Training im Homeoffice

  • vonGerd Chmeliczek
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Vier Wochen ohne Trainings- und Spielbetrieb - mindestens. Auch die Profis müssen sich einstellen auf die wieder mal ungewohnten Voraussetzungen. Für alle gilt: Fit durch die Zwangspause kommen.

Der Lockdown im Sommer hatte seine ganz eigenen Herausforderungen: Man begab sich auch im Sport auf unbekanntes Terrain. Von diesen Erfahrungen können die Teams nun profitieren, wenn es beispielsweise um das individuelle Training geht. Aber auch der derzeitige "Lockdown light" stellt die Akteure vor besondere Probleme: Das Wetter wird schlechter, was die Planungen mitunter erschwert. Was die Trainer ihren Schützlingen mit auf den Weg gegeben haben, hängt also von zahlreichen Faktoren ab:

Bis auf Brandon Thomas und Tim Uhlemann befanden sich die Bundesliga-Basketballer der Gießen 46ers bis Dienstagabend in häuslicher Quarantäne. Läuft alles normal weiter, dürfte das Team von Coach Ingo Freyer am 21. November zu Hause gegen Ulm erstmals in den Ligabetrieb eingreifen. Bis zur ersten gemeinsamen Einheit hieß es für die Spieler also, zumindest den Fitnessstand zu halten. Dafür ist unter anderem Athletiktrainer Lukas Laiverantwortlich. "Wir haben mit der Mannschaft Einheiten über das Video-Portal Zoom gemacht. Bis zu dreimal täglich", erklärt Lai. Morgens machte Team-Physiotherapeut Nico Brendel Dehnübungen mit den Profis, gegen Mittag leitete Co-Trainer Steven Wriedt Koordinationsübungen mit dem Ball "und am Nachmittag kam dann mein Workout. Dann wurde es anstrengend", sagt Lai. Alles übrigens unter Beobachtung von Coach Ingo Freyer, der sich zu den Einheiten ebenfalls einloggte.

"Wir haben versucht, das ganze Spektrum abzudecken - Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Explosivität." Dabei arbeite man lediglich mit Gummibändern, einer Schaumstoffrolle und einem Basketball. "Wir haben viel mit dem eigenen Körpergewicht gemacht, unterstützt auch von Dingen, die man im Haushalt findet, zum Beispiel Stühle." Liegestütze könne man auf so viele verschiedene Arten machen - in der tiefen Position verharren, einarmig, einbeinig, mit Klatschen oder explosiv ausgeführt. Spaß und Abwechslung dürfen natürlich nicht fehlen", weiß Lai. "Und wenn es nur die Musik ist, die bei den Übungen läuft."

Ziel war es, dass die Spieler nach Ablauf der Quarantäne sofort ins Mannschaftstraining einsteigen können. Mittwoch, Donnerstag und Freitag bleiben also für Basketball-Training vor dem Spiel gegen Ulm am Samstag. Zusätzlich zum Zoom-Workout habe man den Spielern auch andere Hilfsmittel an die Hand gegeben: Tipps zur Schlafoptimierung oder zur Ernährung. Dazukommen - mit einer Sondergenehmigung des Gesundheitsamtes - Einzel-Lauftraining auf dem MTV-Sportplatz.

Das sportartspezifische Training blieb dennoch in den 14 Tagen weitgehend auf der Strecke. Auch taktische Übungen fehlten. Dass muss jetzt - so gut es eben geht - in den drei Tagen vor dem Ulm-Spiel in Angriff genommen werden.

Lai betreut auch Amateursportler, die im Moment ebenfalls nicht in gewohntem Maß trainieren können. "Hier legen wir ebenfalls viel Wert darauf, einfach Übungen ohne viel Equipment zu vermitteln." Man könne nicht davon ausgehen, dass jeder eine Hantelbank zu Hause habe. Dazukommt: "Ein Ausrede, um nicht ins Fitnessstudio zu gehen, hat jeder schnell parat. Fünf Minuten zu Hause hat man dagegen immer."

"Die Hallen sind zu und es geht Richtung Winter - das macht es natürlich schwierig", sagt Mario Weber, Trainer des Handball-Landesligisten HSG Linden. Seine Spieler sind angehalten, zwei- bis dreimal in der Woche einen Ausdauerlauf zu machen. "Und sie sollen zweimal pro Woche in den eigenen vier Wänden Krafttraining machen", fügt er an. Viel werde mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet und mit dem, was man zu Hause vorfinde: Zum Beispiel mit einer Kiste Mineralwasser. "Ein Kasten mit zwölf gefüllten Literflaschen wiegt etwa zwölf bis 13 Kilogramm. Damit kann man etwa Kniebeugen und Ausfallschritte machen." Insgesamt habe er seinen Spielern 14 Kraft- und Stabilisationsübungen zusammengestellt, aus denen sie auswählen können. Insgesamt setze er viel auf die Eigenverantwortung der Spieler, dass das Programm auch entsprechend absolviert werde.

Im hessischen Handball pausiert der Spielbetrieb bis Jahresende. Wie es dann weitergeht, steht in den Sternen. Angestrebt ist seitens des Verbands, den Spielbetrieb nach den Weihnachtsferien mit dem Beginn der Rückrunde wiederaufzunehmen. Weber ist skeptisch: Sollte es Anfang Dezember möglich sein, wenigstens in Kleingruppen in die Hallen zurückzukehren, werde man an Intensität wieder zulegen. Aber: "Wir müssen im Anschluss an den Lockdown eine Vorbereitung von drei bis vier Wochen machen. Vorher machen Spiele keinen Sinn", macht Weber deutlich.

Sollte also der Trainingsbetrieb länger als geplant stark eingeschränkt sein, "dann muss auch der Restart entsprechend nach hinten geschoben werden", sagt er in Richtung Verband. "Alles andere wäre unverantwortlich." Eine faire Fortführung ist für Weber unter diesen Bedingungen ohnehin nur schwer zu realisieren. Denkbar für ihn wäre dann eine Regelung ohne Auf- und Absteiger oder ein Abbruch der Saison mit anschließen-den Freundschaftspielen. "Wir müssen abwarten, wie es weitergeht."

Die Kreisoberliga-Fußballer des TSV Klein-Linden haben von ihrem Coach Jochen Maaßkeinen Trainingsplan, mit nach Hause bekommen, was in erster Linie aber an der zeitlichen Konstellation liegt. "Das macht im Moment keinen Sinn. Wir haben bis Ende des Jahres kein Spiel mehr, wir befinden uns quasi schon in der Winterpause. Wir werden - hoffentlich - Mitte Januar wieder voll in die Wintervorbereitung einsteigen." Sollte man im Dezember wieder auf den Platz dürfen, "dann werden wir zumindest einmal in der Woche zusammenkommen. Das haben wir schon ausgemacht". Allerdings stehe bei solchen Einheiten der Spaß im Vordergrund. "Da geht es auch viel um Zusammenhalt. Da wird nicht viel an der Taktik gefeilt. Die Jungs wollen kicken, und das werden wir dann auch tun", sagt Maaß, der anfügt: "Wenn wir dürfen." Die Ungewissheit, wann es schlussendlich weitergehe, mache es kompliziert. "Du musst ein Ziel haben, auf das du hinarbeitest." Sonst leide die Motivation. Froh ist Maaß über die Trainingsbedingungen. "Wir haben einen Kunstrasenplatz und sind daher nicht so sehr von der Witterung abhängig." FOTOS: RAS, PV

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